Lulu MacDonald: The Sky Is Falling Down (installation view), 2025, glass lampshades, metal, LED, installation, digitally printed wallpaper, HFBK BOUTIQUE. Photo: Jana Rothe © the artist @lulu_macdonald
Magazin

Kontinuität statt Konjunktur: Frauen in der Kunst – was ist zu tun?

Quo Vadis, equal rights in the art world? This is not merely a question of exhibitions, quotas, acquisitions and market prices, but begins right from the moment we ourselves decide how we talk about female artists, whom we quote and which ways of life we take for granted. Let’s take a closer look: What remains to be done today – by the institutions, but also by ourselves? A snapshot.

In den letzten acht Jahren wurde verstärkt analysiert, warum jahrhundertelang sehr viel weniger weibliche Künstler zu sehen waren – und aktiv dagegen gesteuert. In einem Jahrzehnt lässt sich Kunstgeschichte freilich nicht umschreiben, jedoch genügt es nicht, mehr Künstlerinnen auszustellen, wenn das Ziel ist, Künstlerinnen dauerhaft in Sammlungen, Forschung, Lehre und Ausstellungen zu verankern. Gisela Breitling gründete mit Evelyn Kuwertz 1986 das Verborgene Museum, weil sie wussten, dass Sichtbarkeit dauerhaft institutionell gepflegt werden müsse. Sichtbarkeit von Künstlerinnen soll kein Ereignis sein („wiederentdeckt“), sondern muss zur Struktur werden.

Nur zehn Jahre vor Breitling und Kuwertz formuliert die Künstlerin Ruth Eitle (1924 - 1989): „(Tagebuch) 20.11.67 [...] Ich frage mich, ob ein Mann unter solchen Bedingungen arbeiten könnte, d.h. wenn er von seiner Frau jahrelang erzogen würde, zur Pflicht und Verantwortung gehalten, von morgens bis abends angebrüllt würde, Diät kochen müsste, Kinder versorgen, Haushalt in Ordnung halten, und dafür täglich gesagt bekäme, dass er ein Schmarotzer sei, und die Amouren noch zu acceptieren hätte. Und da soll meine Kunst noch erbaulich und entspannt sein. [...] Als Frau Künstlerin sein zu wollen oder müssen, erfordert ungleich mehr Kraft wie als Mann.“ Sechzig Jahre später hat sich viel verändert. Das war auch Thema einer von mir kürzlich moderierten, offenen Gesprächsrunde, an der Frauen verschiedener Generationen teilnahmen, darunter allerdings nur eine junge Künstlerin; außerdem war ein Mann dabei. Hier wurde obiges Zitat von Susan Nitsche eingebracht, der Tochter von Ruth Eitle: Ruth Eitle musste nach ihrem Abschluss an der Stuttgarter Akademie in den 1950er-Jahren das Kunstmachen, die Netzwerke und Vereine, drei Kinder, Ehe und Haushalt miteinander vereinbaren.

Unsere Diskussion blieb jedoch nicht bei früheren patriarchalen Strukturen stehen, sondern fragte, wie es sich heute für Frauen in der Kunst darstelle (gemeint sind immer alle weiblich gelesenen Personen, auch Kunsthistorikerinnen in Museen, Autorinnen, Kuratorinnen, Lehrende bis zu Sammlerinnen).
Die Künstlerin Elizaveta Ostapenko (*1999) erlebte ihre Hochschule, die HfBK Hamburg, als weitgehend gleichberechtigt. Die Worte von Ruth Eitle klangen, kurz gesagt, befremdlich für sie. (Zum Glück! Weiteres siehe: Statements).
Eine ehemalige Museumsmitarbeiterin hingegen fragte nach dem Equal-Pay-Gap, warum Kulturmanagerinnen und auch Kunsthistorikerinnen in der gleichen Position heute teilweise immer noch weniger verdienen als Männer.
Die Autorin und Kuratorin Anne Simone Kiesiel bemerkte unlängst beim Schreiben eines Textes: „Warum habe ich eigentlich nur männliche Referenzen verwendet?“ und meint, dass wir unsere Recherchen paritätisch oder pro-weiblich lenken sollten, um den Kanon der Kunstgeschichte um Künstlerinnen zu erweitern. Auch betont sie, wie stark Sprache Wahrnehmung prägt: Warum wird so vertraulich von „Paula“ gesprochen anstatt von Paula Modersohn-Becker, während männliche Künstler als professionelle Akteure unter ihrem Nachnamen in die Kunstgeschichte eingehen? Und vielleicht beginnt Veränderung noch alltäglicher: Wenn eine Künstlerin oder Autorin ihr Baby selbstverständlich mit an die Universität oder zur Ausstellungseröffnung nimmt – und der Kunstbetrieb nicht erwartet, dass Care unsichtbar bleibt.

Das bestätigt auch der Beitrag von der Bildhauerin Lulu MacDonald in Frieze: „The Year I Almost Gave Up Being An Artist“, in dem sie beschreibt, dass sie kurz davorstand, das Künstlerinnendasein aufzugeben. Zwei kleine Kinder, finanzielle Unsicherheit und die Vorstellung, eine „richtige“ Künstlerin müsse sich ihrer Kunst vollständig widmen, ließen sie an sich zweifeln. Heute beansprucht sie für sich ein hybrides Leben: Künstlerin, Mutter und berufstätig – „Es ist an der Zeit, die Vielschichtigkeit eines kreativen Lebens stärker sichtbar zu machen.“

Um Momentaufnahmen verschiedener Generationen und Orte zu erhalten, möchten wir hier einige Künstlerinnen selbst zu Wort kommen lassen:

Wenn Sie die Situation Ihrer eigenen Generation und Ihres eigenen Umfelds betrachten: Ist „Frauen in der Kunst“ für Sie noch ein notwendiges Thema – oder manchmal bereits eine Kategorie, die Sie eher nervt, weil Sie als Künstlerin und nicht zuerst als Frau wahrgenommen werden möchten? Wo erleben Sie heute tatsächliche Gleichberechtigung, wo bestehen alte Strukturen fort – und vor allem: Was sollten Institutionen, aber auch wir selbst in unserem Denken, Sprechen und Handeln konkret verändern?

Statements

Elizaveta Ostapenko  |  @liza__ostapenko

„Als junge Künstlerin bin ich den Frauen vorheriger Generationen unglaublich dafür dankbar, dass sie mir den Weg in die Ausbildung und den Beruf geebnet und ermöglicht haben. Ich bin heute als Künstlerin tätig, gleichgestellt mit meinen Kolleg:innen und aktiver Teil der Kunstszene. Daher ist es mir persönlich nicht maßgebend, explizit als eine Frau in der Kunst bezeichnet zu werden, sondern eben als eine Künstlerin. Das bedeutet nicht, dass Geschlechterungleichheit im Kunstbetrieb oder in den zahlreichen Facetten des Lebens komplett verschwunden ist; ich hatte persönlich lediglich glücklicherweise sehr wenig Erfahrung damit machen müssen.“

Elizaveta_Ostapenko
Elizaveta Ostapenko: My Favourite Journey Between Melting and Freezing, 2022, Pappmaché, Gips, Keramik, Acrylfarbe, Holz, Kunststoff; ca. 250 × 100 × 60 cm. Foto: © Elizaveta Ostapenko

Alesya Murlina  |  @alesya.murlina

„Meiner Ansicht nach besteht dieses Problem leider nach wie vor, sogar in Europa. Ich beobachte, dass Künstlerinnen – und vor allem Bildhauerinnen – viel seltener zur Teilnahme an Kunstprojekten eingeladen werden, ganz zu schweigen davon, wenn es um Aufträge für großformatige Skulpturen geht. Genau hier halten sich die alten Strukturen weiterhin hartnäckig.
Gleichzeitig möchte ich persönlich über die Kategorie ‚Frauen in der Kunst‘ hinausgehen. Ich glaube nicht, dass ich wirklich an Ausstellungen teilnehmen möchte, die ausschließlich für Bildhauerinnen oder Künstlerinnen organisiert werden.

Das Wichtigste für mich ist, dass meine künstlerische Aussage als absolut gleichwertig mit den künstlerischen Aussagen männlicher Künstler wahrgenommen wird. Wenn es darum geht, was sich ändern muss, würde ich mir natürlich vor allem wünschen, dass ein solches Maß an Gleichberechtigung erreicht wird, dass sich diese Frage gar nicht erst stellt.“

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Alesya Murlina: "…fog veil…" (Ausstellungsansicht Sankt Petersburg), 2022, Betonskulpturen, Videoprojektion, Maße: variabel. Foto: © Alesya Murlina

Anne Schrödl  |  @anne.schroedl

„Als Millennial-Künstlerin würde ich sofort und unbedingt sagen: ‚Frauen in der Kunst‘ ist ein sehr, sehr wichtiges Thema, genauso wie nicht-binäre, migrantische oder queere Positionen! Ich glaube nicht, dass es ‚den‘ Moment gibt, an dem Gleichberechtigung erreicht ist. Es ist ein immerwährendes Abwägen und Weiterentwickeln, um Ungerechtigkeiten abzubauen und marginalisierte oder diskriminierte Menschen mitzudenken. Machtstrukturen lassen sich leider nicht so leicht überwinden. Natürlich sollte im Mittelpunkt immer die künstlerische Arbeit stehen. Aber zur Arbeit gehören eben auch individuelle Erfahrungen und die Bedingungen, unter denen sie entsteht. Am wichtigsten ist es, den Raum zu bekommen, die Arbeiten zeigen zu können. Sicherlich nervt das Thema, aber das soll es auch. Man muss nerven, damit sich etwas verändert.

Ich bin zum Beispiel nicht nur Bildhauerin, sondern auch Mutter (und, ja, ich möchte ungern darauf reduziert werden). Viele wichtige Events in der Kunstwelt sind schlichtweg nicht für Menschen mit Kindern gemacht. Vernissagen und Eröffnungen finden abends statt, Kinder sind auf Messen und in Ausstellungen eher ungern gesehen. Es verändert sich langsam was (wie zum Beispiel mit der Ausstellung ‚Playground‘ im K21 von Sonja Kazovsky oder Lina Lapelytės Ausstellung ‚Make Years Out of Hours‘ im Hamburger Bahnhof, in denen Kinder ausdrücklich adressiert werden). Solche Veränderungen zeigen, dass sich etwas ändert, wenn man nur genug nervt und seinen Raum in den bestehenden Strukturen hinterfragt. Institutionen (und wir selbst) sollten also hinterfragen, wer mitgedacht und sichtbar gemacht wird. Strukturen sollten so verändert werden, dass Zugang nicht nur hat, wer ohnehin schon Platz, Zeit, Geld und die richtigen Netzwerke hat.“

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Anne Schrödl: What remains, 2026, Glas, 15 cm x 14 cm x 4 cm © the artist

Julie van Riel  |  @julievanriel

„Für mich ist das Thema ‚Frauen in der Kunst‘ zweifellos ein wichtiges Thema, auch wenn ich hoffe, dass es eines Tages keine Rolle mehr spielen muss. Als kleines Mädchen war ich von Camille Claudel fasziniert. Sie war meine Muse und einer der Gründe, warum ich Bildhauerin werden wollte. Ich habe an verschiedenen Orten gelebt und studiert, und an den Kunstakademien habe ich erlebt, dass das Geschlecht nach wie vor bestimmt, wie man wahrgenommen wird. Während meines Bachelorstudiums in Bildhauerei in Gent spürte ich eine deutliche Kluft zu der überwiegend männlichen Lehrstruktur. Bildhauerei kann immer noch mit der Vorstellung von körperlicher Stärke belegt sein, und manchmal hatte ich das Gefühl, dass meine Fähigkeit, mit Maschinen oder Werkzeugen umzugehen, allein deshalb in Frage gestellt wurde, weil ich eine Frau war. Als ob ich die Metallschleifmaschine nicht selbst bedienen könnte… Ähnliche Erfahrungen mache ich derzeit während meines Masterstudiums in Lissabon, wo der Schwerpunkt unter anderem auf der Glasbläserei liegt. Hier kommen die körperlichen Fähigkeiten wie Kraft und auch die ‚Angst vor dem Feuer‘ wieder ins Spiel. Was jedoch die (Kunst-)Werke selbst betrifft, habe ich nicht unbedingt das Gefühl, dass es einen Unterschied darin gibt, wie die Arbeiten männlicher und weiblicher Künstler:innen bewertet oder betrachtet werden. Für mich sind die Hände, die ein Werk schaffen, und das Werk selbst ein und dasselbe. Nach meinem Bachelor nahm ich an einem Residenzprogramm im Palmyra Sculpture Centre auf Mallorca teil, wo ich eine andere Art von Aufmerksamkeit erlebte, die ich so vorher nicht kannte. Das Zentrum wird von einer Frau geleitet, Ien van Wierst, die bewusst Raum für (junge) Künstlerinnen geschaffen hat. Ich fühlte mich umgeben von starken Künstlerinnen, die mir Selbstvertrauen und das Gefühl von Stärke in meiner Disziplin gaben. Dadurch wurde mir bewusst, dass Veränderungen nicht nur innerhalb von Institutionen oder in der von Männern dominierten Kunstwelt geschehen müssen. Sondern auch in der Art und Weise, wie wir selbst denken. Wir müssen uns bewusst machen, auf wessen Werk wir uns beziehen, wessen Geschichten wir lehren, wessen Stimmen wir weiterführen und wer Teil unserer eigenen künstlerischen Bezugspunkte wird. Für mich bedeutet das, mich aktiv mit Künstlerinnen auseinanderzusetzen, ihre Werke und ihre Geschichten zu lesen und ihnen zu ermöglichen, Teil des Kanons zu werden, den wir mit uns tragen. Wenn wir immer wieder dieselben, überwiegend männlichen Künstler als Vorbilder nennen, reproduzieren wir weiterhin dieselben Strukturen, selbst wenn wir glauben, diese überwunden zu haben. Ja, ich möchte einfach nur als Künstlerin wahrgenommen werden. Aber vielleicht bedeutet der Schritt, über die Kategorie ‚Künstlerin‘ hinauszugehen, nicht, das Geschlecht unsichtbar zu machen. Es sollte vielmehr bedeuten, unsere Wertvorstellungen zu ändern, unsere Erinnerungen neu einzuordnen und das, was wir weitergeben, so zu gestalten, dass zukünftige Generationen von Frauen aufwachsen, die Künstlerinnen nicht als Ausnahme, sondern einfach als Teil der Kunstgeschichte betrachten.“

Julie van Riel Templo de Algarroba
Julie van Riel: Templo de Algarroba, 2025, Marès-Sandstein, Johannisbrotbaum 25 cm x 8 cm x 6 cm, Mallorca © the artist

Eva Hermens  |  @eva_hermens

„Frauen in der Kunst“ – notwendiges Thema? 

Ja! Es ist vor allem ein Thema, das viel mehr beinhaltet als nur ‚Frauen in der Kunst‘. Wir brauchen Sichtbarkeit für viele andere Personengruppen: queere Personen, People of Color, Menschen mit Behinderungen und Personen aus verschiedenen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Das alles gehört für mich zum Thema dazu und sollte nicht ausgeklammert werden! Wir brauchen besonders jetzt – bei dieser politischen Lage – einen intersektionalen Feminismus, in dem wir grundsätzlich alle Personen und Geschlechter einschließen!

Wo erlebe ich Gleichberechtigung? Wo bestehen alte Strukturen fort?

Ich erlebe Gleichberechtigung in Projekten, die ich mit Kolleg:innen selbst entwickle, aufbaue und strukturiere. Ausstellungen und Projekte, die sich aus der freien Szene heraus etablieren. Je weiter ich in größere Institutionen oder Projekte gelange, umso weniger sehe und erlebe ich Gleichberechtigung. Ein Beispiel sind Kunst-am-Bau-Ausschreibungen und Projekte. Ich habe sehr viele Kunst-am-Bau-Bewerbungen für großformatige Arbeiten in Stein und Beton mit einer sehr geschätzten Kollegin in den letzten Jahren erarbeitet. In vielen Fällen haben wir nicht einmal eine Absage bekommen. Ich glaube, als junge Bildhauerin wird einem oft die Fähigkeit abgesprochen, großformatige Arbeiten in Stein umsetzen und installieren zu können. Der Bereich Kunst am Bau ist sehr männerdominiert. In allen Bereichen, ob Installation, Skulptur im öffentlichen Raum oder Kunst am Bau ist der Anteil der männlichen Kollegen prozentual höher. Der Anteil allerdings von Künstlerinnen und Künstlern, die bei der KSK gemeldet sind, ist (Stand 2026) Männer 49 %, Frauen 51 %. Es gibt nicht zu wenig Künstlerinnen – ihnen werden manche Fähigkeiten abgesprochen, die männlichen Kollegen automatisch zugeschrieben werden. Ich habe einige Steinausstellungen aufgebaut und ich weiß, dass es selten alleine geht, aber es ist niemals eine Frage des Geschlechtes!

Was bleibt noch zu tun? Was können Institutionen und wir selbst im Denken, Sprechen und Handeln verändern? 

 Ich glaube, es gibt noch viel zu tun. Mein persönliches Anliegen in Bezug auf meine Arbeit ist unter anderem, dass wir uns alle hinterfragen sollten, welche Person frage ich nun für welche Aufgaben? Warum werden meine männlichen Kollegen öfters gefragt, ob sie die Kohlen bei einer Flex kurz austauschen, das Öl bei der Motorsäge nachfüllen oder mit dem Kettenzug eine Skulptur bewegen können? Wieso wird man das als weiblich gelesene Person seltener gefragt? Aus einem Seltener-Fragen entsteht manchmal ein Seltener-Machen, und daraus resultiert weniger Selbstsicherheit im Umgang mit bestimmten Materialien oder Fertigkeiten. Wir müssen uns alle selbstkritisch befragen, welchen Personen wir was und warum zutrauen oder warum nicht. Sprache sensibilisiert! Zudem muss strukturell noch sehr viel passieren. Wir brauchen mehr FLINTA*-Personen in Machtpositionen, Galerien, Kunst-am-Bau-Jurys, in Regie- und Bühnenbild-Teams…, so viel mehr!!“

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Eva Hermens bei der Arbeit © Eva Hermens

Danke für alle Statements, sie sind wertvoll.

Zahlen

Tatsächlich sind 2026 unter den bei der KSK versicherten bildenden Künstler:innen etwas mehr Frauen als Männer.
Während 2018 zirka 35 % weibliche Künstler von Galerien vertreten wurden, waren es 2024 46 % der Primärmarktgalerien sowie 2025 fast 50 %.
Der Burns Halperin Report zeigte 2022: Zwischen 2008 und 2020 entfielen nur 11 % aller Neuerwerbungen großer US-Museen auf Künstlerinnen. Das bedeutet: Während über Künstlerinnen viel gesprochen wurde, änderten sich die Sammlungen wesentlich langsamer.
Und klar: Frauen in entsprechenden Leitungspositionen verändern tatsächlich Ankaufs- und Ausstellungspolitiken. Charlotte Burns und Julia Halperin wiesen darauf hin: Die US-Museen mit den höchsten Erwerbungsquoten von Künstlerinnen wurden sämtlich von Frauen geleitet.

Es bewegt sich also etwas. Nur nicht überall – und Zahlen zur Sichtbarkeit erzählen eben nur einen Teil der Geschichte.

 

Dieser Artikel wurde von Jana Noritsch auf Deutsch verfasst.

Über den Autor/ die Autorin

Jana Noritsch

Jana Noritsch ist freie Autorin und arbeitet seit fast 20 Jahren an der Schnittstelle von Kunstwerk, Archiv und Sammlung.

Übersetzung

Sybille Hayek

Sybille Hayek ist Lektorin und Übersetzerin. Seit 2022 unterstützt sie unser Team ehrenamtlich mit ihrem geschulten Blick fürs Detail und einer großen Liebe zur Sprache.

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