Alexandra Kapogianni-Beth

Falling Icarus

In der griechischen Mythologie versuchte Ikarus mit seinem Vater D├Ądalus mittels selbstgebauter Fl├╝gel aus Wachs und Federn vor K├Ânig Minos von der Insel Kreta zu fliehen. Trotz der Warnung seines Vaters flog der ├╝berm├╝tige Ikarus zu hoch, das Wachs seiner Fl├╝gel schmolz in der Hitze der Sonne, die Fl├╝gel fielen auseinander und er st├╝rzte ins Meer.

Meine Arbeit zeigt die Bewegung des Fallens, den Moment vor dem endg├╝ltigen Aufschlag. Ikarus f├Ąllt kopf├╝ber; die Schultern ber├╝hren bereits die Erdoberfl├Ąche. Die Arme sind seitlich ├╝ber den Kopf ausgestreckt, die Beine h├Ąngen weiter h├Âher in der Luft. Die ehemals umgeschnallten, k├╝nstlichen Fl├╝gel sind nicht mehr vorhanden und k├Ânnen den K├Ârper nicht mehr tragen. Lediglich ein paar Federn sind es noch, nach denen Ikarus greift. Die dunkle Farbe, zeugt von Schwere, die ganze Figur dr├╝ckt durch ihre unregelm├Ą├čige Form eine gro├če Dramatik aus. Einzig der Blick des Fallenden folgt ihr nicht. Sicherlich sind die Augen ein wenig geweitet, die Stirn ein wenig gefaltet, doch Ikarus ist weder ├Ąngstlich noch panisch. Es ist ein Moment des Ergebens, des Abwartens.

Bereits in der Antike gab es mehrere Darstellungen der Erz├Ąhlung. Die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Versionen, aber auch deren relative Deutungsoffenheit haben bis heute eine uneinheitliche Bewertung des Mythos zur Folge. Im Allgemeinen wird dieser jedoch so gedeutet, dass der Absturz und Tod des ├ťberm├╝tigen die Strafe f├╝r seinen unversch├Ąmten Griff nach der Sonne sind.

Mit meiner Arbeit will ich kein Urteil zur Frage nach der Schuld abgeben. Es ist die Darstellung einer Bewegung, die mich gereizt hat. Es ist ein Moment des Fallens, ein Moment kurz vor dem Tod, den ich zeige. Tats├Ąchlich hat es Ikarus f├╝r eine kurze Zeit geschafft, seine Erdverbundenheit zu ├╝berwinden. Er hat hoch gegriffen und muss nun die Konsequenzen seiner Handlung tragen. Er hat sich dem Schicksal ergeben. Ikarus schaut also noch einmal zur├╝ck, mit klarem Blick, gen Himmel. Kein Wehmut, kein Leid, denn er hat die Gewissheit, das Fliegen erfolgreich versucht zu haben ÔÇô wenn auch in jugendlichem Leichtsinn er das wahre Ziel nicht erreicht und sein Leben ein Ende hat. Manch einer hat sich trotz des negativen Endes ein Vorbild an ihm genommen.

Factsheet

Dimensions
105cm, 51cm, 45cm (Height, Width, Depth)
Weight
15kg
Year
2021
Material
Resin, Bronze
Style
Figurative
Theme
Body
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