Switzerland

Marianne und Hannes Wachberger

Hannes Wachberger
geboren 1948 in Wien.
Ausbildung zum Schreiner in Wien.
Leiter einer Behindertenwerkstatt.
Seit 1986 künstlerische Zusammenarbeit mit Marianne Wachberger.

Ausstellung bei ABN AMRO Bank, Basel 20. Mai bis August 1999
Marianne Wachberger-Abt, geboren 1951
Hannes Wachberger, geboren 1948
Leben und arbeiten in Dornach.
Sie stehen vor einem Fenster und erleben das Fensterkreuz als Vergitterung, Abgeschlossenheit nach aussen, Abtrennung von dem hinter dem Fenster liegenden. Sobald Sie die innere Position ändern, können Sie hindurch schauen, verschaffen sich Durch-blicke: Die Dinge, die Flächen hinter den Gittern sind mal näher, mal weiter weg, kommen je nachdem sogar auf Sie zu, durchdringen die Gitter.... Dieses Vorne-Hinten, In-nen-Aussen wird zu einem Spiel innerer Beweglichkeit, in das Marianne Wachberger uns einbezieht. Sie führt uns, der heutigen inneren Disposition entsprechend, zu schwer zugänglichen Fensterblicken - je nach eigener Stimmung sind wir, zunächst mit dem Blick am Gitter hängend, auf uns selbst zurückgeworfen, um erst von dort aus hindurch zum anderen, zum ausserhalb liegenden zu gelangen.
Der Umgang mit Strukturen gibt ein Gefüge des Haltes und auch der Aufrechte - Figuren richten sich auf und stehen in unterschiedlicher Bewegung: staatisch, stumm, im Dialog zueinander, oder aber auch leicht bewegt. Diese Gestalten, wie Marianne Wachberger sie oft nennt, tragen die Merkmale verschiedener Stofflichkeiten: Die aufgerichteten Strukturen evozieren Knochengerüst und Wirbelsäule, rauhe Flächen und tiefe, mehrfach eingeriebene Pigment- und Mineralfarben wunderbarer Leuchtkraft, deuten mehr auf die seelische Stimmung hin, eigenwillige Spuren eingekerbter, geschwungener Bewegungen werden zum Charakterausdruck oder auch zur biografischen Spur, oft erst auf den zweiten Blick sichtbar: Diese Einritzungen hinterlässt Hannes Wachberger, Lebensgefährte der Malerin, und selber künstlerisch tätig. Oft ist er es, der den Malgrund präpariert, ihn aufrauht mit Gips, Sand, Holzspänen, ihn fast zum Relief formt, die Collagen mit Gipsbandagestückchen aus ihren Werken der frühen neunziger Jahre aufgreifend. Er zieht die Spuren, die seine Frau ihm vorlegt, die er aber auch erweitert und ergänzt, auf die sie wiederum reagiert, weitere Linien hinzufügt, Farbflächen ändert und vertieft. Er löst die Zeichenstrukturen sogar so weit aus den Bildern, dass er feingliedrige Stelen, eigentlich dreidimensionale Gestalten anfertigt, die nur aus Konturen und den „gewordenen" Zwischenräumen bestehen - die Umrandungen des eingefangenen Unsichtbaren.
Sind die Gestalten, die Figuren der Aufrechte für Marianne Wachberger aus den Erfahrungen des Lebens heraus gewachsen - 1982 ist die erste ihrer drei Töchter geboren, näher als durch das Aufwachsen mit Kindern kann das Leben wohl kaum erfahren werden - so führt sie die Erfahrung mit dem Tode zur Horizontalen: In den letzten Jahren tauchen liegende Gestalten auf, und es interessiert sie dabei diese Dreiteilung der Fläche: Was geschieht mit der Mitte, der liegenden Leiblichkeit, was löst sich auf und wohin, was sinkt zurück? Wie sehr nähert sich eine solche liegende Leiblichkeit der Land-schaft, könnte beides sein, ruhende Gestalt, ruhende Landschaft, die Strukturen als Formen des Lebendigen, hier Sehnen, Muskelstränge, dort Pflanzenhaftes, oder des eher Mineralisierten, hier Knochen, dort Gesteinsadern. Die Erde als ausgebreitete, lebende Leiblichkeit.
Für Marianne Wachberger, die, als gelernte Typografin, die Kunst gesucht und sie, mit Hilfe Ihres Lehrers Gerhard Wendland, über Jahre hin ausgebildet hat, ist die Malerei immer der Ort kreativen Auftankens" gewesen, wo sie mit erstaunlicher Kontinuität auch all die Jahre intensiven Mutterseins weilte und weilt, und sei es in ihren vielen Skiz-zenbüchern, wo sie die unzähligen Beobachtungen und Einzelheiten des Alltages, die Wiederholungen von Notwendigkeiten, aber auch die Überraschungen des Lebens schlechthin verarbeitet, bearbeitet und durch eine grosse Sicherheit im Umgang mit der Farben- und Formenwelt in neue Zusammenhänge bringt.
Mensch sein, Mensch gewesen sein, Mensch werden, - so könnte das zentrale Thema der Arbeiten von Marianne aber auch von Hannes Wachberger benannt werden.
Basel, 20. Mai 1999

Artworks (19)

Marianne und Hannes Wachberger, 1992

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2025

Formen

Marianne und Hannes Wachberger, 2025

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2025

Relief

Marianne und Hannes Wachberger, 2025

Berberich

Marianne und Hannes Wachberger, 2025

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2006

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2006

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2025

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2025

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2025

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2024

Schopfheim

Marianne und Hannes Wachberger, 2025

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2013

Form

Marianne und Hannes Wachberger, 2017

Galerie Hammer

Marianne und Hannes Wachberger, 2015

Galerie Hammer

Marianne und Hannes Wachberger, 2013

Galerie Hammer

Marianne und Hannes Wachberger, 1999

Galerie Trotte

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