Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1
80538 Munich
Germany

Philippe Parreno: Voices

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Philippe Parreno hat das Ausstellungserlebnis revolutioniert. Der französische KĂŒnstler choreografiert AusstellungsrĂ€ume nach einem Drehbuch, das alle Kunstwerke miteinander verknĂŒpft, und in dessen Verlauf sich eine Reihe unerwarteter und miteinander verbundener Ereignisse entfalten. Seine Ausstellungen sind immersive Reisen, die parallele RealitĂ€ten miteinander verbinden und die Wahrnehmung von Raum, Zeit und Grenzen verĂ€ndern.

Die Ausstellung „Voices“ verwandelt das Haus der Kunst in einen widerhallenden Organismus, der akustische und visuelle Begegnungen erzeugt. Stimmen, deren Herkunft ungewiss bleibt, steuern und gestalten die Ausstellung. Sie begleiten die Ereignisse und erzeugen einen Dialog ĂŒber die RĂ€ume des Hauses und geografische Grenzen hinweg.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein kontinuierlicher Datenaustausch in Echtzeit zwischen dem Haus der Kunst und einer wĂŒstenartigen Landschaft in Almeria, Spanien. Die von einer Turmantenne gesammelten Bilder, Töne und Daten werden kontinuierlich in die Ausstellung gestreamt und spiegeln die sich mit den Jahreszeiten verĂ€ndernde Essenz des Ortes wider. Durch den Einsatz ökoakustischer Technologien und Biodaten versucht die filmartige Landschaft die oft unhörbaren GerĂ€usche und unsichtbaren Ereignisse einzufangen.

Die ĂŒbertragenen Daten aus Almeria werden vom sogenannten Brain – einem maßgeschneiderten Supercomputer – verarbeitet und auf das Verhalten der Objekte in der Ausstellung ĂŒbertragen: eine Wand bewegt sich langsam, Lampen strahlen WĂ€rme ab, Filmen schalten sich an und aus, mechanische Elemente heben und senken sich und Vitrinen geben ihren Inhalt als Reaktion auf elektrische Ströme preis. Die besondere Ausrichtung des Klangs – dreieckig bis spiralförmig – setzt die starre Architektur des GebĂ€udes außer Kraft.

Der KĂŒnstler Tino Sehgal erweitert die technologisch gesteuerte Umgebung durch TĂ€nzer*innen, die mit den Besucher*innen und zu der Ausstellung sprechen. Sie verwenden ∂A – eine Sprache, die von Parreno erfunden wurde und sich in Echtzeit wĂ€hrend der gesamten Laufzeit der Ausstellung weiterentwickeln wird. Der Klang der Sprache mit ihren fragmentierten Worten löst Reaktionen in der Ausstellung aus: die Objekte, KlĂ€nge und Lichter bewegen und verĂ€ndern sich.

Eine weitere Stimme, deren Herkunft unklar und körperlos bleibt, scheint auf die Äußerungen der TĂ€nzer*innen zu antworten. Es ist die Stimme der deutschen ARD Tagesschau-Sprecherin Susanne Daubner. Auch diese Stimme verwandelt den Raum, indem ihr Klang mit der Architektur verschmilzt und eine neue Resonanz erzeugt. Wie eine unsichtbare Gestalt manifestiert sie sich im Raum und tritt in Austausch mit der Umgebung. Die Sprache fungiert als eine Kraft der Transformation. Sie verwischt die Grenzen zwischen dem Sichtbaren und dem Hörbaren.

Die Ausstellung entfaltet vielfĂ€ltige Dialoge: zwischen den Besucher*innen, den TĂ€nzer*innen und den RĂ€umen, zwischen MĂŒnchen und dem weit entfernten wĂŒstenĂ€hnlichen Gebiet in Spanien. Was hier geschieht, geschieht auch dort in Spanien, wo sich ein hybrides Ökosystem aus Kunst, Natur und Technologie in Echtzeit entwickelt. „Voices“ ist eine Landschaft, in der Ereignisse gemeinsam erzeugt werden, Schnittstellen verschwinden, Menschen und Nicht-Menschliches sich durch eine neue Sprache verbinden und sich das Ganze im Laufe der Zeit unerbittlich weiterentwickelt und transformiert.

„Voices“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Leeum Museum of Art in Seoul (28.2.–7.7.24) konzipiert. Die beiden aufeinander abgestimmten jedoch unterschiedlichen Ausstellungen teilen sich gemeinsame Auftragswerke, ein Buch mit allen stimmbezogenen Texten von Philippe Parreno, einen Katalog sowie ein Gesamtkonzept der Zusammenarbeit ĂŒber Kontinente, Kulturen und Sprachen hinweg. Im Rahmen der jeweiligen Ausstellungen prĂ€sentieren das Haus der Kunst und das Leeum Museum of Art die Publikation „Voices“, die erste Sammlung von Transkriptionen verschiedener Stimmen in Parrenos Kunstwerken, die der KĂŒnstler zwischen 1990 und 2021 kreiert hat.

Kuratiert von Andrea Lissoni und Lydia Antoniou mit Hanns Lennart Wiesner.

Die Ausstellung wird gefördert von der K.S. Fischer Stiftung Hamburg, Ulli und Uwe Kai-Stiftung und dem Circle of Friends of Philippe Parreno. Voices.

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