Die openArt in Roveredo – eine besondere Ausstellung unter freiem Himmel

Zum insgesamt neunzehnten Mal findet eine ganz besondere open-air Ausstellung in der italienischen Schweiz statt, die openArt in Roveredo. Eingebettet in die traumhafte Schweizer Berglandschaft bietet der Skulpturenpark im Grünen eine eindrucksvolle Kulisse für die Werke von über 60 internationale Künstlerinnen und Künstlern.

Die Ausstellung ist inzwischen aber auch mehr als das, sie ist zu einer Begegnungsstätte für Künstler, Bildhauerinnen, Performance-Artists, Kunstsammlerinnen und Kunstliebhabern aller Art geworden. Aber auch Feuerwerkskünstler, Musikerinnen und Theatergruppen finden auf der openArt ihre Plattform – so ist zum Beispiel das Eröffnungsfeuerwerk inzwischen schon legendär geworden. So vielfältig wie die Teilnehmer sind auch die gezeigten Werke. Sie bilden einen Querschnitt durch zeitgenössischen Kunstströmungen und internationale Positionen. Traditionelle Materialien und etablierte Techniken stehen experimentellen Ansätzen und raumgreifenden Installationen gegenüber.Unter den ausstellenden Künstlern und Künstlerinnen sind auch einige Mitglieder von sculpture network zu finden.

KUSPI 019, „Totemisierte Erde", © KUSPI 019
KUSPI 019, Totemisierte Erde,
© KUSPI 019

So unter anderem KUSPI 019: Seine Skulptur Totemisierte Erde steht als Mahnmal – der Künstler möchte mit dem Bild des Totenpfahls auf den destruktiven Umgang des Menschen mit der Erde, die Ausbeutung unseres Planeten hinweisen und davor warnen, dass dies nicht ohne Folgen bleiben kann. Der Appell von KUSPI019  „Demonstriert mit für einen sanfteren natürlichen Umgang mit allen Ressourcen unserer Erdenkugel. Lasst uns friedlich zusammenleben, ohne die Natur auszubeuten.“ trifft in Zeiten, in denen weltweit Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gehen, einen Nerv.

 

Dem Künstler, der mit den unterschiedlichsten Materialien arbeitet – so z.B. Eisen, Holz, Metall,  aber auch Rösti, abgelaufene Esswaren, Schimmel, totem Zeug, Menschen und Feuer, um nur ein paar zu nennen – geht es in seiner Kunst nicht um die Schönheit, sondern um Gefühle, Vorahnungen, Einmaligkeit und Vergänglichkeit.

 

Harry Schaffer, Three Rings, Roveredo 2019, photo: Harry Schaffer
Harry Schaffer, Three Rings, Roveredo 2019, Foto: Harry Schaffer
 

 

Harry Schaffer, der sich in seiner Kunst vor allem auf Landart und Minimal Art konzentriert,  ist in Roveredo mit drei Skulpturen vertreten: Three Rings, Big Circle und Rustico Circle. Im Dialog mit der Natur und deren authentischen Materialien, wie Stein, Holz und Metall verwendet er klare Formen und Proportionen, arbeitet mit dem Kreis als Element, dem goldenen Schnitt der Ästhetik des Materials. So fügen sich seine Skulpturen natürlich in die Landschaft ein und ergänzen sie ganz selbstverständlich.

 

Nora Vest, Luftstreifen, photo: Nora Vest
Nora Vest, Luftstreifen, Foto: Nora Vest

Für Nora Vest ist Farbe ein wichtiges Element in ihrer Kunst. Die vielseitige Künstlerin arbeitet mit unterschiedlichen Medien und Themen: Skulpturen, Installationen, Bilder und Kleider sind nur einige davon. Ihr Bestreben ist es nicht nur, die Möglichkeiten der Kunst zu ergründen, sondern auch die Kunst an neue Orte zu bringen, sei es – wie in Roveredo – in die malerische Schweizer Berglandschaft, aufs Wasser, in Parks oder auf die Strasse. Die ehemalige Architektin überrascht immer wieder mit neuen gestalterischen Erfindungen, Themen und Techniken. In ihren wohlkomponierten Farbspielen schafft die Künstlerin eine immer wieder neue Komplexität, besonders im Zusammenspiel mit der Umgebung. Auf der openArt ist sie vertreten mit Luftstreifen, Stelen aus Stahl und digitalem Stoffdruck auf Fahnenstoff und Glasblume, Glasbildern mit Airbrush hinter Glas.

 

 Marcel Bernet, Urs, Schlangentanz und Tierischer Hipster, photo: Marcel Bernet
 Marcel Bernet, Urs, Schlangentanz und Tierischer Hipster, Foto: Marcel Bernet

 

Der Schweizer Marcel Bernet schafft seine figürlichen Arbeiten ausschließlich mit der Motorsäge. Aus dem ganzen Stamm entstehen seine Werke, die auf Aktuelles Bezug nehmen, Besonderheiten und Eigentümlichkeiten hervorheben, oder sich auf profane oder religiöse Ikonografie berufen. Dem freien Raum misst der Künstler eine besondere Bedeutung bei, denn „im freien Raum werden Skulpturen lebendig, ihre Ausstrahlung wächst“. Bereits zum wiederholten Mal ist Marcel Bernet in Roveredo vertreten, diesmal mit drei Skulpturen rund ums Staunen und die Kraft der Schlangen: "Urs hat sich auch im fortgeschrittenen Alter die Freude an den Kleinigkeiten des Alltags bewahrt. Die beiden letzten Figuren aus meiner Tiermasken-Serie arbeiten mit dem Bild der Schlange: Tierischer Hipster und Schlangentanz schrecken nicht zurück vor dieser magischen Kraft“. Bernet, der neben seiner Arbeit als Künstler auch als Coach arbeitet, beschreibt sich selbst als stets Lernenden und Forschenden, als „immer wieder Anfänger“.

Suter & Bult, Die drei Sesshaften, 2004, photo : Suter & Bult
Suter & Bult, Die drei Sesshaften,
2004, Foto : Suter & Bult

Auch das Künstlerduo Suter & Bult ist zum wiederholten Mal bei der openArt vertreten. Christiane Bult und Pascal Suter stellen seit 1997 gemeinsam Werke an verschiedenen Orten in der Schweiz, Deutschland und Frankreich aus. Heute fokussieren ihre Skulpturen auf historisch geschichtete, archetypische Formen, die – weit mehr als bloße Objekte – auch eine übertragene Bedeutung vermitteln. Ihr Arbeitsprinzip ist  „Auf der Suche nach Spuren von Geschichte erfinden wir immer wieder Neues und kreisen doch gleichzeitig um das Alte. Wir beschäftigen uns mit Form, Raum und dem Gleichzeitigen im Ungleichzeitigen. Die Nicht-Farbe Weiss spielt in unseren Arbeiten immer wieder eine zentrale Rolle und hebt sich von den verwendeten Erdfarben wie Rostbraun oder Aschgrau ab.” In Roveredo sind sie unter anderem mit ihrem neuen Werk Den Rahmen sprengen von 2019 und einem Werk aus dem Projekt sesshaft, Die drei Sesshaften von 2004 vertreten.

Christiane Tureczek, memento mundi, Foto: Christiane Tureczek
Christiane Tureczek, Memento Mundi, Foto: Christiane Tureczek

 

 

Christiane Tureczek, Der Tod und das Mädchen, Foto: Christiane Tureczek
Christiane Tureczek, Der Tod und das Mädchen,
Foto: Christiane Tureczek

Christiane Tureczek zeigt mit Der Tod und das Mädchen ein Werk, das aus dem 2009 geschaffenen Werkzyklus memento mundi hervorgeht. In diesem behandelt die Künstlerin als Kernthema die Tragödie des menschlichen Umgangs mit der Natur. Die weiß bemalten, nach großen Momenten der Weltgeschichte benannten Figuren sind daher in der Installation als Antikes Amphitheater aufgebaut und tragen rote Tierschädel oder Hörner als Masken. Jede der Skulpturen ist Opfer von Umwelteinflüssen wie Blitzschlag, Pilzbefall oder Schlammlawinen. Der theoretischen geistigen Genialität des Menschen wird seine zerstörerische, Ressourcen ausschlachtende Lebensführung entgegengesetzt. Die Skulptur Der Tod und das Mädchen –  ein vom Blitzschlag getroffener Kastanienstamm –  erinnert mit ihrer schmalen Figur an ein junges Mädchen im Brautkleid. Innen allerdings bricht unter der weissen Patina die zum Teil verkohlte, zum Teil von Insekten befallene ursprüngliche Struktur des Holzes durch und lässt an von Krebs befallenes Gewebe denken. Der rot bemalte gehörnte Schädel symbolisiert den Tod, der vom Mädchen bereits Besitz genommen hat. Auf der openArt ist die ursprüngliche Holzfigur in einer Ausführung in Bronze zu sehen.

Auch die sculpture network-Künstlerinnen und -Künstler Ueli Gantner, Daniel Hardmeier, Line Lindgren-Hardmeier und Noldi Vogler sind auf der openArt vertreten.

Noch bis zum 6. Oktober können die Werke in Roveredo besichtigt werden. Die Finissage am Samstag, 5. Oktober ab 16h beschliesst in alter Tradition mit Hirschpfeffer und Polenta im Grotto die 19. Edition der openArt. Es ist die perfekte Gelegenheit, die ausstellenden Künstler und Künstlerinnen persönlich kennenzulernen!

Autorin: Martina Fischer

Titelbild: Harry Schaffer, Big Circle, Foto: Harry Schaffer



 
 
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