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R├╝ckkehr zur menschlichen Gestalt

Am 14. September, um 14 Uhr, findet der n├Ąchste sculpture network Dialogue in Amsterdam statt. Kunstfreunde und Kulturinteressierte in und um Amsterdam sind herzlich eingeladen.

Zum Dialouge

 

Veranstaltet wird der Dialogue, ein Rundgang ├╝ber die Skulpturenbiennale ArtZuid mit der Direktorin Cintha van Heeswijck, von sculpture network-Koordinatorin Anne Berk, die sich in diesem Text mit den K├╝nstlern, Werken und Tendenzen der Ausstellung auseinandersetzt:
 

In diesem Jahr dreht sich bei der internationalen Skulpturenbiennale ArtZuid in Amsterdam, kuratiert von Jhim Lamoree & Michiel Romeyn, alles um die menschliche Figur. ┬á80 Kunstwerke von Bildhauern aus 4 Generationen lockten bislang mehr als 300.000 Besucher in den gr├╝nen S├╝den von Amsterdam, und erweckten das stattliche Viertel zum Leben. Neben der Freude, die vielf├Ąltigen Stile, Formen und Materialien zu erleben, laden diese menschlichen Figuren auch zum Nachdenken ├╝ber das Leben ein.

 

Es ist das sechste Mal, dass die ArtZuid in Amsterdam stattfindet, das erste Mal jedoch, dass sie der menschlichen Figur gewidmet ist. Das ist erstaunlich, ist Kunstschaffen doch eine ur-menschliche T├Ątigkeit, aus dem Bed├╝rfnis geboren, die Welt um uns herum zu erfassen und das Leben in eine andere Perspektive zu setzen. Dennoch galt die Darstellung der menschlichen Figur im letzten Jahrhundert lange Zeit als veraltet. Sogar tabu ÔÇô verd├Ąchtig geworden, nachdem sie von den Nazis und Kommunisten f├╝r Propagandazwecke missbraucht wurde. Nur wenige K├╝nstler, unter ihnen Eja Siepman van den Berg, ignorierten dieses Tabu. Sie schuf weiterhin ihre makellosen menschlichen Figuren.

 

Rodin, vertreten durch seinen ber├╝hmten Denker, war ein Meister der Darstellung des menschlichen K├Ârpers in Bewegung. Nach ihm wurde die akademische Tradition der Wiedergabe von Realit├Ąt weitgehend aufgegeben. Angetrieben von der Suche nach dem Neuen beherrschte das k├╝nstlerische Experiment den Modernismus des 20. Jahrhunderts. Von einer Flasche Pariser Luft (Duchamp), ├╝ber ÔÇ×K├╝nstlerschei├čeÔÇť in Dosen (Manzoni) bis hin zu einem Spaziergang (Hamish Fulton) konnte alles Kunst sein. Es ging vorrangig um den Prozess des Machens, oder die Aktion mit dem Material im weitesten Sinne ÔÇô auch mit dem menschlichen K├Ârper als Material. Alles eine Frage des Konzeptes.

 

 

Ohne Sockel

 

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Barry Flanagan, "Large Nijinsky on Anvil Point" 2001, courtesy Waddington Custot Photo ┬ęSothebyÔÇÖs 2017

Immer weiter wurden die Grenzen der Kunst verschoben, bis nichts als das blo├če Skelett ├╝brig blieb. Noch weiter zu gehen war nicht m├Âglich, also kehrten die K├╝nstler zur├╝ck zur Tradition. In den 90er Jahren nahmen sie die menschliche Figur wieder auf, so bei ArtZuid Joel Shapiro, Barry Flanagan oder Henk Visch. Aber trotzdem hat das 20. Jahrhundert seine Spuren hinterlassen: Fr├╝her standen Skulpturen auf Sockeln. Hoch ├╝ber den Betrachter erhoben, verliehen sie etablierten Werten und Hierarchien W├╝rde. Heute stehen die Werke auf einer Ebene mit dem Betrachter. Sie repr├Ąsentieren keine Dogmen mehr. Diese gestikulierenden Figuren sprechen unseren K├Ârper an, stellen Fragen nach der Existenz in einer Zeit des Suchens und ├╝berlassen die Antwort dem Betrachter

 

Sphinx

The Leader aus dem Atelier van Lieshout ist die grotesk-comichafte Interpretation einer Reiterstatue ÔÇô in ihrer geisterhaften Gestalt ein ironischer Kommentar auf Machtstrukturen. Gloria Friedmanns Everyday Robots bestehen nur aus K├Âpfen auf ├╝berlangen Beinen. Sie visualisieren das Gef├╝hl nach unz├Ąhligen Stunden hinter dem Bildschirm ÔÇô ein Geist ohne K├Ârper zu sein. Besonders sehenswert ist auch die Sphinx von Marc Quinn, ein Werk genau der Art, f├╝r welche dieser 'Young British Artist' bekannt ist. Er pr├Ąsentiert ein ├╝berlebensgro├čes, idealisiertes Portr├Ąt von Kate Moss, verknotet in einer unm├Âglichen Position. Die yogaartige Haltung offenbart ihre spirituelle Seite, ist aber nicht frei von sexueller Konnotation: Der Blick des Betrachters wird auf den bescheiden mit einem H├Âschen bedeckten Schritt der Figur gelenkt. Quinn, ein Meister im Erregen der ┬á├Âffentlichen Aufmerksamkeit, sagt, er sei fasziniert von der Spannung zwischen der realen Person und dem ├Âffentlichen Bild dieses ber├╝hmten Supermodels. ÔÇ×Kate Moss ist eine Sphinx. In unserer nicht-religi├Âsen westlichen Welt werden Prominente wie G├Âtter behandelt. Menschen haben die F├Ąhigkeit und das Bed├╝rfnis zu glauben."

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Jan Fabre, "7 bathtubs and the man who writes on water", 2006, courtesy of Linda en Guy Pieters Photo: Tismaja, ARTZUID2019

 

Der Name Gottes

Diese Sehnsucht nach dem G├Âttlichen findet sich auch in den Skulpturen von Matthew Mohanan und Jan Fabre wieder, jedoch ohne Erf├╝llung. In seinem Werk Daisy Pusher zeigt Mohanan auf, wie wir dazu neigen, in unebenen Oberfl├Ąchen vermeintliche Gesichter zu erkennen. Er betrachtet den Glauben als ein menschliches Konstrukt, um unserer Angst vor dem Tod zu begegnen. Jan Fabre, ein selbsternannter "spiritueller Skeptiker", spielt hingegen selbst Gott. In einer goldenen Badewanne sitzend, bezieht er sich auf ein bekanntes Werk des fl├Ąmischen Dichters Guido Gezelle und schreibt den Namen des Sch├Âpfers auf das Wasser. Nur Johan Tahon fehlt diese intellektuelle Distanz. Seine langgestreckten, Figuren greifen nach etwas Gr├Â├čerem, etwas, das ├╝ber das menschliche Verst├Ąndnis hinausgeht: ÔÇ×Manchmal ist es, als ob diese Figuren nicht von mir gemacht wurden, sondern von einer Kraft, die gr├Â├čer ist als ich."

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Jeüsus Rafael Soto, "Peüne ütrable bleu edition 5", 1999-2007, Photo: JW Kaldenback

 

Zwischen die menschlichen Figuren sind die skulpturalen R├Ąume von Dan Graham und Elsa Tomkowiak ebenso wie die verspielte Installation des Op-K├╝nstlers Jesus Rafael Soto gelungen eingestreut. ┬áJung und Alt durchlaufen die Tausenden

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Nick Ervinck, "APSAADU" 2012-2013, courtesy of Nick Ervinck

von blauen Schn├╝ren, die vor ihren Augen tanzen. Aus den siebziger Jahren stammend, wurde in diesem Genre die Skulptur als abstrakte Struktur im Raum konzipiert. Anstatt die menschliche Figur zu reproduzieren, bieten sie uns k├Ârperliche Erfahrung, die perfekt zu einer materialistischen Weltanschauung passt. Nicht zuletzt beziehen sich die Monster von Nick Ervinck auf die Zukunft, in der sich die physische und die digitale Welt zunehmend miteinander verflechten.

International Sculpture Biennale ArtZuid, Amsterdam, 17 May to 15 September 2019

Am 14. September um 14 Uhr sind Sie zum sculpture network Dialogue mit einem Rundgang von der Direktorin Cintha van Heeswijck von ArtZuid eingeladen.

 

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Autorin: Anne Berk

Anne Berk ist Kuratorin, Kritikerin und Koordinatorin des sculpture network in den Niederlanden. In der internationalen Ausstellung und im Buch erforschte sie die R├╝ckkehr zur Figuration: Auf der Suche nach der Bedeutung. ┬áDie menschliche Figur in globaler Perspektive (2015, Niederl├Ąndisch)

Titelbild: Marc Quinn,"Myth (Sphinx)", 2007, courtesy of Vanhaerent Art Collection, Brussels; photo: JW Kaldenback, ARTZUID2019

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