Interior of the Stone Sculpture Museum, featuring stone books from all five continents, Kubach-Wilmsen. Photo: Livia Kubach
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Ein Gebäude im japanischen Stil und ein Zen-Garten für das Steinskulpturenmuseum und den Park in Bad Münster-Ebernburg

Das im Jahr 2010 eröffnete Steinskulpturenmuseum ist das einzige zeitgenössische Museum für Steinskulpturen der Welt. Es liegt eingebettet in die Weinlandschaft des deutschen Nahetals, gegenüber dem Rotenfels, der Burg Ebernburg, dem Dorf Norheim und den Felsspitzen des Rheingrafensteins.

Die Schenkung von 65 Steinskulpturen von Anna Kubach-Wilmsen (1937 - 2021) und Wolfgang Kubach (1936 - 2007) bildete den Grundstein für das Museumsprojekt. Um ihre Vision zu verwirklichen, gründeten die beiden Künstler 1998 die Stiftung „Fondation Kubach-Wilmsen“ und widmeten ihrem Steinskulpturenpark rund vier Hektar Land.

Das Steinskulpturenmuseum wurde im Auftrag der Bildhauerin Anna Kubach-Wilmsen und des Bildhauers Wolfgang Kubach vom weltberühmten Architekten Tadao Ando aus Osaka, Japan, konzipiert. Im Mittelpunkt von Andos Entwurf für das Museumsgebäude steht eine Fachwerkscheune, die ursprünglich im nahegelegenen Sponheim stand. Dieser historische Kern wird von zwei Skulpturenhöfen unter freiem Himmel in zeitgenössischer Betonbauweise flankiert.

Steinskulpturen Museum, Vordergrund ein  Säulengitter aus schwarzer Afrikanischer Granit, 2001. Hintergund Support des Reves,  2x Carara Marmor, 1992-1996,  foto Etienne Boileau
Museum im Steinskulpturenpark, im Vordergrund ein Säulengitter aus schwarzem afrikanischem Granit, Kubach & Kropp, 2001. Im Hintergrund Support des Reves, 2 x Carrara-Marmor, Kubach-Wilmsen, 1992 - 1996. Foto: Etienne Boileau

Der japanische Architekt Tadao Ando hat dem Museum die Form einer traditionellen Scheune aus der Region gegeben, jedoch mit typischen Zen-Elementen

Die Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen und der Steinbildhauer Wolfgang Kubach begannen ihre Zusammenarbeit im Jahr 1968. Gemeinsam haben sie bedeutende Skulpturenaufträge im In- und Ausland ausgeführt und an zahlreichen internationalen Skulpturensymposien teilgenommen. Ihre Werke waren regelmäßig in Ausstellungen von Japan bis in die Vereinigten Staaten zu sehen. Der gemeinsame Erfolg des Künstlerpaares ermöglichte ihnen die Verwirklichung ihres Traumes. Ihre „Steinbücher“ – einige davon in hohen Stapeln – verkauften sich so gut, dass sie noch zu Lebzeiten ein neues Museum für ihre Werke errichten konnten. Es war die Idee des japanischen Architekten Tadao Ando, dem Museum die Form einer traditionellen Scheune aus der Region zu geben, diese jedoch durch typische Zen-Elemente zu erweitern. Für das neue Museum verwendete Ando Holzteile aus einem alten Fachwerkbauernhaus, das zur damaligen Zeit abgerissen wurde. Das Museum wurde 1986 fertiggestellt; um das Gebäude wurde eine einfache Wand aus Betonelementen errichtet, und im Inneren entstand ein Zen-Garten mit Wasser und Kieselsteinen, in dem die abstrakten Steinskulpturen des Ehepaars Kubach-Wilmsen ihren Platz fanden.

Skulpturengarten

Ein wunderschöner Skulpturengarten wurde auf den umliegenden Feldern angelegt, die früher als Weingarten dienten: der Steinskulpturenpark. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von 1,5 Hektar und ist rund um die Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Park befinden sich etwa dreißig Skulpturen, welche die Entwicklung des Werkstoffs Stein aus fünf verschiedenen Kontinenten widerspiegeln. Besonders beeindruckend sind die Buchtürme des Künstlerpaares Kubach-Wilmsen: hoch aufragende Stapel aus Naturstein, die teilweise bis zu sieben Meter in die Höhe wachsen. Auch wenn sie sich deutlich von den umliegenden sanften Hügeln abheben, wirken sie keineswegs deplatziert. Besonders auffällig ist der beeindruckende, 2,5 Meter hohe Steinkreis aus grünem indischem Granit, dem das Paar den Titel Steinbuchrolle gegeben hat. Auf dem Weg zum Museumseingang fällt einem dieser fast unweigerlich ins Auge. Ein weiteres bemerkenswertes Element im Werk dieses renommierten Paares ist die raue Oberflächenbeschaffenheit einiger Skulpturen. Für das Künstlerpaar war die Form des ursprünglichen fossilen Steins von größerer Bedeutung als ihre eigenen Eingriffe; verschiedene riesige Steinbrocken wurden nur minimal bearbeitet. So wurden beispielsweise Rillen in die Seiten der rohen Steinblöcke gefräst, um anzudeuten, dass es sich um die Seiten eines Buches handelt. Im Zen-Garten findet sich ein grüner brasilianischer Granit, der behauen, poliert und zu einer halbrunden Form verarbeitet wurde. Der 3,5 Meter hohe Stein ruht wie eine Art prähistorisches Tier auf den Kieselsteinen im Innenhof des Museums.

Kubach-Wilmsen, Steinbuchrolle 2005-2009, Grüner Indischer Granit, foto Etienne Boileau
Kubach-Wilmsen, Steinbuchrolle, 2005 - 2009, grüner indischer Granit. Foto: Etienne Boileau


Das Zusammenspiel von Landschaft und zeitgenössischer Skulptur funktioniert ausgesprochen gut

Das engagierte Ehepaar Kubach-Willemsen scheute weder Kosten noch Mühen, um einzigartige Gesteinsarten aufzuspüren. Zu diesem Zweck besuchten sie Steinbrüche auf der ganzen Welt sowie Messen im Ausland, um dort große Steinblöcke zu erwerben. Im Skulpturengarten entdeckte ich einen massiven Aquädukt aus römischem Travertin und eine schlanke Stele aus Carrara-Marmor. Bei einem Spaziergang durch den Garten und das Museum fällt auf, dass sich die Landschaft und die zeitgenössischen Skulpturen bemerkenswert gut ergänzen. Dazu trägt auch der im Hintergrund aufragende Rotenfels bei, der mit seiner Höhe von zweihundert Metern und einer Länge von 1.200 Metern eine beeindruckende Kulisse für das Gebäude und den Skulpturengarten bildet. Die Felsformation besteht aus der Gesteinsart Porphyr.

Das künstlerische Werk des Bildhauerpaares Kubach-Wilmsen steht für eine 50-jährige Hommage an den Stein als das Material, das die natürliche architektonische Struktur unseres Planeten geprägt hat. Ihre Arbeit widmet sich nach wie vor ausschließlich dem Stein als Urform. Für sie ist Stein ein Zeugnis für die Geschichte der Entstehung der Erde über Millionen von Jahren hinweg.

Livia Kubach und Michael Kropp

Unter den Skulpturen des Ehepaars Kubach-Wilmsen, die man sowohl im Park als auch im Museum bewundern kann, befinden sich auch Werke ihrer Tochter Livia Kubach und ihres Partners Michael Kropp. Bei einer Führung, die man buchen kann, erzählte Livia Kubach, dass sie nach dem Tod ihrer Eltern mit der Verantwortung für eine Stiftung betraut wurde, die sich ganz dem Vermächtnis ihrer Eltern widmet. Livia hatte sich für den Weg ihrer Eltern entschieden und an der Kunstakademie Düsseldorf unter anderem bei Tony Cragg und Günther Uecker Bildhauerei studiert. Später beschloss sie, als Bildhauerin und Tochter dieses berühmten Paares aus deren Schatten zu treten und die von ihren Eltern gegründete Stiftung weiterzuführen. Mittlerweile jedoch auch mit ihren eigenen und den Werken ihres Partners, die sie beide in die Stiftung einbrachten. Livia ist davon überzeugt, dass es für eine Frau viel schwieriger ist, als Bildhauerin Erfolg zu haben.

Das Säulengitter am Parkeingang ist schlichtweg großartig

Säuleninsel 2008, Klangskulptur aus schwarzem schwedischem Granit,  Steinskulpturenpark
Kubach & Kropp, Säuleninsel 2008, Klangskulptur aus schwarzem schwedischem Granit, Steinskulpturenpark.

Indem sie ihre Arbeiten in den Kontext der Skulpturen ihrer berühmten Eltern stellt, erzielt sie eine deutlich höhere Sichtbarkeit. Ihre Steinskulpturen entstehen in enger Zusammenarbeit mit Michael Kropp, einem autodidaktischen Bildhauer. Die Werke der beiden sind in verschiedenen Museen und Parks in Deutschland anzutreffen. Die Objekte bestehen meist aus schwarzem Granit aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt, der bearbeitet und auch poliert wird. Manchmal wird der Stein in seiner rohen Form mit sichtbaren Bruchflächen präsentiert; daraus entstehen kunstvolle Werke, die optische und manchmal auch akustische Eigenschaften besitzen. Diese werden von Michael Kropp, der ursprünglich eine musikalische Ausbildung absolvierte, in die Arbeiten eingebracht. Nehmen wir zum Beispiel die Säuleninseln: Sie bestehen aus massigen Granitblöcken, deren Oberseite rau ist und die über ihre gesamte Fläche hinweg mit tiefen Löchern durchzogen sind. Die Unterseite ist wunderschön abgerundet und poliert. In den Hohlräumen befinden sich kleine, lose Steinsäulen, auf denen die Skulptur ruht. Wenn man die Skulptur hin und her bewegt, erzeugen die Säulen ein tickendes Geräusch, während sie sich an der Granitform reibend entlangbewegen. Das Säulengitter am Eingang des Parks ist einfach großartig: eine hohe, rechteckige, offene Konstruktion aus afrikanischem Granit, gefüllt mit übereinander gestapelten Rundstäben aus demselben Material und von gleicher Größe. Ein eindrucksvolles Statement dieses Paares, das perfekt mit der zurückhaltenden japanischen Architektur von Tadao Ando harmoniert. Fazit: Skulptur, Museumsgebäude und Landschaft verschmelzen hier auf fast mystische Weise zu einem bildgewaltigen Gesamtkunstwerk.

Weitere Informationen:

Museum und Park für Steinskulpturen

www.fondation-kubach-wilmsen.de

Bad Münster am Stein-Ebernburg, Deutschland

Das Museum ist vom 10. Mai bis zum 25. Oktober 2026 geöffnet.

Dieser Artikel wurde im Original von Etienne Boileau auf Englisch verfasst.

Über den Autor/ die Autorin

Etienne Boileau

Etienne Boileau ist ein in Rotterdam lebender Journalist und Autor.

Übersetzung

Sybille Hayek

Sybille Hayek ist Lektorin und Übersetzerin. Seit 2022 unterstützt sie unser Team ehrenamtlich mit ihrem geschulten Blick fürs Detail und einer großen Liebe zur Sprache.

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