Katrin Wegemann

Urban Juggling

24./25. Februar 2022, STADT.KUNST Herten im Rahmen von Stadtbesetzung 2021
Jonglage: Stefan Sing
Konzept: Katrin Wegemann
EinfĂĽhrende Worte: Mareike Donath

„UMDENKEN. Klimawandel – Kulturwandel“. Zu diesem Thema setzte der Jonglage-Künstler Stefan Sing mit der Performance „Urban Juggling“ an fünf Orten in Herten künstlerische Akzente mitten in das gewohnte Leben. Dabei passt Stefan Sing seine Jonglage immer an die Standorte und die vorhandenen Gegebenheiten an.
An den fünf bespielten Orten – Disteln, Scherlebeck, Westerholt, Herten-Mitte und Herten-Süd – wurde auf unterschiedlichste Art und Weise zum Umdenken in Bezug auf den Klima- und Kulturwandel angeregt. Künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum ermöglichen, den bekannten Stadtraum neu zu erfahren. Verbindendes Element der fünf Orte ist, ausgehend vom Bergwerk Schlägel & Eisen und den Zechen Westerholt und Ewald, die Bergbautradition und die Reaktivierung dieser Areale – auch im Hinblick auf den Klima- und Kulturwandel.
Stefan Sing ist Balljongleur und entwickelt seit 1985 seinen einzigartigen Stil solo sowie in verschiedenen zeitgenössischen Zirkus-Projekten immer weiter.
In Herten erfuhren 120 Bälle Stillstand, Bewegung, Be- und Entschleunigung und wurden zu zeitbasierten Skulpturen. Beginnend mit eckig maschinellen Bewegungen fand im zweiten Teil ein Transformationsprozess statt, welcher schließlich in ausschweifenden und organischen Bewegungen gipfelte.

Tanz, Akrobatik und Nouveau Cirque, choreografiert mit hoher Präzision, perfekter Jongliertechnik und ausgefallenen Bewegungen, das alles zeichnen die 20-minütigen Stücke aus.

Der erste Ort, der von Stefan Sing bespielt wurde, war der Distelner Marktplatz. Er war Teil des Bergwerks Schlägel & Eisen. Dieses bestand aus vier Schachtanlagen mit insgesamt acht Schächten. Die Förderung der Kohle begann 1877 auf dem Gelände der Schachtanlage I / II in Disteln. Hier startete die Performance und hier zeigt sich auch der Kulturwandel, wo nach dem Abriss der alten Anlagen ein neues Gewerbegebiet entstand. Beginnend auf dem Distelner Marktplatz führte der Jongleur das Publikum in eine kleine parkähnliche Anlage mit Überresten der „Halde Disteln“. Am höchsten Punkt weitet sich der Höhenzug zu einem kleinen, dreieckigen Plateau, was einen Blick auf die Nachbarschaft sowie die Halde Hoheward ermöglicht.

Der zweite Spielort befand sich auf einer weiteren ehemaligen Schachtanlage des Bergwerks Schlägel & Eisen. An der Schachtanlage V / VI wurde 1901 die erste Kohle gefördert. Der Kulturwandel beinhaltet auch hier eine Reaktivierung der ehemaligen Gebäude und Flächen. Ein Rest der ehemaligen Halde und einige Gebäude, darunter die Maschinenhalle, sind noch vorhanden. Hier umspielte Stefan Sing das Wohn- und Pflegezentrum Gertrudenau in Scherlebeck, um einen zentralen Aspekt der Stadtbesetzung umzusetzen: Das Publikum muss nicht immer zur Kunst kommen. Es geht auch andersherum: Mit diesem Projekt wurde Kunst unmittelbar hin zu den Menschen gebracht, zunächst im Eingangsbereich, bevor sich die Performance in Richtung des Innenhofs fortsetzte.
Auch am Theodor-Fliedner-Haus, in der Nähe zur Zeche Westerholt und einer Güterverkehrsachse, will Kunst da in Kontakt treten, wo Menschen leben und arbeiten.

Am Rathausplatz/Otto-Wels-Platz in Herten-Mitte liegt der Schwerpunkt auf der Verbindung zwischen Altem und Neuen. Mit dem Schloss und dem Schlosspark grenzt hier der älteste Teil der Stadt an den modernen, innerstädtischen Mittelpunkt an. Bereits 2005 wurde sich mit dieser besonderen Verbindung auseinandergesetzt und es entstanden die „bodenflügel“ und die Baumtreppe. Erstere, die zweiteilige Bodenplastik von Dorothee Bielfeld, lässt optisch diese Verbindung entstehen. Das Kunstwerk überbrückt virtuell die Kurt-Schumacher-Straße, welche die Plätze quert und „Stadtachse“ und „Parkachse“ voneinander trennt. Die Baumtreppe der wbp Landschaftsarchitekten verbindet diese beiden Elemente ebenso und führt direkt in den Schlosspark, der erst seit den 1970er Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Den Schlusspunkt bildete die ĂĽber die Stadtgrenzen hinaus bekannte Zeche Ewald in Herten-SĂĽd. Hier begann der Jongleur seine Performance unterhalb des Doppelbockturms auf dem Doncasterplatz und bewegte sich in Richtung des Haldenaufgangs. Der ehemalige Bergbaustandort entwickelte sich zu einem bedeutenden Zukunftsstandort. Das Ankommen des KĂĽnstlers am Wasserstoffkompetenzzentrum steht hier sehr eindrĂĽcklich fĂĽr das Umdenken und den Wandel von der alten zur neuen Energie.

Datenblatt

Jahr
2022
Stil
Performance
Thema
Körper, Natur, Gesellschaft, Konzeptionell, Wissenschaft
Alle Kunstwerke von Katrin Wegemann
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