Spaniens schönste Skulpturenparks

Wenn man an Spanien denkt, kommt einem schnell das Bild von Sonne, Meer, Palmen und Strand vor Augen. Doch in seiner geografischen Vielfalt bietet das Land auch tolle kulturelle Einblicke in wunderschönen Skulpturenparks. Unsere Expertinnen Neus Bergua und Beatriz Carbonell Ferrer haben uns ihre beiden Favoriten vorgestellt – einer im nördlich gelegenen Baskenland und einer im sonnigen Andalusien.

Im April 2019 öffnete das Chillida-Leku-Museum im Baskenland erneut seine Türen, nachdem es aufwendig mit einem neuen Café und Shop, verbesserten barrierefreien Zugängen und Parkmöglichkeiten renoviert wurde. Das elf Hektar weite Land und das alte Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert faszinierten und inspirierten Eduardo Chillida und seine Frau so sehr, dass sie den Traum, seine Skulpturen an einem Ort zu sammeln, wirklich werden ließen. Chillida wurde 1924 in San Sebastián geboren. Unweit von hier liegt der Skulpturenpark, dessen Name Leku Land auf Baskisch bedeutet.

Chillida Leku
Der Chillida-Leku-Skulpturenpark. Foto: Beatriz Carbonell Ferrer

 

Die „Skulpturenfamilien“, wie der Künstler sie selbst liebevoll nannte, variieren im Material von Eisen, Corten-Stahl, rosafarbenem Granit bis zu Papier. Die BesucherInnen wandeln durch die Schau Chillidas Werke der späten 1940er Jahre bis zu den 2000ern wie durch einen Wald, ein Werk einem mächtigem Baum gleichend wie der nächste, jedes besonders und doch Teil eines großen Ganzen. Nach dem Tod des Künstlers im Jahr 2002 kümmern sich seine Familie sowie die Galerie Hauser & Wirth um sein Vermächtnis und ehren ihn so in dem neu eröffneten Park. Im Landhaus, das als Symbol für Chillidas Herkunft gilt, sind kleinere und fragilere Werke zu sehen. Um die Magie des Baskenlandes selbst ein wenig einzufangen, muss man also nur den Einklang von Natur und Kunst in der Welt von Eduardo Chillida genießen – immer Mittwochs bis Montags.

Chillida-Leku
Eduardo Chillida, Escuchando la Piedra IV , Granit, 1996
Foto: Beatriz Carbonell Ferrer

 

Genau am anderen Ende Spaniens – tief im Süden Andalusiens in Vejer de la Frontera, Cádiz, hat die NMAC Foundation es sich zur Aufgabe gemacht, zeitgenössische Kunst in perfekter Harmonie mit der Natur zu inszenieren. NMAC unterstützt zeitgenössische KünstlerInnen, indem diese mit Kunstwerken für die weitläufigen 30 Hektar Land beauftragt werden. Die über vierzig landsschaftsbezogenen Projekte zeigen vor allem die Kunst von KünstlerInnen, die noch nie in Spanien ausgestellt wurden. 

NMAC
Shen Yuan, Bridge, 2004. Foto: Ilaria Specos

 

Kunst und Natur sind schon seit der Antike miteinander verflochten. In Platons Höhlengleichnis wird Kunst als Imitation der Natur verstanden, in der Romantik ist die Natur der Auslöser und zugleich Reflexionsort für die Kunst, das Art Deco lässt natürliche Formen in Kunstwerken wachsen – beide sind untrennbar, wie Idee und Realität. Auch heute, in Zeiten der globalen Erwärmung  wird die Natur zum Thema der Kunst. Bei der NMAC Foundation ist dieses Sujet Programm. KünstlerInnen wie Olafur Eliasson, James Turrell und Marina Abramović und viele mehr zeigen ihre Werke zwischen Pinienwäldchen und alten, in den 1970er Jahren verlassenen Militärbaracken. 

NMAC
Olafur Eliasson, Quasi Brick Wall, 2003. Foto: Ilaria Specos

 

James Turrell lässt die Betrachtenden seines architektonischen Meisterwerks Secondwind das Licht Andalusiens auf besondere Weise wahrnehmen. Über einen Tunnel treten die BesucherInnen in eine unterirdisch gelegene Pyramide ein. Im Zentrum der Pyramide befindet sich eine von Wasser umgebene Stupa. Die buddhistische architektonische Form lässt den Himmel näher erscheinen wenn man sich in ihrem Inneren aufhält, denn der Blick auf den Himmel wird von einem kreisförmigen Ausschnitt in der Kuppel freigegeben. Bei Sonnenauf- und untergang verändern sich durch die geschickte, auf die Natur abgestimmte Bauart die Farben in der Stupa so eindrucksvoll, dass eine fast sakrale Wahrnehmung des Himmels als Raum, Form oder Objekt verursacht wird.

NMAC
James Turrell, Secondwind, 2005. Foto: Ilaria Specos

 

NMAC
James Turrell, Secondwind, 2005. Foto: Ilaria Specos

 

Auf die Beschaffenheit der Natur abgestimmt arbeiten die KünstlerInnen mit der Natur Hand in Hand –  BesucherInnen bewegen sich wie auf einer Entdeckungsreise durch die Anlage, deren Kunstwerke manchmal mehr, manchmal weniger versteckt ihren Zauber verbreiten. In einer Gegenwart, in der die Polkappen durch das Fehlverhalten von Menschen schmelzen, fordert der besondere Ort genauso wie die Kunst ein Umdenken beim Besucher ein.  Unter der andalusischen Sonne erlebt man eben nicht nur die heimische Flora und Fauna, sondern die mit ihr kommunizierende Kunst im Duett.

NMAC
MP & MP Rosado, Ridiculous Sequence, 2002. Foto: Ilaria Specos


Coverbild: Gunilla Bandolin, Sky's Impression, 2001. Foto: Ilaria Specos



 
 
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