PERSONAL STRUCTURES: Reflexionen im Glanz der Lagune

Venedig und die Kunst! Ein untrennbares, unverwechselbares und unvorstellbar schönes Paar, das sich alle zwei Jahre die Ehre gibt und die ganze Welt zum Fest der Kunst einlädt. Zugegeben, die Party ist oft laut, stickig und gnadenlos überfüllt. Aber jetzt ist der große Ansturm ja bereits vorüber, sodass wir mit ein wenig mehr Entspannung einen Aperitif genießen, ein Vaporetto besteigen und uns dann auf Erkundungstour begeben können.

Auch dieses Jahr richtet das ECC (European Cultural Centre) die Ausstellung Personal Structures aus und hat fast 200 KünstlerInnen eingeladen zum Thema Reflexionen ihre Arbeiten zu präsentieren. Und das an so zauberhaften Orten wie dem Palazzo Mora, der Palazzo Bembo und der Giardini Marinaressa. Noch bis 27. November 2022 ist die Ausstellung zu sehen – also auf geht’s!

Was sind Reflexionen? Auf jeden Fall ein passendes Thema in einer Stadt der spiegelnden Wasseroberflächen. Aber Reflexionen meinen nicht nur Spiegelbilder. Der Titel der Ausstellung „verkörpert die doppelte Bedeutung einer sichtbaren Episode, die mit den Augen wahrgenommen wird, und einer geistigen Handlung, die aus dem Nachdenken und Abwägen mit dem Verstand hervorgeht“ so das KuratorInnenteam. Reflektieren birgt das Potenzial zukünftige Möglichkeiten offen zu legen und eine bessere Zukunft zusehen.

Ein wahrer, hehrer und nicht neuer Gedanke, der aber tatsächlich heute oftmals zu kurz zu kommen scheint. Dabei ist es nicht wichtiger denn je sich zu erinnern, nachzudenken, abzuwägen, Gefühle und Erfahrungen auszutauschen um eine gemeinschaftliche Basis für eine nachhaltige Zukunft zu erschaffen?

Die Kunstwerke der Ausstellung Personal Structures reflektieren verschiedene aktuelle Themen und Fragen wie Klimawandel, Umwelt- und Sozialverträglichkeit Nachhaltigkeit, ethnische und geschlechtliche Gleichberechtigung und regen den Diskurs und das eigene Reflektieren des Betrachters an. Unter den mannigfaltigen Präsentationen zu diesem Thema sind auch dieses Jahr sechs sculpture network Mitglieder mit ihren Arbeiten vertreten. Hier ein kleiner Überblick und Vorgeschmack!

Angelika Lill-Pirrung / Palazzo Mora, Wächter, 2022, Altholz, Ton, Hämmern, kupferfarbenen Metallfäden, Foto1: Federico Vespignani, Foto2: doc.pi.   Angelika Lill-Pirrung / Palazzo Mora, Wächter, 2022, Altholz, Ton, Hämmern, kupferfarbenen Metallfäden, Foto1: Federico Vespignani, Foto2: doc.pi.

Angelika Lill-Pirrung / Palazzo Mora, Wächter, 2022, Altholz, Ton, Hämmern, kupferfarbenen Metallfäden, Foto1: Federico Vespignani, Foto2: doc.pi.
 
Angelika Lill-Pirrung
Palazzo Mora

Das Suchen, Finden, Sammeln, Kombinieren und Verändern ist ein elementarer Bestandteil der künstlerischen Arbeit der deutschen Malerin und Bildhauerin Angelika Lill-Pirrung.

Fundstücke wie verwittertes Holz, Treibholz, verrostetes Metall oder alte Alltagsobjekte vom Flohmarkt kombiniert sie mit anderen Materialien wie Ton und Holz. Sie werden zu phantasievollen rätselhaften Skulpturenfiguren. Den Ton brennt die Künstlerin meist in der alten japanischen Raku-Technik, bei der die 4 Elemente ins Spiel kommen und das Ergebnis entscheidend beeinflussen.

Ein solches Stelenpaar aus der Serie Wächter zeigt die Künstlerin im Palazzo Mora, eine für ihr Werk charakteristische Kombination verschiedener Rohmaterialien (objets bruts) und gefundenen Objekten (objets trouvés). Es besteht aus geflammtem Altholz, raku-gebranntem Ton und gebrauchten Hämmern, die mit kupferfarbenen Metallfäden verbunden sind. Die beiden Stehlen wirken wie Lebewesen, versetzt aus einer längst vergangenen Zeit oder einer anderen Welt, die nun still und regungslos Seite an Seite stehen. Sie strahlen etwas Archaisches, fast Majestätisches aus, das sich aber jeglicher Deutung entzieht. 

Es sind die Spuren von Gebrauch, Verfall und Zeit, die Angelika Lill-Pirrung an den Objekten inspirieren. Jedes gefundene Objekt trägt eine eigene wahrnehmbare Geschichte in sich und wird doch durch die Hand und Vision der Künstlerin zu etwas Neuem. Die Grundlage ihrer bildhauerischen Arbeit ist ein spielerischer und doch ernsthafter Umgang mit alten Bedeutungen und neuen Aufgaben, also eine Transformation von Damals und Heute, von Erinnerung und Gegenwart, von Ewigkeit, Vergänglichkeit und Zukunft.

Tina Zimmermann / Palazzo Mora, Amazon Tsunami, 2021, Ortsspezifische Wandinstallation aus Hunderten von Kartonstücken, die aus Amazon-Versandkartons gerissen wurden
Tina Zimmermann / Palazzo Mora, Amazon Tsunami, 2021, Ortsspezifische Wandinstallation aus Hunderten von Kartonstücken, die aus Amazon-Versandkartons gerissen wurden
 

Tina Zimmermann
Palazzo Mora

Wer kennt sie nicht, die Kartons des Versandriesen Amazon. Millionenfach überschwemmen sie täglich die Welt gefüllt mit allerhand benötigten und überflüssigen Waren und Gadgets. Was uns manchmal so bequem erscheinen mag, beansprucht dabei tatsächlich riesige Mengen an Ressourcen, nutzt die öffentliche Infrastruktur in hohem Maße und verursacht Umweltverschmutzung durch Transport und enormen Verpackungsmüll. Darüber hinaus trägt dieses System dazu bei, dass die individuelle und kollektive Vereinzelung und Einsamkeit weiter voranschreitet und immer mehr innerstädtische Ladenlokale verschwinden und die einstigen Orte der kulturellen und sozialen Interaktion veröden und das die Grätsche zwischen Unterbezahlung und Reichtum immer größer wird.

Die interdisziplinäre Künstlerin Tina Zimmermann untersucht und kommentiert solche voneinander abhängigen, manchmal toxischen Beziehungen im Anthropozän – dem menschgemachtem Zeitalter, indem sie Objekte und Interventionen aus materiellen Trümmern der natürlichen Welt und künstlicher industrieller Prozesse erschafft und damit an die Fragilität des Fortschritts der Zivilisation erinnert.

Ihre Installation Amazon Tsunami besteht aus typischen Kartonstücken des Versands, die sie an der Wand arrangiert hat. Die lächelnden Amazon-Logos bäumen sich unter der Hand der Künstlerin zu einer riesigen Welle aus Pfeilen auf, die sich jeden Moment auf uns stürzt. Ein Tsunami, der den einen Reichtum, Wohlstand und Bequemlichkeit bringt, während er auf der anderen Seite Energieverlust und Verschwendung bringt. Eine bedrohliche Welle und wir wissen nicht, wann sie bricht und wenn und was sie mit sich reißt.
 

Gabriela Drees-Holz
Palazzo Bembo
Gabriela Drees-Holz / Palazzo Bembo, Gekapseltes Universum, 2021, Metall, Holz, Draht, Aluminiumkapseln, Acrylfarbe, Leim, Beton, Maße 200x150x100
Gabriela Drees-Holz / Palazzo Bembo,
Gekapseltes Universum, 2021, Metall,
Holz, Draht, Aluminiumkapseln, Acrylfarbe,
Leim, Beton, Maße 200x150x100

Viele der ausgestellten Positionen beleuchten aus ganz unterschiedlichen Richtungen Umweltfragen. Im Palazzo Bembo zeigt die deutsche Künstlerin Gabriela Drees-Holz zu diesem Thema ein eindrucksvolles großformatiges Objekt mit dem Titel Gekapseltes Universum.

Das Kunstwerk fasziniert sofort durch seine intensiv glänzenden metallischen Farben und seine weit aufwärtsgeschwungenen Formen. Bei genauerer Betrachtung präsentiert sich das Material als Aluminium-Kaffeekapseln, die die Künstlerin kunstvoll einsetzt. Mit unzähligen zu Blüten gefalteten Kapseln gestaltet sie die Außenseiten des "U", das Innere bietet wie ein silbernes Nest, gebildet aus den gebrauchten Silberböden der Kapseln und vereinzelten Kapselbändern, den Boden für das Wachstum von fünf langen Blüten. In der Mitte wachsen diese langen, mit Kapselblüten gestalteten Blütenstängel in alle Richtungen über das "U" hinaus.

Gabriela Drees-Holz arbeitet mit vielfältigen Materialien, Techniken und Themen, experimentiert mit neuen Ideen und entwickelt dabei ihre eigenen Techniken. Seit bereits 5 Jahren arbeitet sie mit Aluminium-Kaffeekapseln. Die Künstlerin selbst betont, dass sie von dem Material, den metallischen Farben und den verschiedenen Kapselformen, ihrer leichten Bearbeitbarkeit und großen Haltbarkeit fasziniert ist.

Ursprünglich Geografin waren Umweltfragen für Gabriela Drees-Holz schon immer ein wichtiges Anliegen, für das sie nun als Künstlerin einen weiteren Weg und ein Material gefunden, auf die leicht vermeidbare Umweltzerstörung aufmerksam zu machen. Sowohl die Herstellung als auch das Recycling von Aluminium ist extrem wasser- und energieintensiv, Wälder werden für den Rohstoff gerodet, Boden und Grundwasser vergiftet und die Exposition verursacht im menschlichen Körper erhebliche Krankheiten.

Warum also Kaffee aus Kapseln konsumieren, wenn es so viele andere umweltfreundliche Möglichkeiten gibt, Kaffee zu genießen?

Mit dem Titel stellt die Künstlerin hier ironisch die Frage, ob der Mensch letztlich das Universum einkapseln will? Die nach oben ragenden Formen wachsen ins Endlose und deuten auf die sich stetig ausbreitende Verwendung hin, gleichzeitig zeigt das gesamte Objekt eine gewisse Zerbrechlichkeit, mit der die Künstlerin auf die Gefahr dieses Entwicklung hinweist.

Neben dem Objekt läuft der Film "Capsule Art", (https://youtu.be/BHTB8aDahUA) in dem ein Teil des bisherigen Kapseloevres von Gabriela Drees-Holz vorgestellt wird.
 

Alexandra Kapogianni-Beth
Palazzo Bembo
Alexandra Kapogianni-Beth / Palazzo Bembo, Stürzender Ikarus, 2021, Acrylharz, 105 x 51 x 45 cm
Alexandra Kapogianni-Beth /
Palazzo Bembo, Stürzender Ikarus,
2021, Acrylharz, 105 x 51 x 45 cm

Alexandra Kapogianni-Beths Thema ist der menschliche Körper, den sie mit unterschiedlichsten Materialien in dynamischen figurativen Skulpturen darstellt. Dabei arbeitet die griechische Bildhauerin meist ohne Modell und bezieht sich auf anatomische Darstellungen sowie die Vielfalt der Figuren der griechischen Geschichte. Alexandra Kapogianni-Beth bevorzugt Figuren, die abseits der Welt existieren können, Heldentum jenseits menschlicher Grenzen, darunter eine Vielzahl mythologischer Akteure, die sie meist in dramatischer Spannungen zeigt. So auch ihre Skulptur Stürzender Ikarus, die im Palazzo Bembo zu sehen ist.

Als Ikarus und sein Vater Dädalus versuchten, mit selbstgebauten Flügeln aus Wachs von der Insel Kreta und ihrem König Minos zu fliehen, flog der junge übermütige Ikarus trotz der Warnungen seines Vaters zu hoch. Das Wachs der Flügel schmolz in der Sonne und Ikarus stürzte ins Meer. Das Motiv des Ikarus ist bereits seit der Antike ein viel zitiertes in der Kunst. Die unterschiedlichen Darstellungen, aber auch deren relative Deutungsoffenheit haben bis heute eine uneinheitliche Bewertung des Mythos zur Folge. Im Allgemeinen wird dieser jedoch so gedeutet, dass der Absturz und Tod des Übermütigen die Strafe für seinen unverschämten Griff nach der Sonne sind, ein Symbol für unsere eigene Sehnsucht zu streben und was mit uns geschehen kann, wenn wir uns nach dem Unmöglichen sehnen und unsere Demut vergessen. 

Doch die Künstlerin will mit ihrer Arbeit kein ein Urteil über die Schuldfrage fällen. Es ist die Bewegung, die sie reizt, das Einfangen eines dramatischen ambivalenten Moments. Alexandra Kapogianni-Beths Werk stellt Ikarus vor dem endgültigen Aufprall dar. Kopfüber, sein Gesicht ist der Sonne zugewandt berühren seine Schultern bereits die Wellen. Die künstlichen Flügel sind weg und können den Körper nicht mehr tragen. Der ganze Körper ist angespannt, einzig der Blick des Fallenden zeugt nicht von besonderer Angst und Panik vor dem sicheren Tod. Er zeigt Resignation, Ergebenheit, Abwarten und Zuversicht. 

Ikarus hat es für kurze Zeit geschafft seine Verbindung zur Erde zu überwinden, er griff nach oben und muss nun die Konsequenzen seines Handelns tragen. Er hat sich dem Schicksal ergeben. Trotz des negativen Ausgangs haben sich einige Menschen Ikarus als Vorbild genommen. In diesem Sinne soll Alexandras Arbeit die Betrachter die Betrachter dazu anregen, über ihr eigenes Leben nachzudenken. Würden auch wir die Gunst der Stunde nutzen und alles uns zur Verfügung stehenden nutzen? Und würden auch wir die Konsequenzen gelassen ertragen? 

Anka Landtau / Palazzo Bembo, Die Glücklichen sind neugierig, 1998/2021, Bronze, Glas, Mobiltelefon, Foto: Henrick Matzen, Die Glücklichen sind neugierig - Friedrich Nietzsche
Anka Landtau / Palazzo Bembo, Die Glücklichen sind neugierig, 1998/2021, Bronze, Glas, Mobiltelefon, Foto: Henrick Matzen

Anka Landtau
Palazzo Bembo

Die Glücklichen sind neugierig - Friedrich Nietzsche

„Was wir sehen, ist das, was wir sehen wollen. Wir erkennen, was wir kennen. Wenn wir etwas Fremdes sehen, ist unsere Neugierde geweckt, wir wollen mehr darüber wissen und es verstehen.“ So schreibt die Künstlerin Anka Landtau in ihrem Text zu Ihrer Arbeit Die Glücklichen sind neugierig, betitelt nach einem Zitat von Friedrich Nitzsche, zu sehen im Palazzo Bembo.

Es ist eine Bronzeskulptur, ein rätselhaftes vasenähnliches Gebilde, das wie aufgebrochen scheint. Ein archäologischer Fund? Die Darstellung eines Schiffracks?

Tatsächlich ist es der Abguss eines gefundenen alten Eimers, der nun ringsum von kleinen Figuren bestürmt wird, die daran entlang klettern und ins Innere gelangen wollen. Dort befinden sich Glasscherben und ein Mobiltelefon, das in flackerndem Licht eine schnelle Folge von Bilder zeigt. Darauf tanzt eine Figur auf einer bereits weitgehend überwucherten Müllkippe um ein gefundenes zerbrochenes Glas, aus dem Schneeglöckchen wachsen. Der Tanz wirkt wie ein Ritual oder Beschwörungstanz zur Wiederherstellung des beschädigten Naturraums.

Anka Landtaus Arbeit besteht aus Fundstücken, aus Dingen und Geschichten, die miteinander in Beziehung treten. Jedes Stück trägt seine eigene Geschichte in sich, gleichzeitig entsteht hier eine neue Geschichte von individuellen und kulturellen Strukturen, die mit natürlichen Umgebungen korrespondieren. Der Eimer ist nicht nur Untersuchungsobjekt. Sein Deutungsmuster entspricht dem Wandel des Menschen zwischen Kultur und Natur. Er tritt als archäologisches Fundstück auf, das Auskunft über unsere Kulturgeschichte gibt. Der Einfluss des Menschen auf die Natur ist abhängig von seiner Fähigkeit, zu beobachten und zu lernen.

In seinem Selbstverständnis strebt der Mensch nach Kontrolle und nutzt die Wissenschaft um neue Wege des Lebens zu erforschen und das Wissen über seine eigene Vergangenheit zu vertiefen. Jedoch trotz permanenter Beobachtung der Natur und dem Versuch der Anpassung, fordert die Natur den Menschen immer wieder auf, sie neu zu begreifen. Und immer wieder sind wir schockiert über unsere eigene kulturelle Entwicklung, die Fehler, die wir gemacht haben, die Art und Weise, wie die Dinge außer Kontrolle geraten sind. 

Am 5. Oktober findet in Venedig ist eine Netzwerkveranstaltung mit Empfang statt, zu dem der Kunstverein Weltkunst Angeln einlädt. Verena Voigt (Kuratorin) führt ab 15 Uhr – beginnend mit der Installation von Anka Landtau - durch den Palazzo Bembo. Das Thema der Netzwerkveranstaltung trägt den Titel „Identität, Reflexion und das Generative in Kunst, Musik und Natur. Am Beispiel dem Auenatelier von Anka Landtau (seit 2013)“. Um Anmeldung wird gebeten: kontakt@verena-voigt-pr.de

Giselle Weegels / Palazzo Bembo, Kreislauf des Lebens, Installation aus 13 Skulpturen und 2 Assemblagen, Mixed Media
Giselle Weegels / Palazzo Bembo, Kreislauf des Lebens, Installation aus 13 Skulpturen und 2 Assemblagen, Mixed Media

Giselle Weegels
Palazzo Bembo

Obwohl Malerei lange Zeit das Hauptaugenmerk der niederländischen Künstlerin Giselle Weegels war, wurde die Bildhauerei schließlich zu ihrer größten Leidenschaft. Es waren tiefgreifenden persönliche Erfahrungen, die einen Wandel ihres Blicks auf die Welt bedingten und zu einer Auseinandersetzung mit der inneren Welt führten. Zunächst entstand eine Serie von kleinen intimen Assemblagen, die Trauer zu einem universellen Thema machten. Seit 2013 steht das Arbeiten in plastischen Materialien im Vordergrund und die Betrachtung des Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen.

Giselle Weegels künstlerischer Ansatz ist das ständige Fragen und Suchen nach dem Verständnis der menschlichen Existenz, das sie in Skulpturen festhält. Sie sucht nach jenem einzigartigen Ausdruck universeller Gefühle von Sinnhaftigkeit, durch den Trauer und Angst vor dem Tod, Freude und Zärtlichkeit der Geburt einen Sinn bekommen. In Venedig zeigt sie 13 Skulpturen und 2 Assemblagen zum Thema Kreislauf des Lebens.

Die einzelnen Arbeiten thematisieren Emotionen wie Schmerz, Trauer, Freude, Ohnmacht und Ekstase, ebenso wie Ereignisse wie Geburt, Wachstum, Blüte und Tod. Sie gehen der Frage der Metamorphose nach, die der Kern von Giselle Weegels Arbeit ist. Was mit uns passiert, nachdem wir unseren physischen Körper hinter uns gelassen haben. Machen wir in einer anderen Form weiter und erweisen uns so als geistige Wesen in einem physischen Körper? Bedeutet die Geburt auch den Tod und umgekehrt? Sterben, Knospen und Blühen sind untrennbar miteinander verbunden und bilden die Grundstrukturen, an die jedes Leben gebunden ist und die uns alle verbindet.

Mit all ihren Arbeiten entwirft Giselle Weegels eine Art Plan dieser ihrer persönlichen Lebensstruktur, in der wir auch unsere eigene wiederfinden können. Die Gestaltung ihrer inneren Suche ist für die Künstlerin Kern des wahren Mensch-Seins und eine nie endende Quelle künstlerischer Inspiration, aus der ihre Werke entstehen.

Weitere Informationen zur Ausstellung Personal Structures finden Sie hier: https://personalstructures.com/

 

Julia Weiss

Autorin: Julia Weiss

Julia ist Kunsthistorikerin aus München und arbeitet seit April 2022 für sculpture network.



 
 
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