Estnische Glaskunst in Haapsalu

Ein bisschen zu früh bin ich am Samstag Nachmittag in Haapsalu angekommen und habe Kai Koppel und ihre Tochter Üla überrascht, die dabei waren den Gemeinschaftsraum für das Symposium herzurichten. Mit mir ist erst ein paar Stunden später gerechnet worden, doch werde ich sehr herzlich in Empfang genommen und mit einem Fahrrad ausgestattet mit dem ich mich auf Erkundungstour begebe.

Haapsalu ist der Naherholungsort der Esten und eine absolute Sommerstadt. Wunderschön an der Küste gelegen mit Strand, Promenade, Wald und einer alten Bischofsburg in der Mitte der Stadt. Idyllisch und mit vielen Mücken. Dort an der Hauptstraße im Stadtkern liegt die ehemalige Poststelle, das jetzige Evald Okase Museum, Herberge des 12. Internationalen Heißglassymposium in Haapsalu.

Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Sofi Arshas, Kai Koppel, Erki Kannus, Svetlana Fedorova und Kai Roosaar (im Halbkreis von vorn nach hinten), im Hintergrund die Installation Secret Ingredient von Kati Kerstna, Foto: Louise Lang
Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Sofi Arshas, Kai Koppel, Erki Kannus,
Svetlana Fedorova und Kai Roosaar (im Halbkreis von vorn nach hinten),
im Hintergrund die Installation Secret Ingredient von Kati Kerstna, Foto: Louise Lang

 

Initiiert und geführt wird das Museum der Familie von Evald Okas, einem in Estland sehr bekannten Maler und Grafiker, der 2011 verstorben ist. Zur Familie gehören Jüri Okas (Architekt & Grafiker), Mari Roosvalt (Malerin), Kai Koppel (Glaskünstlerin) mit ihren Töchtern Üla Koppel (Architektin) und Mara Ljutjuk (Malerin). 1999 hat Evald Okas das Haus gekauft und seine Enkelin Üla Koppel übernahm die Planung für die Renovierung und Gestaltung des Museums. Der Dachboden und das Erdgeschoss werden mit wechselnden Sonderausstellungen bespielt und im 1. Stock ist die ständige Sammlung Evald Okas zu sehen in extra dafür gestalteten Räumen. Eröffnet hat das Museum 2003 und geöffnet ganz in Haapsaluer Manier von Juni bis September über den Sommer.

 

Das Evald Okase Museum in Haapsalu, Foto: Louise Lang
Das Evald Okase Museum in Haapsalu,
Foto: Louise Lang

Zum Museum gehört hinter dem Haus ein Garten in dem nicht ganz komplett unter freiem Himmel ein Glasofen aufgestellt ist. Dieser war ursprünglich für das erste Symposium 2003, das Kai Koppel organisierte um all ihre Glasfreunde zu treffen, von dem Finnen Mikko Merikallio gebaut worden. Doch steht und läuft er noch immer und wird in unregelmäßigen Abständen für die Haapsaluer Glastage angefeuert. Angefeuert hat Kai Koppel auch die Glasstudiobewegung in Estland. 1991 gründete sie zusammen mit Viivi-Ann Keerdo das erste Heißglasstudio Estlands (Koppel & Keerdo Klaasikoda). Zuerst provisorisch eingerichtet in der Ecke einer Glasfabrik und schließlich 1995 in den eigenen vier Wände in der Altstadt von Tallinn (Straße: Katariina Käik), wo sie noch immer zu finden sind. Mittlerweile gibt es etwa eine handvoll Glasstudios in Estland. Anders als in Deutschland, wo der Weg meist über eine Handwerksausbildung geht und vielleicht danach an eine Hochschule, Akademie oder Universität führt, ist es in Estland anders herum. Die meisten studieren an der Estonian Academy of Arts (https://www.artun.ee/en/curricula/glass-art/), in der Designfakultät Glaskunst und vertiefen sich eigenständig in verschiedenen Handwerkstechniken.

 

Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Kai Koppel, Sofi Arhas, Kairi Orgusaar, Svetlana Fedorova, Elli Soon, Louise Lang, Petra Kießling, Herbert Orgusaar, Cornelius Reer, Torsten Rötzsch, Svetlana Fedorova, Dinar Shamsiev und Louise Lang (von vorn nach hinten), Foto: Louise Lang
Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Kai Koppel, Sofi Arhas, Kairi Orgusaar, Svetlana Fedorova,
Elli Soon, Louise Lang, Petra Kießling, Herbert Orgusaar, Cornelius Reer, Torsten Rötzsch,
Svetlana Fedorova, Dinar Shamsiev und Louise Lang (von vorn nach hinten), Foto: Louise Lang
 
 

 

Das 12. Internationale Heißglassymposium in Haapsalu 2019 bedeutete: Eine Woche lang Glas machen, spielen, experimentieren, schaffen, beobachten an einem Ort, der geschützt und doch gleichzeitig öffentlich ist, der eine ruhende Energie in sich trägt und außergewöhnliche Bedingungen schafft. Dazu gehört der Glasofen im Freien, geschützt durch ein Dach. Wegen der offenen Seiten spielen Wind und Witterung mit. Das Glas ist sehr lange heiß, länger als es üblich ist in den Europäischen Glasstudios. Vielleicht vergleichbar mit dem Glas in japanischen Studios.

Mehr Informationen zum Symposium gibt es unter www.studioglass.jimdo.com/newsletter und auf der Facebook Seite (Haapsalu Glass Days) und auf der Homepage des Evald Okase Museums www.evaldokasemuuseum.ee.

Autorin: Louise Lang

Der Artikel wurde im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit GLASHAUS – Internationales Magazin für Studioglas 4/2019 veröffentlicht.



 
 
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