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Der MTSA: eine Auszeichnung, die auf Freundschaft baut

Der MTSA f├Ârdert aufstrebende K├╝nstler der dreidimensionalen Kunst. Doch wer steckt dahinter? Welche Anforderungen muss eine Bewerbung erf├╝llen? Und was sagen die letzten beiden Preistr├Ągerinnen ├╝ber den Award? Wir haben nachgefragt.

Der Mark Tanner Sculpture Award ist die bedeutendste Auszeichnung f├╝r aufstrebende K├╝nstler im Bereich dreidimensionaler Kunst im Vereinigten K├Ânigreich (UK). Neben einer finanziellen Unterst├╝tzung in H├Âhe von ┬ú 8.000 zur Schaffung eines neuen Kunstwerkes, umfasst er eine Einzelausstellung in der Standpoint Gallery in Hoxton, London und eine Wanderausstellung quer durch das Vereinigte K├Ânigreich. Ausgezeichnet werden herausragende und innovative Praktiken, die ein hohes Engagement f├╝r die Verarbeitung oder eine besondere Sensibilit├Ąt f├╝r das Material zeigen.

Wer steckt dahinter?

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Nicola Tassie leading a Masterclass for the National Saturday Club at Standpoint, 2017. ┬ę The Saturday Club Trust 2017

Vergeben wird der MTSA durch Standpoint, eine Wohlt├Ątigkeitsorganisation, die ├╝ber f├╝nf gro├če Ateliers mit kreativen Arbeitspl├Ątzen f├╝r mehr als 15 K├╝nstler, sowie eine Ausbildungswerkstatt verf├╝gt. Das Leitmotiv Standpoints ist der Ansporn junger, aufstrebender Kunst frei nach dem Motto ÔÇ×Lernen von den BestenÔÇť. Sie sieht Kunst und Bildung als untrennbar miteinander verbunden und engagiert sich vor allem f├╝r qualitativ hochwertige, flexible Bildungsprogramme. Eines dieser Bildungsprogramme ist das Standpoint Education. Dieses bietet Kindern und Jugendlichen eine ganz besondere Form der Kunstvermittlung. In der hauseigenen Ausbildungswerkstatt werden Workshops veranstaltet, bei denen neue F├Ąhigkeiten und Techniken im direkten Kontakt mit inspirierenden K├╝nstlerInnen erlernt werden k├Ânnen. Zudem wird der freie Zutritt in die benachbarten professionellen Studios er├Âffnet. Daneben bot die Wohlt├Ątigkeitsorganisation mit den Standpoint Futures┬ábis zu diesem Jahr ein spezielles Karriere-Programm, welches k├╝nftig von den Chisenhale Studios weitergef├╝hrt wird. 25 regionale K├╝nstlerInnen wurden seit 2010 mit kostenfreien Atelierr├Ąumen, Unterk├╝nften und einem ma├čgeschneiderten Mentoring-Programm gef├Ârdert. Bis heute entwickelte sich das Programm als eine wichtige Quelle f├╝r Londoner KuratorInnen, GaleristInnen und K├╝nstlerInnen.

Wer war Mark Tanner?

Der MTSA wird seit 2001 initiiert und tr├Ągt den Namen eines bemerkenswerten britischen Bildhauers, der seit der Gr├╝ndung Standpoints, im Jahr 1996, eng mit der Organisation verbunden war ÔÇô Mark Tanner. Er z├Ąhlte zu den ersten K├╝nstlern, die in der Standpoint Gallery ausstellten. ÔÇ×Mark Tanner war ein enger Freund von mirÔÇť so Michael Taylor, Leiter von Standpoint. ÔÇ×Er war jemand, den ich von der Kunstschule her kannte. Wir spielten zusammen in Bands und hatten gemeinsame Freunde in der Londoner Kunstszene. Mark stellte mehrere Male im Rahmen unseres Open-Studio-Programms aus, das sp├Ąter zu unserem Bildungs- und Galerieprogramm wurde. Prudence Scott, eine Dichterin und, wie wir sp├Ąter herausfanden, eine Philanthropin und F├Ârderin der K├╝nste wurde eine absolute Fanatikerin seiner Arbeit. Als Marks Gesundheit begann sich zu verschlechtern und er 1998 nach langer Krankheit starb, organisierten wir eine Gedenkausstellung f├╝r ihn. Prudence kam damals auf mich zu und wollte einige seiner Arbeiten kaufen. Doch leider waren, aufgrund seiner Krankheit, nur sehr wenige Kunstwerke von ihm vorhanden und die Familie wollte ebenfalls einige davon zur Andacht aufbewahren. Da erwuchs die Idee eines bleibenden Gedenkens an Mark und seiner Leidenschaft f├╝r die Bildhauerei. Um diese in die Tat umzusetzen, gr├╝ndete Prudence eine von Standpoint getrennte gemeinn├╝tzige Stiftung, die die j├Ąhrliche Auszeichnung finanziert. Wir entschieden das Interesse Marks an den praktischen Aspekten der skulpturalen Praxis und den Standpoint-Ethos, die Unterst├╝tzung von K├╝nstlern in fr├╝hen Karrieren, zusammen zu schlie├čen.ÔÇť

Wer entscheidet ├╝ber die Preistr├ĄgerIn?

Die kontinuierliche, k├╝nstlerische Entwicklung der Preistr├ĄgerIn, sowie die positiven Auswirkungen des Awards auf ihr Schaffen stehen dabei im Blickpunkt. So wird ausschlie├člich das neue Projekt, das durch das Preisgeld finanzierte wurde, in der hauseigenen Galerie ausgestellt und anschlie├čend mit der Wanderausstellung auch der Kunstwelt jenseits Londons zug├Ąnglich gemacht. Wer den Award erh├Ąlt, entscheidet ein spezielles Gremium. ÔÇ×Wir haben immer einen Vertreter des Vertrauens im Gremium sitzen. Urspr├╝nglich war es Prudence selbst, aber in j├╝ngerer Zeit ├╝bernimmt ihre Tochter Rebecca Scott, selbst eine Malerin, ihren Posten. Dann beteiligt sich auch der Vorjahressieger. Dies ist meiner Meinung nach eine wichtige Abrundung, da es damit eine "beide Seiten des Zauns"-Erfahrung f├╝r den neuen Preistr├Ąger gibt. Dar├╝ber hinaus laden wir einen anerkannten K├╝nstler und einen Vertreter aus Galerie, Museum oder der kuratorischen Welt als Gastrichter ein. Zu den G├Ąsten geh├Ârten bis heute Laurence Sillars, Richard Wilson, Penelope Curtis, Conrad Shawcross, Lisa Le Feuvre, Richard Deacon, Phyllida Barlow, Rachel Whiteread, Cornelia Parker, Cathy de Monchaux, Tim Marlow und Hew Locke. Jedes Mitglied w├Ąhlt zwei K├╝nstler aus den Online-Bewerbungen aus, um sie zu interviewen. Acht K├╝nstler werden dann zu Standpoint eingeladen, um ihre Arbeit der Jury pers├Ânlich vorzustellen.ÔÇť

Auf Wanderschaft quer durch die UK

Frances Richardson
Frances Richardson: Installation view of the MTSA exhibition "Not even nothing can be free of ghosts" at Standpoint Gallery showing:ÔÇťEidolon: I thought I could small waterÔÇŁ, chipboard, paint, paper, 2015 ÔÇô 2018
and ÔÇťDividerÔÇŁ, ash wood, concrete canvas, 2018 in the foreground, dimensions vary, Photography by┬áTim Bowditch

In diesem Jahr stellte die Gewinnerin des MTSA 2017-18, Frances Richardson, in der Standpoint Gallery aus. Binnen eines Jahres schuf sie ihr, durch den MTSA finanziertes, neues Kunstprojekt ÔÇ×not even nothing can be free from ghostsÔÇť, welches im Anschluss, vom 18. Mai bis 23. Juni 2018, in der Galerie zu sehen war. "Der MTSA ist eine fantastische Plattform und ich hatte eine gro├čartige Resonanz zu der Ausstellung in der Standpoint Gallery, besonders auf Instagram", sagt Richardson. Sie ist in diesem Jahr die erste MTSA-Gewinnerin, die ihre Werke auf Wanderschaft zu den Cross Lane Projects in Kendal schicken wird. Vom 12. Oktober bis 16. Dezember 2018 wird ihr neues, MTSA-gef├Ârdertes Projekt dort zu sehen sein. "Das Team von Cross Lane Projects hat sehr gute Unterst├╝tzung geleistet. Der Ausstellungsraum ist ganz anders als bei Standpoint, statt einer Reihe von kleinen R├Ąumen ist es ein gro├čer Galerieraum. Ich freue mich schon sehr darauf, die Skulpturengruppe dort zu installieren und neue Beziehungen zwischen Arbeiten zu erschaffen. Ich werde bei der Er├Âffnung der Ausstellung und f├╝r einen ├Âffentlichen Vortrag am 20. November pers├Ânlich anwesend sein und m├Âchte besonders Cross Lane Projects und Standpoint meinen Dank f├╝r die wundervolle Publikation aussprechen, die sie zusammengestellt haben, um das Werk zu dokumentieren. Momentan arbeite ich schon an neuen Werken f├╝r die Gruppenausstellung "Prevent this Tragedy", die am 24. Oktober in Brixton, London, er├Âffnet wird. "

Anna Reading ÔÇô die diesj├Ąhrige Gewinnerin des MTSA

Anna Reading with tarpaulin frog sculptures made during a residency at AVA in Hong Kong, 2017
Anna Reading with tarpaulin frog sculptures made
during a residency at AVA in Hong Kong, 2017,
Tarpaulin, wire, stuffing, Dimensions variable,
Photography Diane Chappalley

Die diesj├Ąhrige Gewinnerin des MTSA 2018-19, Anna Reading, wird von Mai bis Juni 2019 in der Standpoint Gallery ausstellen. Sie arbeitet vorrangig in den Bereichen Skulptur, Installation, Bewegtbild und Performance. Sie setzt menschengemachte Objekte und Umgebungen zueinander in Beziehung, l├Ąsst sie dabei einerseits vertraut, andererseits v├Âllig befremdlich erscheinen. Ihre Kunst zeigt die Schwellen zwischen organisch und architektonisch, altert├╝mlich und futuristisch, wie auch zwischen Zerfall und Regeneration auf.

Sie will Neubewerbern Mut machen und gibt einige Ratschl├Ąge: ÔÇ×Wenn du in der dreidimensionalen Kunst arbeitest und das Gef├╝hl hast, dass der MTSA dir in diesem Moment n├╝tzen w├╝rde, dann bewirb dich definitiv! Ich denke, dass Ehrlichkeit und Klarheit die wichtigsten Dinge sind, die man bei der Bewerbung beachten sollte. Stell┬Č` sicher, dass die gesamte Bandbreite deiner aktuellen Arbeit gezeigt wird. Halte die Bilder deiner Arbeiten so aktuell wie m├Âglich und zeigÔÇś sie gut beleuchtet und mit so vielen Details wie m├Âglich. Der MTSA war mir schon seit meinem Bachelorabschluss vor 8 Jahren gel├Ąufig, doch erst dieses Jahr im M├Ąrz habe ich die Sache am Schopf gepackt und mich beworben. Dabei war die Bewerbung eigentlich total unkompliziert. Ich w├Ąhlte 6 Bilder von Werken aus und formulierte eine K├╝nstleraussage, eine Biographie und einen Projektvorschlag mit 300 W├Ârtern, der meine Pl├Ąne f├╝r meine Arbeit im kommenden Jahr skizzierte. Weiterhin beschrieb ich, wie der Preis meine Arbeit voranbringen w├╝rde. Im April lud mich Standpoint dann zum Vorstellungsgespr├Ąch ein. Dort hielt ich eine Pr├Ąsentation mit 22 Dias von meinen Werken ab, die die komplette Bandbreite meiner Arbeit aus Skulptur, Animation und Performance zeigten. Ich diskutierte auch ├╝ber aktuelle Ideen und Gedanken dar├╝ber, wohin sich meine Arbeit im kommenden Jahr entwickeln k├Ânnte. Das war ehrlich gesagt der schwierigste Teil, weil es fast unm├Âglich ist zu wissen wohin die Arbeit gehen wird. Ich nahm auch 3 kleine Skulpturen mit, um Beispiele f├╝r die Materialit├Ąt zu zeigen. Die Skulpturen im Raum haben mir sehr geholfen, denn ich hatte das Gef├╝hl, dass sie f├╝r sich selbst sprachen, ich musste dann nicht alles erkl├Ąren. Und ich sprach auch dar├╝ber, was eine Einzelausstellung f├╝r mich in der jetzigen Phase meiner Karriere bedeuten w├╝rde. Die Ausstellung in der Standpoint Gallery ist meine erste Einzelausstellung in London. Das wird ein wichtiger Moment f├╝r mich sein. Die Standpoint Gallery ist ein perfekter Ort um meine Werke auszustellen, wegen der einzigartigen Architektur des Ausstellungsraumes. Die Galerie hat eine Vielzahl von Deckenh├Âhen, eine Fensterfl├Ąche, einen Aufzugschacht und einen aufragenden Oberlichtbereich. Das erm├Âglicht mir, die Pr├Ąsentation der Arbeiten in Bezug auf die Architektur zu untersuchen und eine Vielzahl von Beleuchtungsumgebungen zu schaffen, die eine Schl├╝sselrolle bei der Wahrnehmung meiner Arbeit spielen. Ich bin begeistert Teil der langen Reihe der Gewinner des Mark Tanner Sculpture Award zu sein, die dort ausgestellt haben - in einem Raum, der solch eine unterst├╝tzende Wirkung und ein Schl├╝sselwissen ├╝ber die Bed├╝rfnisse eines Bildhauers hat.ÔÇť

Anne Reading,ÔÇťEconomy ClassÔÇŁ, 2017, Wood, card, foam, gloss paint, 2.4m x 1.0m x 0.7m
Bloomberg New Contemporaries 2018, Installation Image, Liverpool John Moores University. Photography Alfie Long

Neuigkeiten über den Bewerbungsprozess, sowie auch über die geplanten Gastrichter, werden zu Beginn eines jeden Kalenderjahres über den Newsletter, die Website, Instagram, Facebook und Twitter bekannt gegeben. 

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Autorin: Claudia Thiel

Claudia Thiel ist Kunsthistorikerin und stellt ihre Fragen an das Fachgebiet gerne im journalistischen Stil.

Galerie

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