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Essenz der Kunst: Die Stiftung Ernesto Ventós

Ernesto Ventós Omedes (1945 - 2020) wurde am 23. September 1945 in Barcelona in eine Familie hinein geboren, die Duftstoffe herstellte. Kennt man diesen Hintergrund und denkt daran, dass Ernesto seit seiner Kindheit taub war, dann wundert man sich nicht, dass er lernt, die Welt durch einen der am meisten vergessenen Sinne unseres täglichen Lebens zu verstehen: den Geruchssinn.

 

Der Ursprung

Dank seiner hervorragenden Ausbildung mit unternehmerischen Fortune wurde Ernesto als Erwachsener schnell zum gro√üen Parf√ľmeur ‚Äď vor allem dank seiner gro√üen olfaktorischen F√§higkeiten und seines Talents, die Welt durch seine Nase zu verstehen.

"Ich wurde inmitten von Ger√ľchen und Duftf√§ssern aus der Fabrik meines Vaters geboren und lernte zu riechen."
Ernesto Ventós Omedes

Aber auch au√üerhalb seines Metiers ist Ernesto ein kreativer und rastloser Geist, begabt mit Eigenschaften, schnell in die Welt der Kunst eintauchen und Beziehungen zu K√ľnstler*innen und Galerist*innen aufbauen zu k√∂nnen. Er wird zu einem ungew√∂hnlichen Kunstk√§ufer, der nicht einfach Werke kauft, die ihm auf den ersten Blick gefallen, sondern nach solchen sucht, die eine olfaktorische Erinnerung wecken. Er stellt sich vor die Kunstwerke, betrachtet sie und sagt, wenn seine Nase reagiert: "esta pieza me huele" (dieses Werk riecht).¬†

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Ernesto Ventós Portrait

 

Seine Sammlung ist so speziell, dass der K√ľnstler Joan Brossa in einem Gespr√§ch mit Ernesto √§u√üert: "Ich mache visuelle Poesie und du machst visuelle Ger√ľche (olor visual)". Ernesto f√ľhlt sich verstanden und beschlie√üt daraufhin, seine Sammlung colecci√≥n olorVISUAL zu nennen.

"Meine Nase entwickelt sich weiter, sie wird perfektioniert und verfeinert sich. Wie bei anderen Sammlungen schärfen die Sammler ihren Blick, in meinem Fall wird der Geruchssinn geschärft."
Ernesto Ventós Omedes

Ernestos Neigung zur Kunst w√§chst im Laufe der Jahre immer weiter, und sein rastloser Geist begn√ľgt sich nicht mit dem Erwerb von Kunstwerken. Der Parf√ľmeur m√∂chte seine kreativste Seite entdecken und beschlie√üt, dass es an der Zeit sei, seine eigenen Kunstwerke zu schaffen.¬†

So entstand NASEVO (der Name leitet sich aus dem Wort NAS ‚Äď Nase auf Katalanisch¬†‚Äď und EVO, dem Akronym seines eigenen Namens, ab) und mit ihm eine Explosion von Nasen. Es entstehen gro√üe Nasen, kleine Nasen, tausende von farbigen Nasen, Papiernasen, Holznasen, Farbnasen, mobile Nasen, Lichtnasen, K√∂rpernasen, sich ver√§ndernde Nasen... Und sogar eine Nase, die aus einem Auto geformt wurde!

NASEVO verwandelt Objekte und Materialien in Nasen, denn diese sind das Vehikel, das es uns erm√∂glicht, die Realit√§t auf dieselbe Weise zu erfassen wie er: durch den Geruch. Bei der Schaffung eines jeden Werks muss der K√ľnstler nicht mehr jedem St√ľck eine olfaktorische Note zuordnen, sondern es ist die Kreation selbst, die auf NASEVOs olfaktorische Akkorde in seinem Kopf antwortet.

"Man sagt mir, ich sei ein Nasenmann."
NASEVO

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Pomonas de rosas, 2006 / NASEVO / NASEVO Collection, Olfactory note: Floral (Geranium, rose, lilac, carnation, violet, honeysuckle, hyacinth)

 

Das Erbe

Die Ernesto Vent√≥s Stiftung ist ein Projekt, das 2019 mit der Absicht geschaffen wurde, die Mission, die Ernesto immer im Sinn hatte, zu konsolidieren und fortzuf√ľhren: durch Kunst das Riechen zu lehren. Die Idee einer Stiftung entstand jedoch schon viel fr√ľher.

1996 stellte Ernesto Vent√≥s die colecci√≥n olorVISUAL im Palast von Virreina (Barcelona) vor. Diese erste Ausstellung mit dem Titel "Essenzen" wird zum Vorl√§ufer f√ľr allerlei Varianten des Themas in¬†Ausstellungen, die in verschiedenen Regionen Spaniens und im Ausland gezeigt werden.

Später wird NASEVO denselben Weg einschlagen. Ernestos Kunstwerke werden in einer Reihe von Ausstellungen präsentiert, in denen die Farbexplosion, der facettenreiche Charakter ihres Schöpfers und die Bereitschaft, das Riechen zu lehren, nie fehlen.

Heute verantwortet die Stiftung die ordnungsgem√§√üe Erhaltung der beiden Sammlungen (colecci√≥n olorVISUAL und NASEVO), um die Forschungs-, Ausstellungs- und Verbreitungst√§tigkeiten fortzusetzen, die es der Gesellschaft erm√∂glichen, Ernestos einzigartige Sichtweise der Kunst und des Geruchssinns f√ľr ihre Zwecke zu nutzen.

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TRASHSTONE N¬ļ 85, 1994 / MUNDT, WILHELM / colecci√≥n olorVISUAL, Olfactory note: Woody (patchouly, sandalwood, vetiver, cedar, iris, oak)

 

Lernen Sie zu riechen

Da "Riechen lernen" das Leitmotiv von Ernesto Ventós war, entwickelt sich Aufbau und Erhalt einer Geruchsdidaktik zu einem der Hauptziele der Stiftung.
Geruchs-Workshops sind dabei wichtig, denn sie sind unser grundlegendes Instrument, um die Gesellschaft daran zu erinnern, dass wir die F√§higkeit zu riechen haben und dass hinter einem Geruch viel mehr als nur ein Gef√ľhl steckt.

Die Stiftung bietet nicht nur p√§dagogische Kurse im Rahmen ihrer Ausstellungen an, sondern √∂ffnet ihre T√ľren auch f√ľr Schulen, Unternehmen und andere kulturelle Einrichtungen.

Die Stiftung verficht die Auffassung, dass die Einbeziehung der Geruchsperspektive auf jedem k√ľnstlerischen Gebiet nicht nur m√∂glich ist, sondern auch einen Mehrwert in Form von Neuartigkeit, Unterhaltung oder sogar eine bessere Ged√§chtnisleistung f√ľr das Gelernte bringen kann. Das gilt vor allem, wenn man bedenkt, wie gut sich Ger√ľche in unserem Ged√§chtnis festsetzen.

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fundacionernestoventos.org/en/


 

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