Die Freiheit im Raum

start’19 rückt immer näher. Deswegen haben wir den start’19-Gastgeber und Künstler Ulrich Schweiger aus Gauting zu seiner Kunst befragt. Er verrät außerdem, was seine Gäste am 27. Januar erwarten dürfen.

Ulrich Schweiger ist 1970 in München geboren. Nach 5 Semestern des Studiums der Philosophie und einer abgeschlossenen Ausbildung zum Holzbildhauer ist er seit 1996 hauptberuflich freischaffender Künstler.  Für ihn ist die Skulptur ein Ausdruck von Dynamik und Bewegung- seine Werkstoffe sind Papier und Eisen, sie ermöglichen seinen Skulpturen etwas Spontanes, Leichtfüßiges. Diese Arbeitsweise hat ihm unter anderem den Kulturförderpreis des Landkreises Starnberg und den Günther-Klinge-Kulturpreis der Gemeinde Gauting beschert. Was seine Inspiration ist? Wir haben nachgefragt.

Ulrich Schweiger
Ulrich Schweiger neben seinem Werk "Große Raumgestalt", 320 cm, Walzstahl gebogen, Rost, copyright: Ulrich Schweiger

 

Sie waren Schüler vom Bildhauer Helmut Ammann. Er war in seinem künstlerischen Schaffen sehr geprägt von dem Geburtsort in China aber gleichzeitig auch von seinem evangelischen Glauben. Was prägt Sie?

Ich bin etwa zeitgleich mit meiner Ausbildung zum Holzbildhauer mit Helmut in Kontakt gekommen.  Er ist ein entfernter Verwandter von mir und seine Lebensgefährtin hat mich damals zufällig beim Trampen mitgenommen. So entstand unser erster Kontakt. Wir haben dann sehr eng zusammengearbeitet, und so  war ich ganz nah an seinem Schaffensprozess dran. Ich habe seine räumliche Sprache aufgesogen und mich ganz intuitiv mit ihm befasst. Da ist sicher auch etwas davon bei mir gelandet, obwohl er jetzt nicht ein Lehrer im klassischen Sinn für mich war. Ich habe dort einfach über die Arbeit eines Skulpturenkünstlers sehr viel gesehen und gelernt. 

Character of evolution
Ulrich Schweiger, Character of evolution, h.27 cm, Walzstahl, Lack, copyright: Ulrich Schweiger

 

Inhaltlich ist seine Kunst nicht sehr weit weg von dem, was ich jetzt mache. Auch bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt. Für mich symbolisieren meine Figuren den freien Menschen, ohne irgendwelche Ideologien und Hierarchien. Der Mensch, ganz einfach als Bewohner der Erde, der sein Selbst und den Humor im Zusammenleben in der Gesellschaft nicht verlieren sollte.

Interessant finde ich, dass Sie in verschiedenen Stilen und Techniken an diese Arbeit herangehen.  Sie haben Skulpturen aus Holz, Bronze und Eisen geschaffen.

Ulrich Schweiger
Urlich Schweigers Arbeitsprozess, copyright: Ulrich Schweiger

Es gibt das volle Volumen, die Fläche und die Linie. In verschiedenen Materialien habe ich unterschiedliche Umsetzungen und Möglichkeiten ausprobiert. Letztendlich haben sich diese  bildhauerischen Erfahrungen mit der Zeichnung verbunden. Ich habe schon immer viel gezeichnet und früh mit dem Aktzeichnen begonnen. Die Zeichnung als einen Körper in den Raum zu stellen, ist die handwerkliche Umsetzung  meiner künstlerischen Absichten: Es geht mir um Leichtigkeit und Bewegung, in der Darstellung und in der Entstehung. Ich gehe vom flächigen Ausschnitt meiner Figur als Grundlage aus und habe dann beim Gestalten des rundplastischen Papiermodells maximale Freiheit. Die anschließende Ausführung in Eisen gibt der Leichtigkeit die nötige Stabilität. Es ist also die Kombination aus leichtem und spontanem Arbeiten mit dem, was dann später robust im Raum steht.

Wie haben Sie diese Arbeitsweise für sich entdeckt?

Ich bin froh, dass ich über die Jahre herausgefunden habe, wie ich meine Freude an intuitiver und lebendiger Ausdrucksform am besten umsetzen kann. Das ging über Holz, Ton, Gips, Wachs, Bronze und verschiedene Kunststoffe  schließlich hin zum Eisen. Die Arbeit damit ist zwar schwer und rau, aber das Material ist gutmütig und verhält sich letztlich wie Papier.

Ulrich Schweiger
Ulrich Schweiger, Sound of life 2, h.ca 30 cm, Walzstahl, gebogen,
Lack , copyright: Ulrich Schweiger

Bei Ihnen sind Zeichnung und Skulptur untrennbar.

Die Zeichnung wird meist in Form von Linien wahrgenommen. Doch sie ist nicht nur flächig, sie deutet das Plastische an. Bei mir ist sie Ausgangspunkt für die weiteren Schritte des Hineinformens in die dritte Dimension.

Die Dreidimensionalität gibt dem Betrachter dann die räumliche Erfahrung mit der Kunst, die bei der Zeichung auf diese Art nicht stattfinden kann. Apropos räumlich- wie wirkt sich Ihre Heimat Gauting in der Nähe des Starnberger Sees auf Ihre Kunst und Ihr künstlerisches Schaffen aus?

Es ist eine sehr schöne Gegend, in der ich mit meiner Familie lebe und mein Künstlernetzwerk habe. Seit knapp 20 Jahren arbeite  ich in meiner Werkstatt  in der Reismühle Gauting: direkt an den Feldern, dem Wald und der Würm. Allerdings zieht es mich immer wieder ans Meer. Der weite Himmel und die Wasserkante tun mir gut.

Werkstatt
Die Werkstatt des Bildhauers, copyright: Ulrich Schweiger

 

Sie veranstalten dieses Jahr ein start’19-Event in Ihrem Atelier. Was erwartet die Besucher?

Sound of Life
Ulrich Schweiger, Sound of Life 1, 90 cm, Walzstahl, gebogen, Rost,
copyright: Ulrich Schweiger

Ich habe die Idee, dass sich meine Besucher selbst zu einer Skulptur formen sollen, mit dem Gedanken auf einen persönlichen Jahresausblick. Ich mache dann ein Polaroid davon und die Gäste haben somit eine eigene Skulptur gemacht, die sie mitnehmen können.

 

Wie Ulrich Schweiger sind auch wir schon voll im start’19-Fieber! Sie auch? Am Sonntag, den 27. Januar, startet  das 10. Internationale Fest für zeitgenössische Skulptur. Feiern Sie die dreidimensionale Kunst mit uns und über 5.000 weiteren Skulpturbegeisterten auf der ganzen Welt. 
KünstlerInnen, Kuratoren, Galerien, Kunstfreunde, KritikerInnen, Sammler, ArchitektInnen und weitere Experten haben sich jeweils einzigartiges Programm zum Thema „Dreidimensionale Kunst und Gesellschaft“ für Sie einfallen lassen. An rund 70 Orten auf der ganzen Welt erwarten Sie besondere kulturelle Veranstaltungen rund um die Skulptur – bestimmt auch in Ihrer Nähe!


start’19 - sculpt the world with us!

Bildhauerwerkstatt Ulrich Schweiger
Reismühle 1
82131 Gauting
Deutschland

Sonntag 27. Januar 2019 
ab 11.00 Uhr

Mehr zum Programm finden Sie hier!

Klicken Sie hier um mehr Informationen zu erhalten und um ein start-Event in Ihrer Nähe zu finden!

 

 

Autorin: Christina Benesch
Christina Benesch arbeitet im Münchner sculpture network Büro und betreut die start'19-Gastgeber, nachdem sie im Sommer ihren Master im kulturwissenschaftlichen Fach „Doing Culture“ abgeschlossen hat. 



 
 
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