Unsere persönlichen Lieblingskünstlerinnen

Es ist Weltfrauentag! 50 % der Weltbevölkerung schreien Juhu. Und die anderen 50 % dürfen sich mitfreuen, denn wir haben eine Reihe von Statements über die spannendsten weiblichen Künstlerinnen der dreidimensionalen Kunstwelt zusammengestellt. Finden Sie heraus, wer die Lieblingskünstlerinnen unseres Netzwerks sind…

Girl Power ist längst auch in der Kunstwelt kein ungewöhnliches Konzept mehr, so viel ist sicher. Die oft handwerklich orientierte Bildhauerei, die viele Jahrhunderte lang zumindest im Lichte der Öffentlichkeit eine eher männliche Domäne war, hat heute auch eine ganze Reihe weiblicher Vertreterinnen, die ihren männlichen Kollegen an Originalität, Expertise und Ausdruckskraft in nichts nachstehen. Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März haben wir in unserem Netzwerk nach heute aktiven Lieblingskünstlerinnen gefragt. Die meisten von ihnen tauchen interessanterweise im offiziellen Ranking von artfacts.net nicht auf – Geschmack lässt sich eben nicht von Algorithmen bestimmen. Dafür finden Sie hier vielleicht einige echte Geheimtipps.

 
 

Anne Berk, Koordinatorin für die Niederlande
Eine meiner Favoritinnen ist Berlinde de Bruyckere aus Belgien. Ihre Figuren entstehen aus dem Mitgefühl mit der Verletzlichkeit und Flüchtigkeit der menschlichen Existenz heraus. Was niederländische Künstlerinnen betrifft, bewundere ich Eylem Aladogan sehr, die die Schönheit von verschiedenen Materialien nutzt, um einen bestimmten Gemütszustand auszudrücken.

 

Michael Zwingmann, Koordinator für Niedersachsen
Im letzten Jahr ist mir besonders die indische Künstlerin Bhai Kher im Kunstmuseum Wolfsburg in der Ausstellung Facing India aufgefallen. Auf ihrer Agenda stehen als Themen vor allem die Rolle der Frau und der weibliche Körper. Sie benutzt Symbole der Frau (die typisch indischen Bindis) und schafft damit freie malerische Arbeiten. Die opulente Bildsprache vermittelt eine farben- und bildfreudige Position.

Bharti KHER, Six women, 2013-2015 Plaster, wood Overall installation : 138 x 463 x 96 cm2/3
Photo: Claire Dorn. Courtesy: Perrotin

 

 

Neus Bergua, Koordinatorin für Katalonien
Für mich ist Cado Manrique die erste Wahl.
Ihre Arbeiten legen einen Fokus auf starke geometrische Formen und ich liebe ihre Originalität und ihren Einfallsreichtum.

Cado Manrique: “La barca o l’instint de poder”

 

 

Hartmut Stielow, 2. Vorsitzender von sculpture network
Es gibt Künstlerinnen, deren Arbeit ich sehr schätze: Dazu gehören Rebecca Horn, Isa Genzken, Rachel Whiteread, Brigitte Kowanz und Waltraud Cooper. Sie alle haben eine ganz eigene künstlerische Sprache kreiert und weiterentwickelt, die einen Einfluss auf die Entwicklung unserer Kultur ausübt.
 

 

Ilaria Specos, Projektmanagerin im Münchner Büro
Chiharu Shiotas Arbeiten sind eindringlich und wunderschön; viele von ihnen vermitteln eine positive Botschaft, die zur Kommunikation anregt. Davon brauchen wir definitiv alle mehr in unserer heutigen Gesellschaft! Es ist 4 Jahre her, dass ich ihre Rauminstallation The Key in the hand auf der Biennale in Venedig 2015 gesehen habe, aber ich kann sie einfach nicht vergessen. Sie ist so bewegend und inspirierend. Der Japan-Pavillon war ein einziges Labyrinth von über 50.000 Schlüsseln von Menschen aus aller Welt, die aus einer Wolke aus dicht gesponnenen Fäden baumelten.

Chiharu Shiota, „The Key in the Hand“. Japan pavilion. La Biennale di Venezia 2015

 

Elisabeth Pilhofer, Redakteurin des sculpture network Newsletters
Die Frage nach meiner Lieblingskünstlerin im dreidimensionalen Bereich, die auch heute noch tätig ist, ist gar nicht so einfach. Die ersten beiden Künstlerinnen, die mir in den Sinn gekommen sind, waren Louise Bourgeois und Marina Abramović – die eine ist ja leider bereits verstorben und die andere ist Performance Künstlerin. Da könnte man jetzt diskutieren, ob Performance dreidimensionale Kunst ist oder nicht … Aber lassen wir das. Ich habe mir einfach mal mein Bücherregal angeschaut und geguckt, welche Ausstellungskataloge ich habe. Mir einen Katalog von einer Ausstellung zu kaufen, war und ist für mich ein besonderer Schritt – da ich einen Hang zum Minimalismus habe, kaufe ich selten neue Bücher. Die Arbeiten oder die Ausstellung müssen mich also wirklich umhauen, damit ich mir den Katalog kaufe. Was ich dabei gefunden habe, waren die in Sierra Leone geborene, australische Künstlerin Patricia Piccinini und die deutsche Bildhauerin Christiane Möbus. Ich fand es spannend, dass die eine aus Australien (dem Heimatland meiner Mutter) und die andere aus Deutschland (dem Heimatland meines Vaters) stammt.
2009 war ich in Hobart in einer Ausstellung von Patricia Piccinini und zu Tränen gerührt als ich die Arbeit The Long Awaited zum ersten Mal sah. Ich war damals das erste Mal nach dem Tod meiner Oma wieder in Australien. Dieses hyperrealistische und doch fremde Wesen und der kleine Junge haben mich sehr an die Vertrautheit zu ihr erinnert. Ich habe mehrere Stunden im Museum vor dieser Arbeit verbracht und sie immer wieder gezeichnet.
Der Name Christiane Möbus tauchte bei uns schon in der Vorbereitung zum Abi auf. Wirklich kennen und schätzen gelernt habe ich ihr Werk in einer Ausstellung in Magdeburg 2012. Dort wurde ein Kloster in ein kleines, wunderschönes Kunstmuseum umgebaut: das Kunstmuseum Kloster unser lieben Frauen. Die Räume, die Arbeiten selbst, die Texte und auch der Katalog waren für mich mit genau der richtigen Mischung aus Humor und Poesie gestaltet. Mich hat die Ausstellung wirklich berührt und nachhaltig geprägt.
Langer Rede kurzer Sinn: Meine Lieblingskünstlerinnen, heute aktiv, dreidimensional arbeitend, Stand heute 27.02.19, sind Christiane Möbus und Patricia Piccinini.

Patricia Piccinini, The Long Awaited, 2008 silicone, fibreglass, human hair, plywood, leather, clothing 152 x 80 x 92 cm high. Photographer: Graham Baring

 

Und wer ist Ihre Lieblingskünstlerin? Über Ihre persönlichen Favoritinnen können Sie hier abstimmen ZUR ABSTIMMUNG

 



 
 
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