Fünfzehn Jahre sculpture network – von Einzelkämpfern, Liebeserklärungen und der Mathematik des Netzwerks

2019 ist für den Verein und dessen Gründer ein besonderes Jahr – sculpture network feiert seinen 15. und Ralf Kirberg seinen 80. Geburtstag.

Zu diesem besonderen Doppeljubiläum reisen wir in Siebenmeilenstiefeln durch die Geschichte des Netzwerks und haben einzelne Highlights, persönliche Erinnerungen und wichtige Statements der gemeinsamen Jahre gesammelt.

2004 bis 2009 – von null auf 500 Mitglieder in den ersten fünf Jahren

Mit der Gründungsfeier an der UdK Berlin im Jahr 2004 begann der offizielle Weg des Netzwerks. Im Jahr davor waren sich der Bildhauer Hartmut Stielow und der Kunstliebhaber Ralf Kirberg eher zufällig begegnet und der Künstler steckte den Sammler schnell mit einer Idee an, zu der er in den USA inspiriert wurde: die verschiedenen Zirkel in der dreidimensionalen Kunst in einem Netzwerk miteinander verbinden – Galerien und Museen, Sammlerinnen und Kunstliebhaber, Bildhauerinnen und Plastiker. 

"Wir hatten von diesem Moment an ein gemeinsames Ziel: die grenzüberschreitende Unterstützung der Idee dreidimensionaler Kunst." - Ralf Kirberg in seiner Liebeserklärung an die Skulptur.

15 years european dialogue series
sculpture network verbindet grenzüberschreitend (Dialogue in Strömstad 2016)

 

Anfangs noch als europäische Vertretung der US-amerikanischen Organisation International Sculpture Center gegründet, beschlossen die Mitglieder 2005 ihre Eigenständigkeit und die Umbenennung des Vereins in sculpture network. Die erste Website ging online und innerhalb von 12 Monaten gewann das Netzwerk bereits 100 Mitglieder in ganz Europa. 

Im Jahr 2006 begann eine wertvolle, bis heute andauernde Partnerschaft mit der Waldemar Bonsels Stiftung, die dem Verein eine finanzielle, personelle und räumliche Grundlage in Pöcking bei München bot. So konnte das bis dahin auf rein ehrenamtlicher Arbeit basierende Netzwerk für die organisatorischen Belange die Kulturmanagerin Isabelle Henn ins Boot holen. Der Newsletter wurde erstmals in drei Sprachen verschickt und beim vierten internationalen Treffen des Vereins konnten die Besucherinnen und Besucher in Warschau dem mitreißenden Vortrag der international renommierten polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz (1930–2017) lauschen.

Ralf Kirberg und Isabelle Henn auf der artmuc 2016. Foto: Timian Hopf
Ralf Kirberg und Isabelle Henn auf der artmuc 2016. Foto: Timian Hopf

 

Ein weiteres Highlight war im Folgejahr das Internationale Forum in Barcelona. Im Vorfeld des Treffens fand die erste Kunstreise des Vereins statt. Die bis dahin größte Veranstaltung des Netzwerks ermöglichte 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 14 Ländern sich über Grenzen hinweg auszutauschen. Unter den Teilnehmerinnen war auch die spanische Bildhauerin und Kulturmanagerin Beatriz Blanch, die von diesem Zeitpunkt an sculpture network auf vielen Ebenen, in der Rolle als Koordinatorin, Vorstandsmitglied und Mitarbeiterin, maßgeblich mitgestaltete. Neben den internationalen Treffen fanden auch sechs nationale Dialogues zum Austausch in einzelnen Regionen statt. 

Beatriz Blanch beim Treffen der Koordinatorinnen und des Vorstands 2015.
Beatriz Blanch beim Treffen der Koordinatorinnen und des Vorstands 2015

 

Um nicht nur die Vernetzung vor Ort zu ermöglichen, sondern vor allem Künstlerinnen und Künstlern den Ausbau ihrer beruflichen Kontakte zu erleichtern, wurde im Jahr 2008 die Datenbank der internationalen Ausschreibungen online geschalten. Die weltweit recherchierte, auf dreidimensionale Kunst spezialisierte Opportunities-Seite bildet bis heute einen der Kernpunkte unserer Website. Im selben Jahr durften wir das 500ste Mitglied begrüßen und zählen Kontakte in 27 Ländern.

„sculpture network ist eine der wichtigsten Einzelkämpfer-Unterstützungsorganisationen“ - Prof. Robert Kudielka, Direktor der Abteilung Bildende Künste der Akademie der Künste Berlin in seiner Rede zum fünfjährigen Bestehen des Vereins.

Mit einem rauschenden Fest mit über 300 Gästen in den Bildhauerwerkstätten des Berufsverbands Bildender Künstler*innen in Berlin wurde 2009 das fünfjährige Bestehen gefeiert und das neue und weiterhin aktuelle Logo enthüllt. Mit einer sehr passenden Beschreibung des Netzwerks als Einzelkämpfer-Unterstützungsorganisation läutete der Kunstwissenschaftler Prof. Robert Kudielka die nächsten Jahre ein.

Kunstnetzwerk mit Knotenpunkten – die Jahre 2010 bis 2014

Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer vernetzen – das gelang auch im Jahr 2010 mit dem ersten offiziellen start (damals noch new year‘s brunch). Über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer feierten am selben Tag an 19 verschiedenen Orten dieses besondere Fest der Skulptur. Im Herbst zeigten 30 Künstler-Mitglieder aus ganz Europa bei einer gemeinsamen Ausstellung in Turin ihre Werke, ein bemerkenswerter Katalog hielt das Ereignis in Bild und Wort fest. Zu verdanken hatten wir die Ausstellung Prof. Rob Ward, Bildhauer und Leiter des Skulpturen-Departments der Universität Leeds, der als Vorstandsmitglied von 2008 bis 2011 wichtige Türen im internationalen Kunstgeschehen öffnete und wertvolle Arbeit zur inhaltlichen Entwicklung des Netzwerks leistete.

2011 erreichte sculpture network einen weiteren wichtigen Meilenstein: Der Verein zählte erstmals mehr als 1000 Mitglieder. Neben zwei Bildhauersymposien fand in diesem Jahr auch das Internationale Forum in Bilbao statt, von dem Isabelle Henn noch heute mit leuchtenden Augen schwärmt: „Das Guggenheim-Museum war als Kulisse einfach wahnsinnig eindrucksvoll. Beim Durschreiten der Richard-Serra-Ausstellung spürte ich das erste Mal wirklich körperlich, welche Kraft dreidimensionale Kunst entwickeln kann. Die spanische Lebensfreude, die Gastfreundlichkeit und die besonderen, persönlichen Begegnungen mit den Menschen des Netzwerks machten das Forum zu einem so sprudelnden Ereignis.“ Sprachbarrieren wurden ohne Probleme mit Händen und Füßen überwunden, denn man hatte ein gemeinsames Thema. Dazu kam noch die Möglichkeit hinter die Kulissen zu blicken – in dem Fall plauderte der Sohn des Bildhauers Eduardo Chillida in dessen Garten aus dem Nähkästchen und erzählte spannende Geschichten aus dem Künstleralltag.

Jeff Koons, Puppy, 1992 in Bilbao, wo 2011 das Internationale Forum stattfand. Foto: Timian Hopf
Jeff Koons, Puppy, 1992 in Bilbao, wo 2011 das Internationale Forum stattfand. Foto: Timian Hopf

 

Im Jahr 2012 folgten zwei weitere Mitgliederausstellungen in Schweden und Deutschland und mit mehr als 650 skulptur-spezifischen Terminen im Kalender der Website zeigte sculpture network einmal mehr die Vielfalt und Reichweite von dreidimensionaler Kunst.

Beim ersten Treffen der Koordinatorinnen und Koordinatoren 2013 in München hatten die regionalen Vertreter des Netzwerks die Gelegenheit sich direkt untereinander auszutauschen, Ideen zu teilen und gemeinsame Ziele zur Wertschätzung der dreidimensionalen Kunst zu finden. In ihren jeweiligen Regionen veranstalteten sie in diesem Jahr 14 Dialogues. Auch im Web breitete sich sculpture network mehr und mehr aus: Ein weiterer Relaunch der Website bescherte über 10.000 Besucher im Monat, die redaktionelle Arbeit im Newsletter und auf Social-Media-Kanälen wurde ausgebaut.

Experience Scandinavia 2014 Pilane Sculpture Park. Foto: Oskar Henn
Experience Scandinavia 2014 Pilane Sculpture Park. Foto: Oskar Henn

 

Neben Vernetzung steht auch künstlerische Bildung auf dem Programm: 2014 veranstaltete sculpture network Teaching Sculpture. Neun Dozentinnen und Dozenten arbeiteten mit ihren Studierenden an ihren jeweiligen Hochschulen in sieben Ländern zu einem gemeinsamen Thema und tauschten sich am Ende in einer Videokonferenz aus. Fazit: Wissen schafft Kunst. Im selben Jahr veröffentlichte sculpture network zum zehnjährigen Bestehen zehn Texte Kuratoren über zeitgenössische Skulptur. In einem der Essays beschrieb der Niederländer Adri A.C. de Fluiter das Zusammenspiel von dreidimensionaler Kunst und Natur:

„Wo fängt Kunst an und wo endet Natur? Das Zusammenspiel von Kunst und Natur schafft Erfahrungen, die weit mehr sind als nur die Summe der Teile“ - Adri A.C. de Fluiter in der Jubiläumsschrift zum zehnjährigen Bestehen

Das Büro zieht in diesem Jahr vom idyllischen Pöcking in die Münchner Innenstadt um und im Vorstand dürfen wir ein neues Mitglied begrüßen: die britische Kunsthistorikerin und ehemalige Chefkuratorin der Londoner Tate Gallery Judith Collins wird den Verein vier Jahre lang begleiten und wertvolle Impulse zum weiteren Wachstum des Netzwerks setzen.

Europas größte Plattform für dreidimensionale Kunst wächst weiter – die Jahre 2015 bis 2019 

Im elften Lebensjahr des Netzwerks startete die European Dialogue Series. Die regionalen Treffen fanden erstmals zu einem gemeinsamen Thema statt und die Koordinatoren vor Ort organisierten Interviews mit Sammlerinnen und Sammlern. Die Idee eines übergreifenden Themas wurde weiterentwickelt, so steht seitdem jedes sculpture-network-Jahr unter einem bestimmten Motto. 2016 widmeten wir uns dem Feld Sculpting Nature: Landart, Ecoart and Bioart und beim Internationalen Forum in Belgien diskutierten 130 Sammlerinnen, Galeristen, Kuratorinnen und Künstler und erlebten gemeinsam die Faszination von Kunst und Natur. Kuratiert hatte das Forum die niederländische Kunstkritikerin Anne Berk, die das Netzwerk über viele Jahre hinweg bis heute mit großem Engagement, ungebremster Leidenschaft für die Vermittlung von Kunst und fundierten Wissen nachhaltig befruchtet und mitgestaltet. Im selben Jahr stellten in München 10 Mitglieder auf der Kunstmesse artmuc ihre Werke aus und unser Instagram-Account ging online.

Netzwerken bei der Biennale di Venezia 2017
Netzwerken bei der Biennale di Venezia 2017

 

Diese besonderen Reiseerlebnisse, Experiences, fanden im Super-Kunst-Jahr 2017 einen Höhepunkt mit den Besuchen der Skulptur Projekte Münster, der Documenta in Kassel und der Biennale di Venezia. Personelle Veränderungen im Vorstand und im Büro brachten neuen Wind ins Netzwerk: der ehemalige Verlagsleiter Gerhard Feigl übernahm die Geschäftsführung des Vereins und die Bildhauerin Cornelia Hammans wurde in den Vorstand gewählt. In einem Brief an die Mitglieder fasst sie ihre Arbeit im Netzwerk in einem prägnanten Satz zusammen:

„Wer alleine arbeitet, addiert. Wer zusammenarbeitet, multipliziert.“ - Cornelia Hammans in ihrem Brief an die Mitglieder.

Diese Multiplikation wurde beim start im darauffolgenden Jahr deutlich sichtbar, 2018 bricht die Veranstaltung alle Rekorde: An über 90 Veranstaltungsorten in mehr als 20 Ländern öffneten zur selben Zeit Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers, Museen luden zu besonderen Ausstellungen ein, Werkstätten erlaubten Blicke hinter die Kulissen. Im selben Jahr bekommt die Website ein neues Gesicht. Die redaktionelle Arbeit im Newsletter wird verstärkt und das sculpture network Magazin ins Leben gerufen. Informative und unterhaltsame Artikel rund um die Aktivitäten des Netzwerks und die internationale Kunstszene ergänzen die Inhalte des Vereins online. Offline hält eine neue Veranstaltungsreihe Einzug: Sculpture Network Lab eröffnet die Möglichkeit bei internationalen Veranstaltungen das Themenfeld der Skulptur etwas weiter zu greifen und in lockerer Atmosphäre mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik und Philosophie zu diskutieren. 

Kunst und Klimawandel im sculpture network Magazin (Ilka Raupach, snövit vaknar, 2005)
Kunst und Klimawandel im sculpture network Magazin (Ilka Raupach, snövit vaknar, 2005)

 

Und jetzt? Wir befinden uns im Jubiläumsjahr 2019 und das Netzwerk ist weiterhin rasant in Bewegung. Neue Verknüpfungen entstehen, alte Wege werden ausgebaut und aufgefrischt, starke Partner begleiten die Arbeit. Im Vorstand begrüßen wir dieses Jahr die niederländische Bildhauerin Yke Prins und die Münchner Wirtschaftsexpertin Sabine Schaedle. Nach mehr als 15 Jahren unvergleichlichen Engagements verabschiedet sich Ralf Kirberg als Chairman und Vorstandsmitglied. Die grenzüberschreitende Unterstützung der Idee dreidimensionaler Kunst, die er zusammen mit Hartmut Stielow durch die Gründung von sculpture network ins Leben gerufen hat, wird nun mit viel Leidenschaft und Einsatz weitergetragen und ausgebaut – vom Vorstand, dem Team im Büro in München, den Koordinatorinnen und Koordinatoren und jedem einzelnen Mitglied in ganz Europa und darüber hinaus. 

sculpture network bewegt sich weiter! (Experience Berlin 2018. Foto: André Kirberg)
sculpture network bewegt sich weiter! (Experience Berlin 2018. Foto: André Kirberg)

 

Wir sagen von Herzen DANKE für ein beeindruckendes Netzwerk aus so tollen Menschen und freuen uns auf die nächsten bewegenden, spannenden und ereignisreichen 15 Jahre sculpture network!

Die Liste der Highlights ist lang, nicht alles hat einen Platz gefunden – Ihr persönliches Lieblingsevent ist nicht in unserer Liste der Highlights? Sie verbinden eine ganz besondere Geschichte mit sculpture network, die Sie uns erzählen möchten? Lassen Sie uns gerne daran teilhaben uns schicken Sie eine E-mail an info@sculpture-network.org.

Autorinnen: Isabelle Henn, Elisabeth Pilhofer und Ilaria Specos



 
 
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