Es bewegte sich was – nicht nur der Wind!

sculpture network besuchte am 2.September 2018 die Preisverleihung der 9. Ausgabe des internationalen Windkunstfestivals bewegter wind, welche seit 2004 alle zwei Jahre in Nordhessen veranstaltet wird. Dieses Jahr stand das Festival unter dem Motto „Wolken – clouds“. Auch 6 sculpture network Mitglieder waren dabei.

64 Künstler und Künstlerinnen aus 21 Ländern erfreuten die Besucher an den Ausstellungsorten rund um den Katzenstein in der Gemeinde Habichtswald, am Alpenpfad im Naturschutzgebiet Dörnberg, den Helfensteinen und am Hohen Dörnberg mit ganz unterschiedlichen Ansätzen zu diesem Thema. Darunter nahmen auch sechs Mitglieder von sculpture network teil: Kirsten Sauer [Kisa] (Deutschland), Jürgen Heinz (Deutschland), Peter Wiener (Österreich), Nevena Popović (Serbien), Judith Mann (Deutschland) und Michael Rofka (Deutschland) wurden von der Kuratorin Reta Reinl eingeladen, ihre Werke auszustellen.

Bei Ankunft am Tag der Preisverleihung fielen sofort die voll besetzten Parkplätze des Festivals ins Auge – offenbar wollten noch viele Interessierte den letzten Tag der Ausstellung nutzen, um über das Gelände zu schlendern und einen letzten Blick auf die Kunstwerke zu erhaschen, die seit dem 19. August dort zu sehen gewesen waren und insgesamt um die 12.000 Besucher anzogen hatten. An diesem Sonntag mussten es nicht nur die Besucher ganz im Sinne des Festivalnamens bewegter wind mit windigen Wetterbedingungen aufnehmen, sondern auch die ausgestellten Werke gaben sich den auffrischenden Böen spielerisch hin – eine interessante Interaktion von Wind, Wolken, Besuchern und Kunstwerken!

Wolken über der Ausstellung. Foto: Reta Reinl

Von unserem Mitglied Nevena Popović wurden wir vor der Preisverleihung über das weitläufige Gelände begleitet, das sich durch eine vielfältige Wald- und Berglandschaft auszeichnet. Schon von Weitem konnte man einige Kunstwerke erspähen, die sich auf dem für diese Gegend typischen Kalkmagerrasen verteilten. Die Herausforderung, die Kunstwerke auf der großzügigen Fläche so zu platzieren, dass sie mit der Landschaft in Einklang treten oder auch mal anecken, hat die Kuratorin Reta Reinl mit Feingefühl gemeistert. Die Installationen, Windkunst-Objekte, Wind-Videos und Performances lenkten den Blick der Betrachter, machten auch mal stutzig oder ließen schmunzeln. Die Werke ließen den Besucher die Landschaft bewusster wahrnehmen – mal interagierten sie mit ihr, formten sich zu einer Symbiose oder veränderten die Perspektive auf sie.

Die Kunstwerke zum Thema „Wolken – clouds

Auffällig war die große Bandbreite der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler: Sie kamen nicht nur aus allen möglichen Teilen der Welt, auch ihre Interpretationen des Mottos „Wolken – clouds“ hätten unterschiedlicher nicht sein können. Sie changierten zwischen metaphorischer Bedeutung, meteorologischen oder auch  spielerischen Ansätzen bis hin zu kritischen Auseinandersetzungen mit der globalen Umweltpolitik.
Einem Aufruf der sculpture network Opportunities Seite folgend bewarben sich einige unserer Mitglieder und sechs von Ihnen wurden eingeladen, ihre Werke auszustellen:

Nevena Popovićs Installation Clouds – Scattered Thoughts besteht aus wasserfesten Materialien und erinnert an sich auftürmende Wolkengebilde, wo auch die Zwischenräume Teil der Installation werden. Ein kleines Gedicht beschreibt die Idee hinter diesem Kunstwerk:

A bunch of scattered thoughts.
Airy, soft as clouds, but still so sharp.
Do they manage to hit the target? Or does the number of thoughts rise only, while the cloud grows?
And she stands still

Peter H. Wieners stellte CIRRUS II, A/B/C aus: drei figurenähnliche Körper, die eng nebeneinander standen und sich den Wolkenmassen zu beugen schienen.

Jürgen Heinz’ Skulptur Moving Clouds bestand aus Stäben, an deren Ende sich drei kreisrunde Gebilde spielerisch im Wind bewegten.

Die Installation My Cloud, eine Datencloud aus Akrylplättchen von Kirsten Sauer/KISA, Preisträgerin des bewegten winds 2016, befand sich am Verbindungspunkt zwischen Alpenpfad und höherem Dörnberg und formte sich aus mehreren einzelnen Plättchen zu einer Wolke.

Anne und Michael Rolfka stellten Eiswolke und Global Clouds aus. Für Global Clouds forderten sie KünstlerInnen aus aller Welt auf, Bilder von Wolken einzusenden, und ordneten die Fotos in Form einer Wolke an der Wand einer Hütte an.

Judith Manns Nebel-Aue, ein stetiger Nebelwind, der vor allem Kinder erfreute und über dem Boden waberte, schloss den Rundgang des Alpenpfads ab.

Die Preisverleihung im Naturparkzentrum Habichtswald

Trotz windiger Wetterverhältnisse und dem ein oder anderen Regenschauer versammelte sich im Garten des Naturparkzentrums Habichtswald unter einem schützendem Zelt ein bunter Mix aus ausstellenden KünstlerInnen, OrganisatorInnen, HelferInnen, lokalen PolitikerInnen und Förderern, um die 9. Ausgabe des Festivals Revue passieren zu lassen und vor allem die PreisträgerInnen zu verkünden und feiern.

Die Kuratorin und andere Lobredner würdigten die Qualität der ausgestellten Werke, den Zuspruch der Besucher und betonten die Wichtigkeit dessen, Kunst auch in ländlichen Regionen erfahr- und nahrbar zu machen, außerhalb des großen Kunstbetriebes in der Stadt. Das Windkunstfestival bewältigt seit 2004 die Herausforderung, sich mit seinen im zweijährigen Turnus stattfindenden Ausstellung immer wieder neu zu erfinden und Scharen von Besuchern anzuziehen.

Die Jury vergab insgesamt vier Preise: Den ersten Preis erhielt der russische Künstler Aleksei Dmitriev mit seiner Installation aus Ästen und Zweigen, die er vor Ort zusammentrug und zu einer imposanten Skulptur aufrichtete. Den zweiten Preis teilten sich Irena Paskali aus Mazedonien mit ihrem Video 2202m, in dem sie sich mit Freiheit und Begrenzung auseinandersetzte und die globale Flüchtlingsdebatte thematisierte, und der Schweizer Heinz Schmid mit seiner Arbeit …Wolken über…, dessen bewegliche Wolkengebilde aus Draht, in luftiger Höhe an einem Seil befestigt, den Blick auf die Landschaft stetig neu wahrnehmen ließen. Eine besondere Auszeichnung erhielt der Künstler Adriano Cangemi aus Argentinien, dem der Sonderpreis für seine Performance NAGUAL – Moved by the wind am 28.08. am Katzenstein verliehen wurde.

Nach der Preisverleihung gab er diese nochmal zum Besten und zog in luftiger Höhe zum wiederholten Male die Zuschauer in seinen Bann. Ein sehr gelungener und nachwirkender Abschluss des 9. Windkunstfestivals bewegter wind, das 2020 hoffentlich wieder KünstlerInnen aus aller Welt aufrufen wird, ihre Kunstwerke zu präsentieren.

Die Performance am Sonntag, Foto: Reta Reinl

 

Autorin: Christina Würtenberger
Christina ist unsere Ausschreibungsexpertin und hat für uns das Windkunstfestival besucht.

 

Wenn nicht anders gekennzeichnet stammen die Fotos von der Autorin.



 
 
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