Selbstporträt: Arte Sella

Seit 32 Jahren ein beständiger Dialog zwischen Kunst und Natur

Es ist ein guter Zeitpunkt, um erneut über das zeitgenössische Kunstprojekt Arte Sella zu schreiben. Im Jahr 2016 berichteten wir über Arte Sellas 30. Gründungsjubiläum in Borgo Valsugana (Trentino Etsch, Italien) durch eine Gruppe von Freunden im Jahr 1986. Nun schreiben wir über Arte Sella, weil am 16. September neue Kunstwerke und Veranstaltungen, vor allem Arte Sella Self Portrait, stattfinden werden.

Was als eine Art zweijährig stattfindendes Festival begann, wuchs rasch zu einer Sammlung, die an drei unterschiedlichen Orten zu beheimatet ist. Heute ist Arte Sella als Skulpturenpark im Garten der Villa Strobele, als Teil der ArteNatura Route und an der Küste Malagas zu finden. Der gesamte Park ist vor allem für seine beeindruckende Installation von Giuliano Mauri, einer Kathedrale aus Pflanzen bekannt. Nichtsdestotrotz haben auch Künstler wie Nils Udo, Chris Drury, Patrick Dougherty und Michelangelo Pistoletto in Borgo Valsugana gearbeitet.
Dank des Künstlers-im-Anwesen-Projekt, das von der Arte Sella Association durchgeführt wird, können jährlich neue Kunstwerke hinzugefügt werden. Die Arte Sella Association verfügt auch über ein wissenschaftliches Komitee, das dafür verantwortlich ist, ortsspezifische Projekte zu suchen, die für den Park geschaffen werden können.
Im Anschluss an das 30-jährige Jubliäum hatte das Board beschlossen, auch berühmte Persönlichkeiten aus der Welt des Designs und der Architektur zu kontaktieren.
Dies fing 2017 mit Atsushi Kitagawara und seinem Forest Byoubu an. Atsushi Kitagawara wurde in Italien dank des japanischen Pavillons bekannt, den er für die Expo 2015, die in Mailand stattfand, entwarf.
Im Jahr 2018 hat Arte Sella bereits zwei neue Kunstwerke großer Architekten vorgestellt. Das eine war Kodama von Kengo Kuma, das andere Dentro Fuori von Michele deLucchi. Es gibt keinen Zweifel an der Erstklassigkeit dieser beiden internationalen Künstler. Kuma ist für seine Theorie zu Materialien vielgeschätzt und er ist der Kopf hinter dem zukünftigen Olympiastadion Tokios, das ein Hauptaustragungsort der nächsten Olympiade sein wird.
Kuma präsentierte Kodama im Mai bei Arte Sella. Das vollendete Werk war eine komplexe Sphäre, die aus verschiedenen, robusten Lärchenholzteilen bestand. Die Installation konnte dank der Kooperation von Kengo Kuma Lab (Universität Tokio), Politecnico di Milano & d3wood sowie Ri-Legno fertiggestellt werden.

Kengo Kuma , Kodama (2018) Foto: Giacomo BIanchi, copyright Arte Sella

Im Juni war es Zeit für deLucchis Präsentation. Der Architekt, der auch der Leiter des italienischen Architekturmagazins Domus ist, war für die Installation Dentro e fuori („hinein und hinaus“) verantwortlich. Dieses Werk kann dem Bereich der Architektur weit mehr zugeordnet werden als das Kodamas. Um Dentro e fuori vollständig zu erfahren, müssen wir diese „freie Architektur“ betreten und uns von der Natur inspirieren lassen. Dentro e fuori funktioniert wir eine Barriere und ein Tunnel gleichermaßen. Es handelt sich um eine hölzerne Schnecke aus Lärchenholz, die mit der Natur verbunden ist – es schlägt vor, wo und wie man sich von der Natur inspirieren lassen kann.
Und es gibt noch mehr: im Juli fand eine weitere Präsentation bei Arte Sella statt, es handelte sich um eine Aufführung des amerikanischen Künstlers John Grade. Wir dürfen nicht vergessen, dass Arte Sella nicht nur ein Skulpturenpark ist, sondern auch ein Forum, in dem sich experimentierfreudige zeitgenössische Künstler (im weiteren Sinne) ausprobieren können. Dieses Forum ermöglicht es nicht nur, dass sich Kunst und Natur verbinden, sondern gibt Bildhauern und bildenden Künstlern die Freiheit, sich gegenseitig zu beeinflussen.

Auch in den nächsten Wochen wird es viel zu sehen geben: umfassende Ausstellungen brandneuer Werke werden der Öffentlichkeit kostenlos präsentiert werden. Diese werden neben den oben genannten Werken von Kengo Kuma, Michele deLucchi und John Grade zu sehen sein. Dieses jährliche Ereignis wird normalerweise Arte Sella Self Portrait genannt.

Seit 1986 müssen die Werke, die Arte Sella ausstellt, ein paar grundlegende Kriterien erfüllen: „1) Der Künstler ist nicht der alleinige Protagonist des Werkes, stattdessen akzeptiert er, dass die Natur sein Werk vollendet. 2) Die Natur muss als eine Schatzkammer geschützt werden. 3) Die Natur wird nicht nur geschützt, sondern auch in ihrer Abwesenheit interpretiert, wodurch sich die ökologische Beziehung verändert. 4) Die Werke sind an willkürlichen Stellen aufgebaut und bestehen aus natürlichen Materialien. Sie kommen aus der Natur und es besteht die Möglichkeit, dass sie wieder Natur werden.
Die neuen Werke werden sich auch diesen einfachen Regeln unterwerfen. Wir sind gespannt, wie die Künstler sich diesmal mit den Regeln von Arte Sella auseinandersetzen werden.

Michele de Lucchi, Dentro fuori (2018) Foto: Giacomo Bianchi, copyright Arte Sella

Arte Sella ist ein Ort, den man kaum vergisst. Die Schönheit des Tals, die Poesie, die Einfachheit und die Macht der Botschaft hallen lang lebhaft in den Köpfen der Besucher nach. Ich habe Arte Sella mehrfach und zu verschiedenen Jahreszeiten besucht und jedes Mal war es eine völlig andere Erfahrung. Vielleicht liegt es an der Zeit, die vergeht, vielleicht an der Kraft des Windes, des Wassers und der Sonne, wie sie alles abnutzen. Es ist schwer zu sagen, aber gewiss lässt sich Vieles auf das rein ästhetische Konzept zurückführen, das der gesamten Ausstellung zugrunde liegt. Die Kunst von Arte Sella wird vor allem von der Natur geschaffen, an zweiter Stelle stehen erst die Künstler. Falls Sie jemals dort hinfahren, werden Sie mir zustimmen.
Merken Sie sich das Datum der Veranstaltung Arte Sella Self Portrait vor:

  • 16.09. kostenlose geführte Tour um 11:00 Uhr im Garten der Villa Strobele
  • Um 15:00 Uhr wird die Tour in der Gegend der Küste Malagas fortgesetzt
     

Autor: Nicola Valentini
Der italienische Kunsthistoriker, der sich auf zeitgenössische Bildhauerei und neue Technologien spezialisiert hat, hat kürzlich ein Praktikum bei uns in München angefangen.

 

 

Foto: Michele de Lucchi, Dentro fuori (2018) Foto: Giacomo Bianchi, copyright Arte Sella



 
 
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