Wie soll man mit dem Tod umgehen?

In "Beyond the Body" denken siebzehn Künstler über Vergänglichkeit, Tod und Andenken in einer säkularisierten Zeit nach. Die Ausstellung wird von Anne Berk kuratiert und findet im KunstCentret Silkeborg Bad, einem ehemaligen Gesundheitszentrum in Dänemark, statt.

„Oh traurige Menschheit! Warum fürchtest du dich vor Ankündigungen eines eisigen Todes? […] Alles muss sich wandeln: aber nichts geht zu Grunde.“, schrieb der römische Dichter Ovid vor 2000 Jahren in seinen Metamorphosen.

Der Mensch ist das einzige Tier, das seinen Tod vorhersehen kann. Wir sind sterblich und wir wissen darum. Wie können wir unsere Ängste zähmen? Wie können wir uns mit dem Verschwinden der eigenen Persönlichkeit versöhnen, die doch im Westen als Essentiell erachtet wird? Wie tröstet man die Hinterbliebenen? Was bedeutet er, der Tod? Gibt es etwas, das über den Körper hinaus geht? Gibt es eine Seele? 

Studio Ritual Art/Ida van der Lee, All Souls Ritual,
kollektives Ritual von KünstlerInnen und der Öffentlichkeit für die Toten auf einem Friedhof


Diese Fragen haben den Menschen von Anbeginn der Zeit beschäftigt. Menschen haben sich in den Bereichen Philosophie, Religion und Kunst damit auseinandergesetzt, ohne eine endgültige Antwort gefunden zu haben. Eines Tages werden wir das Tor, durch das wir nicht wiederkehren können, durchschreiten und niemand kann uns sagen, was passiert ist.

Menschen haben das Leben, das sie kennen, auf den Tod projiziert. Dies erklärt die christliche Vorstellung des Lebens nach dem Tod; ein Leben in einem Paradies, das einem sommerlichen Garten ähnelt. Aber laut neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ist der Himmel leer und die Existenz der Seele ein Mythos. „Gott ist tot“, verkündete Nietzsche, aber es ist nicht leicht, auf sich gestellt zu leben. 

Alexandra Bremers,
Alpha and Omega_Lou
likes to laugh longer (2011)

In unserer säkularen Zeit frönen wir der Darstellung perfekter Schönheit und ewiger Jugend, die wir in Werbung und Medien sehen. Der Tod ist ein schwarzes Loch, das wir zu ignorieren versuchen. Aber wir werden dennoch sterben, trotz medizinischen Fortschritts und Schönheitsoperationen. In diesem Vakuum spornen unsere verwundbaren Körper und der unausweichliche Tod die Vorstellungskraft der KünstlerInnen an. 

Vergänglichkeit in der Kunst

 
 

Jan Thomas bringt unsere innersten Ängste an die Oberfläche. Mit Black Master zeigt er den Sieg des Todes, dem wir alle unterliegen. Die Babybadewanne aus Glas von Alexandra Bremer ist eine Metapher, die die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des Lebens darstellt. Von dem Moment an, an dem wir geboren sind, ist der Tod eine Gewissheit.

Jan Thomas, Black Master (2012),
Pappelholz, 200 x 120 x 80 cm.
Photo: Jochen Ehmke

Sollte der Tod das Ende sein, so versuchen wir das zu ignorieren. Roy Villevoye versucht mit The Clearing seinen eigenen Tod und den seines paupanischen Freundes als greifbare Wirklichkeit zu visualisieren. Martin uit den Bogaard befestigt Elektroden an einem (gespendeten) menschlichen Finger, um anzudeuten, dass tote Materie Energie absondert. Er findet auf atomarer Ebene Trost, wir werden vollständig reinkarniert. Inspiriert vom Dias de Los Muertos in Mexiko, erschuf Ida van der Lee/Studio Ritual Art All Souls Everywhere, ein weltliches Gedenkritual um „die Toten für das zu feiern, was sie im Leben waren“. 

KünstlerInnen

Erzsébet Baerveldt, Caspar Berger, Antoine Berghs, Martin uit den Bogaard, Célio Braga, Alexandra Bremers, Esther Bruggink, David Claerbout, Desirée Dolron, Jeroen Eisinga, Jelle Kampen, Ida van der Lee/Studio Ritual Art, Janpeter Muilwijk, Alet Pilon, Jan Thomas, Jan Dietvorst und Roy Villevoye.

1. September – 9. Dezember, Beyond the Body, Art Center Silkeborg Bad, Denmark.

Autorin: Anne Berk

Anne Berk lebt und arbeitet in Amsterdam. Sie ist Kuratorin, Kunstkritikerin, Pädagogin, Dozentin 
und sculpture network Koordinatorin für die Niederlande.

 

 

 

 

 

Titelbild: Alet Pilon, Not Me (2011), Schachtelhalme, Maschendraht, Gips, Pappmaché, Binsen, Pumps, 160 x 160 x 350 cm. Foto: Hein van den Heuvel



 
 
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