Magazin

Die drei Favoritinnen: Yayoi Kusama, Mona Hatoum und Cornelia Parker

Sie haben entschieden! Über 280 abgegebene Stimmen, viele hitzige Diskussionen und noch mehr fantastische Kunst – wir präsentieren das Ergebnis der Abstimmung über die 15 erfolgreichsten Frauen in der Dreidimensionalen Kunst.

Neben den zahlreichen Stimmen für die erfolgreichsten Künstlerinnen gab es zu unserer Überraschung auch 13 Neuvorschläge. Somit stand letztlich fast die doppelte Anzahl an Künstlerinnen zur Wahl. Nun ist es an der Zeit die drei Top-Favoritinnen für Sie noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen!

 1. Platz:  Eine klare Siegerin – Yayoi Kusama

"Eines Tages blickte ich auf das rote Blumenmuster einer Tischdecke und als ich aufsah bedeckte das gleiche Muster die Decke, die Fenster und die Wände und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich hatte das Gefühl mich in der Unendlichkeit der endlosen Zeit und des absoluten Raums aufzulösen." (Yayoi Kusama)
Das Elternhaus der am 22. März 1926 in Matsumoto (Japan) geborenen Künstlerin, Yayoi Kusama, war von deutlicher Strenge und Autorität geprägt. Ständiger Druck, Ablehnung und Entfremdung von ihrer Mutter führten vermutlich zu Kusamas Trauma, das sich überwiegend in Halluzinationen und ausgeprägter Angst vor phallischen Objekten, Sexualität und Essen zeigt. Im Jahr 1948 gelang es ihr das Elternhaus zu verlassen, um an der Kyoto School of Arts and Crafts ihre Ausbildung zu beginnen. In den kommenden Jahren war sie in neun Ausstellungen vertreten, darunter sechs Einzelausstellungen. Viele Bilder aus dieser Schaffensperiode wurden von der Künstlerin später vernichtet. Die Punkt- und Netzmuster, die Kusama seit ihrer frühen Kindheit wahrnahm, machte sie fortan zum Bestandteil ihrer Kunst. Mittels ihrer charakteristischen Polka Dots reproduziert sie die Welt, wie sie sie wahrnimmt, in all ihrer Surrealität. Die schwindelerregende Wiederholung der Punkte in ihrer Malerei, Bildhauerei, sowie in Filmproduktionen und Installationen symbolisiert das Auslöschen der Identität, sowie den Weg Eins mit dem Universum zu werden. "Unsere Erde ist nur ein Punkt unter Millionen von Sternen im Kosmos. Polka Dots sind ein Weg in die Unendlichkeit." (Yayoi Kusama) Sie schämte sich nie wegen ihrer Krankheit und ging offen damit um. Sie wurde landesweit bekannt, von der japanischen Kunstwelt jedoch weitgehend abgelehnt. Im Jahr 1955 beschloss sie nach New York zu ziehen. Da sie keinerlei finanzielle Unterstützung hatte, war sie auf den Verkauf ihrer Bilder angewiesen. Kein Wunder also, dass sie in der New Yorker Kunstszene zunächst dadurch bekannt wurde, dass sie von Galerie zu Galerie ging, um Ausstellungsflächen zu bekommen. Der finanzielle Erfolg blieb jedoch aus. Folglich fühlte sich die Künstlerin in New York nicht wohl und ihre Krankheit verschlechterte sich. In den 1970er Jahren kehrte sie nach Japan zurück, ging freiwillig in eine Nervenheilanstalt und geriet kurzzeitig in Vergessenheit. 1993 trat sie dann zurück auf die Bühne des internationalen Kunstgeschehens, indem sie das Land Japan auf der Biennale in Venedig repräsentierte. Seither ist ihre Arbeit regelmäßig das Thema von Ausstellungen in Galerien und Museen. 2008 erzielte eines ihrer Werke sogar auf einer Auktion den höchsten Preis, der bis dahin für die Arbeit einer lebenden Künstlerin gezahlt wurde. Kusama lebt und arbeitet heute in Tokio.

Kusama
All the Eternal Love I Have for the Pumpkins, 2016, at the Hirshhorn Museum and Sculpture Garden,
wood, mirrors, plastic, glass, and LEDs. Collection of the artist. Courtesy of Ota Fine Arts,
Tokyo/Singapore and Victoria Miro, London. © Yayoi Kusama. Photo by Cathy Carver.

 


2. Platz:  Die Silbermedaille für – Mona Hatoum

Hatoum
Mona Hatoum, Orbital I, 2018:
Installation shot of work by Mona Hatoum in The Hepworth
Prize for Sculpture. Photo, Stuart Whipps

„Ich wollte kein Werk schaffen, das eindimensional ist in dem Sinne, dass es nur den Intellekt anspricht. Ich wollte, dass es eine umfassende Erfahrung ist, die den Körper, die Sinne, den Geist, die Gefühle, alles einbezieht.“ (Mona Hatoum)
Schon ihre Eltern mussten die Erfahrung von Entwurzelung machen: bis 1948 lebten sie in Haifa (Israel), flohen aber wegen der Kriegssituation im Vorfeld der israelischen Staatsgründung in den Libanon. Dort kam dann, 4 Jahre später, am 11. Februar 1952 Mona Hatoum in Beirut zur Welt. Von 1970 bis 1972 besuchte sie das Beirut University College. 1975 reiste sie unbekümmert nach England in den Urlaub, nicht annähernd ahnend, dass der ausbrechende Krieg im Libanon ihre Rückkehr gänzlich unmöglich machen würde. Seither lebt und arbeitet sie in London. Nach ihrem Studium an der Byam Shaw und der Slade School of Art in London wurde Mona Hatoum in den 1980er Jahren zunächst durch eine Reihe von Performances und Videoarbeiten bekannt. Seit Beginn der 1990er Jahre tendieren ihre Arbeiten zu immer großformatigeren Installationen, die in der BetrachterIn widersprüchliche Gefühle wie Begierde und Ekel oder Angst und Faszination erwecken sollen. Im Mittelpunkt ihres Werks steht seit jeher der Körper. An ihm wird gezeigt, wie institutionelle Gewalt auf den Menschen einwirkt. Die Künstlerin integriert spezielle Tücken, die erst auf den zweiten Blick eine verborgene Gewalt sichtbar machen. Vertraute, alltägliche Haushaltsgegenstände wie Stühle, Betten und Küchengeräte transformiert sie in fremde, bedrohliche und gefährliche Objekte. Selbst der menschliche Körper wird in einer ihrer Installationen verfremdet. Die Videoinstallation Corps étranger (1994) zeigt eine endoskopische Reise durch die innere Landschaft ihres eigenen Körpers. Zwischen 2003 und 2004 lebte Mona Hatoum im Rahmen des DAAD-Programms als Artist-in-Residence in Berlin – der Stadt, die sie heute ihr zweites Zuhause nennt.

Mona Hatoum, Hot Spot (stand): Installation shot of work by Mona Hatoum in The Hepworth Prize for Sculpture. Photo, Stuart Whipps
Mona Hatoum, Hot Spot (stand): Installation shot of work by Mona Hatoum
in The Hepworth Prize for Sculpture. Photo, Stuart Whipps

 

3. Platz:  Bronze für eine neuvorgeschlagene Kandidatin – Cornelia Parker

Cornelia Parker
Cornelia Parker, Cold Dark Matter: An Exploded View, 1991.
A garden shed and contents blown up for the artist by the British Army,
the fragments suspended around a light bulb. Collection:
Tate, image courtesy the artist and Frith Street Gallery, London.
© the artist. Photograph: Hugo Glendinning.

"Ich erwecke Dinge wieder zum Leben, die abgetötet wurden ... In meiner Arbeit dreht sich alles um das Potenzial von Materialien – selbst wenn es so aussieht, als hätten sie alle Möglichkeiten verloren." (Cornelia Parker)
Cornelia Ann Parker wurde 1956 in Cheshire (Vereinigtes Königreich) geboren. Sie ist bekannt für ihre Zerstörungen, die wiederum kurzlebige Installationen aus Trümmern produzieren. Sie verwendet häufig Fundstücke mit sehr spezifischer Historie – zum Beispiel verbotenes pornografisches Material oder abgenutzte Blasinstrumente. In anderen Fällen (wie bei ihrem Explosionsschuppen) produziert sie Objekte, nur um sie anschließend in die Luft zu sprengen und sorgfältig wieder zusammenzubauen. Prozess und Materialien sind für Parker genauso wichtig wie das Objekt selbst. Ihre überzeugenden Umsetzungen von vertrauten, alltäglichen Gegenständen untersuchen die Natur der Materie, testen physikalische Eigenschaften und spielen mit privaten und öffentlichen Meinungen und Werten. Seit den 1990er Jahren beschäftigte sich Parker mit zahlreichen Methoden wie Explosionen, Quetschen und Dehnen, um mit Materialien, die mit historischen Assoziationen verbunden sind, in ihrer Kunst zum Ausdruck zu bringen. Sie begann mit dem, was sie „vermiedene Objekte“ nannte, zu experimentieren: unvollständige oder gebrochene Gegenstände, Objekte, die sozial oder psychologisch gemieden werden und Dinge wie Risse, Falten und Schatten. In neueren Arbeiten hat sie auch kunsthistorische Werke als Fundstücke verwendet und sie symbolisch zerstört. Mit diesen Interventionen soll eine neue Beziehung zwischen Kunst, Architektur und der gebauten Umgebung hergestellt werden. Ein Beispiel hierfür ist Parkers Arbeit mit Rodins Der Kuss, bei dem sie das Werk mit einer Schnur umwickelte und damit für das Publikum verschwinden ließ. Bei den späteren Werken handelt es sich um zeitlich unbegrenzte Neuinszenierungen kanonischer Arbeiten, die es uns ermöglichen, die von ihr verwendeten Kunstwerke wie zum ersten Mal zu sehen und damit neu zu beleben. Viele ihrer Arbeiten haben einen apokalyptischen Ton, aber sie zeigen auch Besorgnis über die heimtückischen Auswirkungen der globalen Erwärmung und des Konsums. Parkers Werke werden wegen ihrer zerstörerischen Prozesse kontrovers diskutiert. Doch eben dieser Prozess des Sammelns, Zerstörens und Wiederaufbauens ist für die Darstellungsweise von Geschichten als bewegliche, komplexe und oftmals traumatische Ereignisse für die Künstlerin wesentlich. Ihre Arbeit hilft dabei, die verborgenen Geschichten von Objekten und den Menschen, die sie benutzt haben, zu öffnen. Parker lebt und arbeitet bis heute in London. Ende des Jahres ist eine große Einzelausstellung der britischen Künstlerin in Sydney geplant. Ab 8. November werden im Museum of Contemporary Art Australia mehr als 40 ihrer Arbeiten zu sehen sein.

Cornelia Parker
Cornelia Parker, War Room, 2015, installation view, Whitworth, Manchester. Perforated
paper negatives left over from production of remembrance poppies, with thanks to The Poppy
Factory, Richmond and The Royal British Legion. Image courtesy the artist
and Frith Street Gallery, London © the artist.

 

Danke an alle die an der Abstimmung teilgenommen haben!
 

Portraet_Claudia_Thiel_2428e73362_1_5.jpg

Autorin: Claudia Thiel

Claudia Thiel ist Kunsthistorikerin und vertiefte sich für uns mit viel Begeisterung in das Thema Frauen in der der Dreidimensionalen Kunst.

Mehr lesen

Zum Anfang der Seite scrollen