Kunstverein Kohlenhof Nürnberg e. V., 2026
mundgeblasenes Glas aus der Glashütte Lamberts, Lichtquelle, Maße variabel
- Gleichstellung der Geschlechter global (w 33 % | m 67 %), Goldrosa auf Weiß (⌀ 33 cm) & Gelbgrünlich (⌀ 47 cm)
- Geburtenrate in Deutschland 2025 (w 48,5 % | m 51,5 %), Selenrötlich (⌀ 40 cm) & Bräunlich (⌀ 42 cm)
- Geschlechterverteilung in internationalen Kunstgalerien (w 27 % | m 73 %), Kohlegelb (⌀ 30 cm) & Violett (⌀ 50 cm)
Die Rauminstallation besteht aus unterschiedlich großen, runden, unifarbenen Glasscheiben, die sich teilweise überlagern. Natürliches und künstliches Licht durchdringt die Scheiben und führt zu bunten Reflektionen und flüchtigen Projektionen im Raum und an den Wänden.
Hinter dem Werk steckt eine intensive Beschäftigung der Künstlerin mit Daten und Normen. Bislang basieren Standards überwiegend auf einseitigen Daten, nämlich denen von Männern. Dadurch entsteht der sogenannte „Gender Data Gap“ („Geschlechter-Datenlücke“): fehlende Daten für ein bestimmtes Geschlecht (auch jenseits von Frau – Mann). Das wird besonders bedeutend im Zusammenhang mit KI, denn diese führt die Dominanz männlicher Daten weiter.
Für „Norm und das Dazwischen“ stellte Wegemann einen Atlas von insgesamt 39 Zahlenpaaren zusammen, basierend auf Daten der Jahre 2025/2026. Damit ist die Arbeit ein Spiegel der Jetzt-Zeit. Die Zahl 39 nimmt Bezug auf die Installation „The Dinner Party“ (1974-76) der Künstlerin Judy Chicago, bestehend aus 39 Gedecken einer Festtafel, jedes einer bedeutenden Frauenfigur gewidmet.
Die ermittelten „Geschlechter-Datenlücken“ materialisiert Wegemann, indem sie sie in Glas über- und umsetzt. Dabei erscheinen die Scheiben in der Präsentation jeweils als Paar – eine auf weiblichen Datensätzen basierend und eine auf männlichen. In der Überlagerungsfläche der Scheiben werden weitere Geschlechter mitgedacht und visualisiert.
Das Werk verschiebt den Fokus von der Lesbarkeit der Daten hin zu ihrer künstlerischen Wirkung. Die Differenzen manifestieren sich hier nicht nur als messbare Zahlen, sondern als visuelle Situation und erfahrbare räumliche Beziehungen: Nähe und Distanz, Verdichtung und Leerstelle. Die Installation bewegt sich damit an der Schnittstelle von Materialforschung, Optik und Datenwissenschaft und ist dabei als eine räumliche Untersuchung von Daten, Körpern und Abwesenheit zu verstehen – und als eine Übersetzung von Information in Gewicht, Licht und Fragilität.
Norm und das Dazwischen
Datenblatt
- Jahr
- 2026
- Material
- Glas, Licht
- Stil
- Installation
- Thema
- Wissenschaft, Gesellschaft