TIME SPACE EXISTENCE: Künstler*innen für die nachhaltige Verbesserung unseres Lebens

Bis zum 21. November 2021 findet in Venedig die 5. Ausgabe der Architekturausstellung TIME SPACE EXISTENCE statt. Initiiert vom Europäischen Kulturzentrum Italien ist das breite Spektrum an Werken von Architekt*innen, Fotograf*innen, Bildhauer*innen und Universitäten aus aller Welt an drei verschiedenen Orten zu bewundern. Darunter auch Werke von fünf sculpture network-Mitgliedern!

Zeit, Raum und Existenz sind die Schlagworte einer Ausstellung, die vor allem das Bewusstsein für philosophische Themen in der zeitgenössischen Kunst, Architektur und Kultur schärfen will. Die 5. Ausgabe der umfangreichen, alle zwei Jahre stattfindenden Architekturausstellung wird von dem europäischen Kulturzentrum parallel zur Biennale Architettura am 22. Mai 2021 eröffnet und ist bis zum 21. November 2021 im Palazzo Bembo, Palazzo Mora und Giardini della Marinaressa zu sehen.

Eine internationale Gruppe von 212 Architekt*innen, Künstler*innen, Akademiker*innen und Kreativen aus über 51 Ländern wurde eingeladen, unsere Beziehung zu Raum und Zeit zu beleuchten, neue Wege des Wohnens zu entwerfen und Architektur durch eine größere Linse neu zu denken. Die Exponate reichen von konzeptionellen Arbeiten, Modellen, Videos, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien bis hin zu ortsspezifischen Installationen. Indem sie Betrachtungen über die Themen unserer Zeit anstellten, fragten sich die Teilnehmenden, was sie tun können, um unsere Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Für sie stellten Klimawandel, Migration, Wasser und die schnelle Urbanisierung die größten Herausforderungen dar. Die diesjährige Ausgabe der Ausstellung zeigt Projekte, die sich auf Städtebau mit dem Fokus auf Wasser (‚water urbanism‘), grüne und resiliente Städte, die Entwicklung neuer und natürlicher Materialien, Bausysteme und -methoden konzentrieren. Einige Exponate lenken die Aufmerksamkeit darauf, wie Architektur Menschen für die Lebensbedingungen und den Zugang zu Ressourcen anderer sensibilisiert, indem sie sich auf Lösungen für Vertriebenen-Gemeinschaften, diskriminierte Gruppen und Minderheiten konzentrieren. Darüber hinaus verdeutlicht die Covid-19-Krise die dringende Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes, um unsere Beziehung zu unserer Umwelt, zueinander und zu allen lebenden Organismen zu überdenken und neu zu gestalten.

Indem sie Geschichten und Stimmen aus allen Ecken der Welt zusammenbringt und einem breiten Publikum zugänglich macht, hofft TIME SPACE EXISTENCE ein Ort zu sein, der zum Nachdenken anregt und Veränderungen anstößt. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei und sie ist täglich (außer dienstags) von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ihre drei Standorte sind zwei historische Paläste, Palazzo Bembo und Palazzo Mora, und der wunderschöne Garten Giardini della Marinaressa, der sich entlang der Riva, der monumentalen Promenade der Stadt Venedig, befindet und einen atemberaubenden Blick auf die Lagune bietet.

 

Unsere Mitglieder in Venedig:
Cornelia Hammans, Chaotic Harmony

Cornelia Hammans – Giardini della Marinaressa

Das ehemalige sculpture network-Vorstandsmitglied Cornelia Hammans zeigt in den Giardini della Marinaressa eine große Bronzeskulptur mit dem Titel Chaotic Harmony. Diese Arbeit weckt das Gefühl der Hoffnung und gibt die Gewissheit, auch aus dunklen Momenten Kraft schöpfen zu können.
Die Künstlerin hat die Skulptur für eine Familie mit vier Kindern angefertigt, deshalb hat sie unten vier stilisierte Wurzeln. Daran schließt sich oben der „Schoß der Familie“ an, der auch der Ort der Wandlung zum Licht ist. Die „Arme“ oder „Flügel“ symbolisieren den Weg hinaus in die Welt – „ins Licht gehen“, unterstützt durch Musik, die sich in Form von Saxophon-, Harfen- oder Geigenauszügen wiederfindet. Die nach oben weisende Fahne symbolisiert „vereint im Geist“. Chaos und Harmonie sind einige von vielen Gegensätzen, die wir im Leben entdecken können.

 

Andreas Rimpel, The Brooding Man

Andreas Rimpel – Giardini della Marinaressa

Andreas Rimpel kommt bereits zum dritten Mal nach Venedig. Zwei weitere Werke wurden bereits im Palazzo Mora in Venedig ausgestellt: Bad News im Jahr 2017 und Help im Jahr 2019. Diesmal zeigt er eine große Bronzeskulptur im Marinaressa Garten: The Brooding Man. Diese Arbeit ist Teil eines Zyklus, der den Menschen in besonderen Lebenssituationen darstellt. Rimple versucht, die Gefühlswelt der heute lebenden Menschen auf kubistische Art und Weise darzustellen. Die Formen wirken geometrisch und kubisch, aber die Grundform ist immer erkennbar.

 


 

Monika Casutt, Untitle

Monika Casutt – Palazzo Mora

Monika Casutt zeigt im Palazzo Mora zwei Tonskulpturen, die tief von ihrem starken Interesse an alten Kulturen und deren kraftvollen archaischen Kunstwerken geprägt sind. Casutta hat ihren Figuren stets weder einen Titel noch ein Thema gegeben. Der Betrachter soll sich selbst ein Bild machen können. Sie arbeitet mit Ton, einem Material, das weich, leicht formbar und wandelbar ist.
 

Herbert W. H. Hundrich, The ocean begins under your feet.

Herbert W. H. Hundrich – Palazzo Mora

Der Titel und das Thema dieser Lichtinstallation lautet The ocean begins under your feet.
Hundrichs Projekt spiegelt die aktuelle Situation des Klimawandels wider. Ein Aufruf zu mehr Achtsamkeit und Respekt gegenüber der Natur, insbesondere dem Wasser, dem lebenserhaltenden und lebensspendenden Element. Der Künstler widmet dieses Projekt der Stadt Venedig und den Küstenstädten der Welt, die als erste von den steigenden Ozeanen betroffen sein werden.
Der Klimawandel unterscheidet die Menschen nicht nach Hautfarbe, Religion oder ethnischer Herkunft, nach reich oder arm. Der Klimawandel zwingt die Menschheit zur Zusammenarbeit und erfordert Beiträge von allen, um jedes Leben auf dieser Welt lebenswert zu machen.

 

Patricia McKenna, CoExistence.
Foto: Photo.Federico Vespignani.

Patricia McKenna – Palazzo Mora

Die Installation CoExistence von Patricia McKenna befindet sich in den Dachsparren des Palazzo Mora, wo sich ein Schwarm Vögel niedergelassen hat. Leicht verwahrlost und etwas ruppig begutachten sie ihren Nistplatz. Hoch auf den Wolkenkratzern bauen Wanderfalken an tückischen Vorsprüngen ihre luftigen Nester auf Bergen von Glas. An anderer Stelle schieben sich Pflanzentriebe durch den Asphalt, wo der Beton bröckelt, und zeigen dort einen Hauch von reinstem Grün. Ob mit dem bloßen Auge sichtbar oder nur unter dem Mikroskop zu sehen, bahnt sich die Natur ihren Weg durch die Stadt, auf der Suche nach einem Halt, einem Ort, um Wurzeln zu schlagen und zu wachsen. Stadt und Natur bilden eine Allianz aus gemeinsamem Einfallsreichtum, gemeinsamer Anpassung und Widerstandsfähigkeit. Ein Balanceakt der Koexistenz und des Optimismus in der rauen See der Unsicherheit.

 

Autorin: Ilaria Specos
Übersetzung: Andreas Schnietz
Juni, 2021

 



 
 
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