"Halb Schiff, halb Raumschiff"

Eine Skulptur - und doch ein Gebäude: Das Centro Botín ist das neue Highlight in Santander - ein Kulturzentrum direkt am Wasser, das Kunst, Kultur und Bildung in einem architektonischen Meisterwerk vereint.

"Teenager, in Gruppen, zu zweit, fotografieren sich amüsiert auf den unterschiedlichen Brücken und Stegen, Spaziergänger, die entlang der Kaimauer wandeln, werden in ihrer Gestalt in diffusem Licht im Bodenbelag reflektiert und erwecken den Eindruck, als würden sie über das Wasser gehen, vor dem Regen Schutzsuchende blicken auf das Wasser und scheinen die ruhige Atmosphäre unter dem aufgeständertem Gebäude zu genießen: es beseelt mich zu erleben, wie Architektur hier öffentliche Räume entwirft, die Schauplätze für das Leben stellen und zugleich den Ort mit allen Sinnen erlebbar machen. Das Centro Botin lädt ein zusammenzukommen und zugleich für sich zu sein. Eine Ambivalenz, die ich als eine enorme Qualität wahrnehme."

Eva Wolf, Architektin über das neues Centro Botín von Renzo Piano, Santander (Spanien)


Eine ganze Reihe kulturaffiner Stiftungen sind in Spanien angesiedelt - meist Banken und Versicherungen - die überwiegend in den beiden Metropolen Madrid und Barcelona Schaufenster ihrer Tätigkeit betreiben. Ebenfalls aus dem Bankgeschäft stammt der Reichtum der Familie Botín im nordspanischen Santander. Von dem Geldinstitut getrennt ist die heutige Familienstiftung Botín, die mit dem neugeschaffenen Kunstzentrumein architektonisches Meisterwerk stiftete.

Centro Botín nennt sich dieses, geschaffen vom „Vater des Centre Pompidou“ - Renzo Piano, der mit seinen 80 Jahren der Stadt noch ein neues Wahrzeichen verlieh. Es ist in zwei ungleiche Teile geteilt, die wie Segmente eines Ovals wirken. Durch die Stützen wirken diese als ob sie über dem Boden schweben. Ein stählernes Gestänge aus Treppen und Plattformen verbindet die beiden Gebäudeteile. Ganz die Tradition Pianos. „Das Gebäude, halb Schiff, halb Raumschiff“, wie es der Tagesspiegel beschreibt, sollte nach den ursprünglichen Plänen Pianos direkt im Wasser stehen. Pläne, die er heute mit einem Lächeln im Gesicht selbst als verrückte Idee bezeichnet.

 

Foto: Enrico Cano


Die Zweiteilung des Gebäudes spiegelt die Aktivitäten der 1964 gegründeten Stiftung wider, die sich nicht allein dem Ausstellen von Kunstverschrieben hat, sondern auch ambitionierte Kultur- und Bildungsprogrammebetreibt.So ist der Westblock mit zwei Ausstellungsräumen von insgesamt 2.500 m² der Kunst gewidmet. Der östliche Block dagegen ist für kulturelle und pädagogische Aktivitäten gedacht. Mit einem Auditorium für 300 Personen, Klassenräumen, Arbeitsräumen und einer Dachterrasse - um die atemberaubende Aussicht auf Santander und seine Bucht zu genießen - soll die Erfahrung von Kunst so angeleitet werden, dass Kreativität und Wohlbefinden sich verbinden. Es ist eine Verwirklichung der, von der Stiftung bereits langgehegten, Überzeugung, dass Kunst die Kraft habe, die Kreativität eines Jeden zu erwecken. Aber auch soziale Entwicklungen sollen gefördert werden.

Forschung, Ausbildung und Verbreitung sind die drei Hauptaufgaben des Centro Botín. In allen Bereichen spielt die Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen und Fachleuten eine Schlüsselrolle. Die Ergebnisse der Forschungsprojekte werden überwiegend in Form von Workshops vermittelt.Aber auch in Katalogen, Büchern und internationalen Zeitschriften wird das neue Wissen für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht. "Ich fühle mich wirklich geehrt, dieses Projekt für die Stadt Santander übernommen zu haben, denn es ist ein weiteres Beispiel in meinem Repertoire offener, toleranter und zugänglicher Kulturräume […] städtische Räume, die von den Menschen geliebt werden “, so Renzo Piano.

Auch die Kunstsammlung der Stfitung Botín ist ein Spiegelbild des Programms für bildende Kunst. Spezialisiert auf zeitgenössische Kunst, enthält es Werke in einer Vielzahl von Medien: Malerei, Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Video und Installation. Seit 1993 wächst die Sammlung von Jahr zu Jahr und umfasst unter anderen Werke von Regisseuren des Villa Iris Arts Workshops, etablierten internationalen Künstlern wie Miroslaw Balka, Tacita Dean, Carlos Garaicoa, Mona Hatoum, Joan Jonas, Jannis Kounellis, Julie Mehretu, Antoni Muntadas und Juan Uslé - sowie Werke von Künstlern, die mit Stipendien der Fundación Botín Arts ausgezeichnet wurden.

Auch sculpture network besuchte das Centro Botin im Zuge der Experience Baskenland und Kantabrien im April 2018.

 

Weitere Informationen:

Centro Botín
Santander, Spanien

 



 

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