Zuwachs für sculpture network

Ein Interview mit unserer neuen Koordinatorin für Kroatien, Künstlerin Marina Bauer

Kroatien ist sicherlich nicht das Zentrum der Welt. In der Tat ist das Land immer noch auf der Suche nach seinem Platz in Europa. Die Finanzkrise hat hier stark eingeschlagen und der Kultursektor leidet stark darunter. Außerdem ist der  sehr kleine Kunstmarkt nach Jahren des Sozialismus immer noch dabei sich den Regeln eines neuen Systems anzupassen. Keiner dieser Faktoren trägt dazu bei, das Leben eines Künstlers einfacher zu machen, deshalb hat sich Marina Bauer, selbst Künstlerin, entschlossen, zu agieren.

Marina absolvierte 1998 die Fakultät für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste der Universität Zagreb und lehrte dort 14 Jahre lang, zuerst als externe Mitarbeiterin, dann als Assistentin und schließlich als Assistenzprofessorin an der Fakultät für Bildhauerei und Kunstpädagogik. Sie war Teil eines  von der Akademie Graz, Österreich LandArt-Park und Au Schloss Gleinstätten koordinierten Projekts, in dessen Rahmen permanente öffentliche Skulpturen installiert wurden und nahm  an zahlreichen Kunstsymposien, Residenzen und Workshops in ganz Europa teil. Im Jahr 1993 gewann sie den Rektorenpreis der Universität Zagreb und wurde im Jahr 2015 auf der 12. Triennale der kroatischen Bildhauerei ausgezeichnet.

Andrija Zelmanović, Tjaša Kalkan

Das Unterrichten und der damit verbundene Papierkram ließ ihr nur sehr wenig Zeit für ihre eigenen Kunstwerke. Im Jahr 2016 entschied sie sich, aus dem Unterrichtsleben auszusteigen und freiberuflich tätig zu werden. Dann, im September 2016, hatte sie auch ihre erste "Live"-Begegnung mit sculpture network, was sie dazu veranlasste, unsere erste kroatische Koordinatorin zu werden, wodurch sie ihr Bedürfnis nach mehr Kommunikation zwischen Künstlern und der Kunstszene auszudrücken konnte.

Marinas Arbeiten reichen von Land Art Interventionen über Mixed Media Installationen bis hin zu eher traditionellen Skulpturen. In ihrer neuesten Arbeit "Places " (2017) können die Besucher durch einen Wald aus Fäden gehen, in ihrer Arbeit "Encounter with Ourselves" (2016) werden die Menschen ermutigt, eine von mehreren isolierten Boxen zu betreten und für eine Weile allein zu sein.

Andrija Zelmanović, Tjaša Kalkan

Sie verwenden sehr unterschiedliche Materialien, von Bronze bis Metall, Holz und Stein.... Wie wählen Sie Ihr Material aus?
Manchmal fange ich mit einer Idee an und suche das richtige Material dafür. Manchmal entwickelt sich die Idee aus dem Material und seiner Art des Ausdrucks heraus und aus den technischen Möglichkeiten, die das Material besitzt.

Interaktivität und Kommunikation sowie körperliche Wahrnehmung sind in den meisten Ihrer Arbeiten Voraussetzung und Sie beziehen die Besucher oft mit ein. Warum wählen Sie diesen Ansatz?
Wenn ich eine Arbeit verwirkliche, kommt meine innere Motivation aus der körperlichen Erfahrung. Für mich ist es wichtig, diese Erfahrung nicht nur auszudrücken, sondern auch den Zuschauern zu ermöglichen, Teil davon zu sein und selbst die Werke zu erleben. Um eine Skulptur vollständig zu erleben, ist es wichtig, nicht nur die visuelle Wahrnehmung zu nutzen, sondern auch die physische und körperliche Erfahrung mit einzubeziehen.

Sowohl im Beruf als auch im Privatleben sind Sie gerne stark in Dinge involviert. Zum Beispiel mit Ihrer neuen Position als Koordinatorin von sculpture network. Wie sind Sie auf sculpture network aufmerksam geworden?
Im Jahr 2008 hat mir eine Freundin den Link zur Website von sculpture network geschickt und ich habe mich sofort für den Newsletter angemeldet. Für etwa 7 Jahre war ich eine stille Leserin dieses Newsletters. Aber dann im September 2016 war ich in Brüssel und stellte fest, dass das Internationale Forum in Antwerpen gleichzeitig stattfand. Ich meldete mich sehr spontan an und nahm an dem Konferenztag "LandArt, BioArt und EcoArt" in der Verbeke-Stiftung teil. Dort traf ich einen meiner LandArt-Helden Nils-Udo, der einen Vortrag über seine künstlerische Praxis hielt. Nach dieser ersten Veranstaltung habe ich sofort eine Mitgliedschaft bei sculpture network beantragt.

start'18 in Zagreb

Warum haben Sie sich entschieden, sich zu engagieren?
Mir gefiel das Gemeinschaftsgefühl, das ich während des Internationalen Forums erlebte und ich spürte den Drang, meinen Freunde und Kollegen zu Hause von meinen Erfahrungen in Belgien zu erzählen. Am Forum traf ich Christiane Tureczek, die Schweizer Koordinatorin, die mir vorschlug, Gastgeberin für start’17 zu werden und ein Event in Zagreb zu organisieren. Ich sah in start eine gute Gelegenheit, meine Erfahrungen zu verbreiten und einen ersten Versuch zu unternehmen, etwas in Kroatien auf die Beine zu stellen. 30 Personen nahmen an der Veranstaltung teil. Danach habe ich mich auch für die Kunstreise im Juni 2017 nach Kassel und Münster für die documenta14 und die Skulptur Projekte angemeldet. Die Reise war großartig! Nicht nur aufgrund der Besuche, sondern auch wegen der Vernetzungs- und Kommunikationsmöglichkeiten. An einem Abend brachte ein anderer Künstler seinen Katalog zum Abendessen mit und wir haben alle zusammen darüber nachgedacht, welche Galerien für seine Arbeit gut sein könnten!
Nach diesen persönlichen Erfahrungen entschloss ich mich, mich noch mehr zu engagieren und wurde Koordinatorin für Kroatien - in der Hoffnung, eine sculpture network-Gemeinschaft in meinem eigenen Land aufzubauen. Ich denke, es ist wirklich wichtig, nationale Grenzen zu überschreiten und mit Kollegen im Ausland zu kommunizieren. Es hilft uns, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kunstgemeinschaft kennen zu lernen und eröffnet uns neue Möglichkeiten.

Andrija Zelmanović, Tjaša Kalkan

Haben Sie bereits von diesen Aktivitäten profitiert?
Ja, ich fühle mich besser verntzt  und motiviert und ich sehe, dass sich auch für meine kroatischen Kollegen etwas ändert. Ich organisierte eine zweite Veranstaltung in Zagreb zu start'18 in der Glyptothek der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Dieses Mal hatten wir fast 80 Teilnehmer, mit etwa 40 Künstlern und 12 Kuratoren aus verschiedenen Institutionen und Galerien. Die Leute blieben sehr lange und redeten viel. Wir organisierten Tische, an denen die Künstler ihre Kataloge ausstellen konnten und alle versammelten sich darum als wäre es ein Buffet! Zudem konnte man durch die Foto-Wand Bilder von den anderen 96 Veranstaltungsorten auf der ganzen Welt sehen. Ich denke, das Gefühl der Zugehörigkeit zur gleichen Gemeinschaft war sehr stark.
Ich persönlich erhielt eine Einladung zu einer Ausstellung und wurde dank meiner Rolle als Koordinatorin in den Vorstand der 13. Triennale der kroatischen Bildhauerei eingeladen, die diesen Sommer stattfinden wird.


Marina wird uns weiterhin helfen, eine sculpture network Gemeinschaft in Kroatien aufzubauen und uns interessante Einblicke in ihr Land geben. Bleiben Sie dran für weitere Neuigkeiten: Wir freuen uns darauf!



 
Giuseppe Penone: A Tree in the Wood (Ein Baum im Wald)
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