20 Jahre Sculpture Network: Irene Anton
Anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums von Sculpture Network stellen wir wichtige Mitglieder unserer Community vor. Dazu gehört Irene Anton, eine vielseitige Designerin, Textilkünstlerin und Bildhauerin, deren kreatives Schaffen sich Seite an Seite mit Sculpture Network kontinuierlich weiterentwickelt hat.
Die künstlerische Praxis von Irene Anton (*1966 in Darmstadt) basiert auf ihren früheren Erfahrungen als Industriedesignerin und ihrer Arbeit mit Textilien. Sie studierte Industriedesign mit den Schwerpunkten Bekleidungs- und Textildesign an der Universität der Künste (UdK) in Berlin. Später absolvierte sie dort den Masterstudiengang für „art in context“ mit den Schwerpunkten Museums- und Ausstellungswesen und Kunst im öffentlichen Raum. Dieser Hintergrund prägt bis heute ihren Ansatz und ermöglicht es ihr, ihre Skulpturen durch Materialien, Orte und Prozesse weiterzuentwickeln.
Ihre Arbeit vereint Materialiensensibilität, räumliches Bewusstsein sowie ein starkes Interesse am sozialen und geografischen Kontext. Anton ist seit mehr als zehn Jahren Mitglied bei Sculpture Network, und ihre künstlerische Entwicklung spiegelt die Bedeutung von Austausch, Mobilität und internationalem Dialog wider, welche unser Netzwerk in den vergangenen zwanzig Jahren gefördert und unterstützt hat.
In ihren neuesten Arbeiten konzentriert sich Anton vor allem auf Objekte und Installationen, die sowohl in Innenräumen als auch im Freien ausgestellt werden. Oft setzen sie sich mit natürlichen Kräften und der Macht der Elemente auseinander. Textilmaterialien spielen immer wieder eine Rolle in Antons künstlerischer Praxis. Die Künstlerin verwendet traditionelle Techniken, um moderne skulpturale Formen zu erschaffen. Dabei setzt sie Textilien so ein, dass diese nicht sofort als solche erkennbar sind, sondern sich nur bei genauer Betrachtung offenbaren. Diese strategische Ambiguität unterstreicht Antons Interesse an materieller Transformation und Wahrnehmungsverlagerung.
Die Flexibilität und die Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien sind wesentliche Bestandteile von Antons Ansatz. Neben einer starken Betonung der sensorischen Erfahrung sind Recycling und Wiederverwendung wichtige konzeptuelle Ebenen ihrer Arbeiten. Ihre Installationen aktivieren die Betrachtenden durch Textilien, Strukturen, Klänge und Lichtreflexionen und schaffen immersive Umgebungen, die zu körperlicher und emotionaler Beteiligung einladen. Die sinnliche Dimension ist von grundlegender Bedeutung für Antons Praxis: Die Werke sind so konzipiert, dass sie mit allen Sinnen wahrgenommen werden sollen. Ihre Reliefserie eignet sich beispielsweise besonders für Ausstellungen, die für blinde oder sehbehinderte Besucher:innen konzipiert sind. Antons Arbeiten, die konzeptionelle Strenge mit Offenheit für Prozesse verbinden, existieren oft eher als sich entwickelnde Konstellationen denn als festgelegte Ergebnisse.
Auch Kunst im öffentlichen Raum spielt eine wichtige Rolle in Antons Praxis. Für sie ist das Arbeiten außerhalb des „White Cube“ eine bewusste Strategie, um Zugangsbarrieren abzubauen und Kunst als gemeinschaftliche, inklusive Erfahrung zu positionieren – und nicht als elitäres Erlebnis. Ob in natürlichen Landschaften oder in städtischer Umgebung – ihre Werke laden zu unmittelbaren, taktilen Begegnungen ein, die auf gelebten Erfahrungen beruhen.
Anton war viele Jahre lang als Künstlerin unterwegs. Dank ihrer Mitgliedschaft bei Sculpture Network konnte sie flexibel reisen, ihre Arbeiten ausstellen und dabei Kontakte in ganz Europa knüpfen.
Sie ist seit mehr als zehn Jahren aktives Mitglied bei Sculpture Network und konnte bereits an zahlreichen Angeboten, Ausschreibungen und Veranstaltungen des Netzwerks teilnehmen.
“Sculpture Network ist eine wichtige Plattform, wenn man mit anderen Kolleg:innen interagieren und Ideen austauschen möchte. Die angebotenen Möglichkeiten sind für die Karriereentwicklung wichtig, wenn man als Künstler:in mobil ist und Kolleg:innen sowie künstlerische Konzepte aus anderen Ländern und Kulturen kennenlernen möchte“, sagt Anton.
Anton hat Sculpture Network auch viel zurückgegeben, indem sie regelmäßig Texte für dessen Newsletter aus dem Deutschen ins Englische übersetzte.
Irene Antons künstlerische Praxis steht über Disziplinen, Materialien und Kontexte hinweg beispielhaft für ein anhaltendes Engagement bei der Suche nach Neuem sowie für Austausch und Offenheit. Ihre Arbeiten haben ihre Wurzeln im textilen Denken, entfalten sich jedoch in räumlichen, sozialen und öffentlichen Kontexten. Dies steht im Einklang mit dem Ethos von Sculpture Network als Plattform, die auf der Grundlage von Dialog, Mobilität und gemeinsamem Lernen basiert. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Sculpture Network ist Antons künstlerische Laufbahn ein Beweis dafür, wie langfristiges Engagement in einer internationalen Gemeinschaft künstlerisches Wachstum, Experimentierfreudigkeit und ein tiefes Verständnis für zeitgenössische Skulptur fördern kann.