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Bewegliche Skulpturen: Die Faszination kinetischer Kunst

Die j√ľngste Ausgabe des sculpture network Online Club stand ganz unter dem Zeichen der kreativen Freiheit und der Faszination f√ľr kinetische Kunst. Am 7. November 2022 kamen 59 Mitglieder zusammen, um ihre Expertise zum Thema bewegliche Skulpturen und die k√ľnstlerische Ann√§herung an diese spielerische Art, Kunstwerke zu schaffen, zu vertiefen. Zun√§chst stellte Christian Le Dorze, Sammler abstrakter und kinetischer Kunst, sein aktuelles Projekt ‚Äď MOUVEMENT: Hommage √† Denise Ren√© ‚Äď das im Bonisson Art Center zu sehen ist, vor. Danach sprach Knopp Ferro, Mitglied des Online Club und ein K√ľnstler, der Skulpturen aus sich kontinuierlich bewegenden Linien schafft.

Christian Le Dorze begann mit einer kurzen, aber bemerkenswerten Geschichte √ľber die Gr√ľndung des Bonisson Art Center, mit welcher er der Welt seine "Sammelleidenschaft" n√§herbringen wollte. Seine Unvoreingenommenheit bei der Auswahl von Kunstwerken f√ľr seine Sammlung und sein best√§ndiger ‚ÄěWunsch etwas an die Gemeinschaft zu geben‚Äú wurden im Januar 2021 in den ehemaligen Weinkellern des Ch√Ęteau Bonisson in der Provence umgesetzt. Mit freiem Zugang f√ľr Besucher*innen und bis zu vier kuratierten Projekten pro Jahr avancierte das Zentrum zu einem beliebten Ort der Kunst f√ľr ein sehr diverses Publikum ebenso wie f√ľr sehr diverse zeitgen√∂ssische K√ľnstler*innen, alle von der Leidenschaft angetrieben, mit den unterschiedlichsten Ans√§tzen des plastischen Schaffens zu experimentieren.

Christian Le Dorze, der seine Sammlert√§tigkeit vor einiger Zeit mit Malerei begann und sich sp√§ter auf die kinetische Kunst verlegte, betont, dass die Begegnungen mit den K√ľnstler*innen und der Kunstszene sein Interesse an der Gegenwartskunst nur verst√§rkt h√§tten. Im Hinblick auf das aktuelle Projekt MOUVEMENT ‚Äď die 6. Ausstellung des Zentrums ‚Äď erl√§utert Christian Le Dorze, dass seine pers√∂nliche Bekanntschaft mit der verstorbenen Pionierin der Pariser Galerienwelt, Denise Ren√©, einer der Beweggr√ľnde f√ľr die Kuratierung dieser Hommage war.

    

Die Karriere von Denise Ren√© ist ein hervorragendes Beispiel f√ľr ein engagiertes Wirken im Bereich der geometrischen Abstraktion und kinetischen Kunst, verbunden mit der ambitionierten Absicht, diese Kunstrichtung international zu f√∂rdern. Denise Ren√© etablierte 1955 mit der wegweisenden Ausstellung The Movement die kinetische Kunst als eine Kunstform, ‚Äědie die Begriffe Raum, Dynamik und Geschwindigkeit in sich vereint‚Äú. Mit Kunstwerken von Victor Vasarely, Alexander Calder, Marcel Duchamp, Jean Tinguely, Yacoov Agam, Pol Bury und Jes√ļs Rafael Soto erm√∂glichte The Movement einen tiefen Einblick in die kinetische Kunst. In ihrem Spiel mit der Instabilit√§t der Realit√§t und der individuellen Wahrnehmung des Betrachters, hat die kinetische Kunst eine neue abstrakte √Ąsthetik der Bewegung geschaffen. So k√∂nnen selbst minimalste Bewegungen, wie zum Beispiel ein ‚ÄěLufthauch‚Äú, diese Kunstwerke zum Leben erwecken.

Die aktuelle Ausstellung MOUVEMENT im Bonisson Art Center ist nicht nur eine Hommage an die urspr√ľngliche Ausstellung in der Galerie Denise Ren√© der 1950er Jahre, sondern auch ein weiteres Beispiel f√ľr die Wiederbelebung der kinetischen Kunst. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit Denis Kilian, Direktor der Galerie und Neffe von Denise Ren√©, kuratiert. Die zugrunde liegende Idee war nicht nur, die Anf√§nge der kinetischen Kunst mit Werken aus den 1940er und 1950er Jahren zu zeigen, sondern auch einen echten Dialog zwischen den Pionieren und den modernen zeitgen√∂ssischen K√ľnstler*innen im selben kinetischen Universum herzustellen.

MOUVEMENT: Hommage √† Denise Ren√© verbl√ľfft mit seinen vielf√§ltigen Formen der Transformation, die durch Luft, Licht und Motoren erzeugt werden. Auch wenn einer der wesentlichen Vorteile der kinetischen Kunst in der Verwendung neuer innovativer Materialien und Techniken liegt, sollten wir die Einwirkung des Betrachtenden und die Bedeutung der ‚Äěnat√ľrlichen Bewegung‚Äú nicht au√üer Acht lassen.

Die aktuelle Ausstellung vereint mehr als 60 Kunstwerke von 42 herausragenden K√ľnstler*innen aus aller Welt. Es ist bemerkenswert, wie jeder von ihnen seinen eigenen pers√∂nlichen Zugang und seine ganz eigenen k√ľnstlerischen Mittel einsetzt, um ‚Äědie Sensation der Bewegung sp√ľrbar zu machen‚Äú.

Auch wenn die kinetische Kunst Europa und S√ľdamerika gleicherma√üen in ihren Bann gezogen hat, hat sie doch mit einigen geografischen Schwierigkeiten zu k√§mpfen. Es ist allgemein bekannt, dass in der zweiten H√§lfte des 20. Jahrhunderts in den USA die Pop Art dominierte, eine Tatsache, die sich nachteilig auf die ersten Gehversuche der kinetischen Kunst in Nordamerika auswirkte. Die von Denise Ren√© gezeigte Ausstellung wurde von der Kunstwelt nicht unterst√ľtzt und sah sich bedauerlicherweise mit harter Kritik von Fachleuten und Medien konfrontiert. Diese historische Schieflage besteht bis heute.¬†

Nachfolgend finden Sie Kurzdarstellungen zu einigen der Bildhauer*innen, deren Werke in der Ausstellung MOUVEMENT: Hommage à Denise René zu sehen waren.

Alberto Biasi, Come palliole farfalle, 1986, PVC strips laid on painted panel, 102 x 102 cm
Alberto Biasi, Come palliole farfalle, 1986, PVC strips laid on painted panel, 102 x 102 cm

 

Alberto Biasi (geboren 1937) ist ein italienischer K√ľnstler, dessen Werke ‚Äědie physische und visuelle Wahrnehmung fordert, um somit die Grenzen zwischen dem Kunstwerk und dem Betrachtenden aufzul√∂sen‚Äú. Seine Werke scheinen durch minimale Vibrationen zu entstehen, die in Wirklichkeit optische T√§uschungen sind. Dieser Effekt, diese visuelle T√§uschung, f√ľhrt dazu, dass der Betrachtende nicht in der Lage ist, die visuelle Form unmittelbar zu verstehen oder abzugrenzen. Alberto Biasi stellt den Betrachtenden vor eine Herausforderung mit seinen schwindelerregenden Formen, die er mit Hilfe von Farbe und Licht und unter Verwendung der verschiedensten Materialien erzeugt. Die in der Ausstellung gezeigte Arbeit besteht aus verzerrten geometrischen Formen, die sich durch die Bewegung des Betrachtenden st√§ndig ver√§ndern.

Anne Blanchet, CCCCLVII, 2016,<br />Light drawing, incised plexiglass,<br />aluminic back, 110 x 110 x 4.5 cm
Anne Blanchet, CCCCLVII, 2016,
Light drawing, incised plexiglass,
aluminic back, 110 x 110 x 4.5 cm

Anne Blanchet (geboren 1950) ist eine talentierte Vertreterin der zeitgen√∂ssischen Kunst, die mit Licht, Raum und Bewegung arbeitet. Am Anfang ihres k√ľnstlerischen Werdegangs waren ihre Arbeiten vom amerikanischen Minimalismus und im Besonderen von Werken mit R√§umlichkeit und Licht inspiriert. Sie beginnt ihre Karriere mit monumentalen Installationen, entdeckt dann das Licht als eigenst√§ndiges k√ľnstlerisches Mittel und konzentriert sich seit 1994 auf das, was sie "Light Drawings" (Lichtzeichnungen) nennt. Anne Blanchet f√ľhrt den Betrachter in die "v√∂llig wei√üe, unbekannte und stille" Welt des Kunstwerks. Indem sie die leuchtenden Gebilde in die Plexiglasscheiben setzt, schafft sie einfache, aber zugleich ungew√∂hnliche geometrische Formen in unterschiedlichen Anordnungen, die es dem Betrachtenden erm√∂glichen, mit seiner Wahrnehmung zu spielen. Das in der Ausstellung gezeigte Werk ist eines der beeindruckendsten Beispiele f√ľr diese Synthese aus Licht, Bewegung und Raum.

Bei der Betrachtung der Kunstwerke sollten wir uns nun auf unseren zweiten Sprecher konzentrieren, dessen Arbeiten sich ebenfalls in der Ausstellung MOUVEMENT: Hommage à Denise René finden.

Knopp Ferro, ein Meister der flie√üenden Linien, sprach √ľber seinen eigenen k√ľnstlerischen Weg und √ľber die Ereignisse in der Kunst, die einen bedeutenden Einfluss auf seine Arbeit hatten. Als er in den 1960er Jahren in K√∂ln mit seinem Studium als Bildhauer und Performancek√ľnstler begann, war Knopp Ferro stark von der "√§u√üerst anarchistischen" Fluxusbewegung fasziniert. Die Erfahrung mit dem wohl pr√§gendsten Einfluss auf seine k√ľnstlerische Laufbahn, so Ferro, war jedoch die Entwicklung einer Fotografie, ein Vorgang, den er als Kind zusammen mit seinem Vater erlebt hatte.

‚ÄěDiese Verwandlung wurde zu einer grundlegenden Erfahrung f√ľr meine Arbeit als K√ľnstler. Deshalb werde ich sie nie vergessen‚Äú.

Jet Ferro Performance Art 8 Basel,1977
Jet Ferro Performance Art 8 Basel,1977

In seinen Anfangszeiten als K√ľnstler wurde Knopp Ferro Teil einer Gruppe namens Jet Ferro. Diese protestierte aktiv gegen Kommerz und die Kunstwelt und versuchte, ihren Weg mit Punkmusik und dem Tragen von kreativer Mode zu machen. Kontrovers war, dass die Kunstwelt dieses rebellische Verhalten liebte. Die Gruppe wurde sogar eingeladen auf der Art 8 Basel, 1977, aufzutreten.

Als er sp√§ter in die Schweiz zog und sich dem Performance-Theater Bumper to Bumper anschloss, fing Ferro an, den K√∂rper als Instrument zu benutzen und dabei mit Rhythmus und Tempo zu arbeiten. Nachdem er mit Kunststoffen und K√∂rpersprache experimentiert hatte, kehrte er zur Materialkunst zur√ľck und begann, Skulpturen und abstrakte Skizzen zu schaffen, die er mit Musik verglich.¬†

Knopp Ferro, Plan NW 3, 1993, Ink on paper
Knopp Ferro, Plan NW 3, 1993, Ink on paper

 

Obwohl sein Schwerpunkt auf der Bildhauerei liegt, besch√§ftigt sich Ferro auch mit anderen Formaten und Materialien. Seit den 1990er Jahren entstehen Videoinstallationen und Performances, in denen er verschiedene Formate und Arbeitstechniken kombiniert. Sein aktueller Ansatz ist die Arbeit mit winzigen Metallstreifen oder -st√§ben aus denen er k√ľnstlerische Installationen schafft. Diese Skulpturen werden an der Decke oder an einer Wand installiert und erzeugen nat√ľrliche Bewegungen, die auf die Umgebung reagieren und je nach Blickwinkel des Betrachtenden ihre Form und Gestalt ver√§ndern.

Knopp Ferro, Linienschiff Kap 22:26, 2016, Stainless steel, sticks, powder coating red, 315 x 390 x 245 cm
Knopp Ferro, Linienschiff Kap 22:26, 2016, Stainless steel, sticks, powder coating red, 315 x 390 x 245 cm

 

Knopp Ferro, Blue poetry 16:56, 2021, Edelstahl, Aluminium, ultramarinblaue Farbe, elektronischer Motor, 78 x 54 x 22 cm
Knopp Ferro, Blue poetry 16:56, 2021
Edelstahl, Aluminium, ultramarinblaue
Farbe, elektronischer Motor,
78 x 54 x 22 cm

Eines seiner letzten Werke Blue poetry 16:56, 2021 wird derzeit in der Ausstellung im Bonisson Art Center gezeigt. Unser erster Redner, Christian Le Dorze, bezeichnet Knopp Ferro als einen K√ľnstler, dessen Werke ‚Äěvon Leichtigkeit und Poesie gepr√§gt sind, eine schwebende Welt‚Äú.¬†

Ausf√ľhrliche Informationen zur Ausstellung MOUVEMENT: Hommage √† Denise Ren√©, das Bonisson Art Center, sowie √ľber Knopp Ferro und seine Kunstwerke finden Sie unter folgenden Links:
https://www.bonisson.com/bonisson-art-center/mouvement/ 
https://www.kferro.com/en

 

 

Victoria Davidyan.JPG

Autorin: Victoria Davidyan
Kunsthistorikerin

 

Galerie

Bonisson Art Center
Bonisson Art Center
Bonisson Art Center
Bonisson Art Center
Knopp Ferro, Blue poetry 16:56, 2021, Stainless steel, aluminum, ultramarine blue color, electronic motor, 78 x 54 x 22 cm
Knopp Ferro, Blue poetry 16:56, 2021, Stainless steel, aluminum, ultramarine blue color, electronic motor, 78 x 54 x 22 cm
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