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Vom Suchen und Finden eines Reisenden

Ein Interview mit Künstler und start'19 Gastgeber Stefan Bucher-Twerenbold, der Geschichten und objets trouvés in seiner Kunst verwebt - unter anderem in seiner neuen Installation "The Journey to Baba Yaga Wonderland".

Bucher-Twerenbold: The Journey to Baba Yaga Wonderland
Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to
Baba Yaga Wonderland, Installation mit objets
trouvés und Malerei, 2019. Copyright
Stefan Bucher-Twerenbold.

Die Arbeiten von Stefan Bucher-Twerenbold sind spielerisch, sie beinhalten Elemente des Art Brut und Einflüsse des Comic aber sind vor allem aus objets trouvés gemacht. Schaut man genauer hin, findet man bekannte Alltagsgegenstände in seinen Werken, die entfunktionalisiert einer neuen Sache dienen. In Luzern geboren und nun im Nebikon beheimatet, arbeitet Stefan Bucher-Twerenbold als freier Kunstschaffender und in Teilzeit als Lehrer. Seine Werke erzählen Geschichten, die Kinder ansprechen, aber ebenso mit einem Augenzwinkern und auf einer anderen Ebene Erwachsene. Im Landessender Beromünster, eine historische Institution die heute verschiedenste Kunst ausstellt, wird er am 27. Januar seine Installation The Journey to Baba Yaga Wonderland eröffnen. Wir haben nachgefragt, worum es dabei geht.

 

Wo stellen Sie Ihre Kunst im Landessender Beromünster momentan aus?
Im Moment bespiele ich einen Raum im Landessender Beromünster. Generell habe ich im Außenraum eine große Skulptur aber die ist schon länger dort. Die Ausstellung werde ich am 27. Januar zum Anlass von start'19 im Landessender Beromünster eröffnen. In dem Werk geht es um das, was ich auf einer meiner vielen Reisen im Reisetagebuch festgehalten habe.
Meine Installation The Journey to Baba Yaga Wonderland hat mit den russischen Baba Yaga Märchen zu tun, auf die ich  durch meine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn in Russland und Sibirien aufmerksam geworden bin. Interessant ist, dass die Märchen in Sibirien auf dem Land verschwunden sind, obwohl sie jahrtausendelang überliefert wurden. Ich habe die Märchen in Tuschezeichnungen auf Büttenpapier verarbeitet, und sie in die Installation integriert. Das Kunstwerk selbst ist auch eine Reise, denn es ist ein work in progress wie die Modelleisenbahn, die niemals fertig wird.

Bucher-Twerenbold: The Journey to Baba Yaga Wonderland
Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to Baba Yaga Wonderland,Installation mit objets trouvés
und Malerei, 2019. Copyright Stefan Bucher-Twerenbold.

 

Ich arbeite mit objets trouvés. Das Podest zum Beispiel, auf dem die Tuschemalereien sind, besteht aus 900 Kilo Hartgummirollen vom Gotthardbasistunnel, die von den dortigen Materialförderbändern kommen. Ich reise gerne an Orte, an die sonst nicht viel gereist wird. 

Was für eine Institution ist der Landessender Beromünster?
Wir sind ein Künstlerkollektiv. Der Landessender hat mehr Leute als das Kunstmuseum in Luzern und es ist eines der bekanntesten und größten Gesamtkunstwerke in der Schweiz. Es gibt immer eine Führung, das heißt, es ist nicht so wie bei einem Museum, dass man frei herumlaufen kann. Es ist ein riesiger Komplex - ein besonderes Konzept! Die historische Komponente ist auch wirklich spannend: der Landessender war das einzige Radio, was im 2. Weltkrieg keine Propaganda gesendet hat. Er war gut gesichert und zu dieser Zeit und für weitere Jahrzehnte ein wichtiger Sender für unabhängige Nachrichten. So wurde er zum Symbol der „Geistigen Landesverteidigung“.

Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to Baba Yaga Wonderland,  Installation mit objets trouvés, 2019. Copyright Stefan Bucher-Twerenbold
Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to Baba Yaga Wonderland,
Installation mit objets trouvés und Malerei, 2019.
Copyright Stefan Bucher-Twerenbold

Wie sieht Ihr Arbeitsprozess aus?
Ich habe mit Malerei begonnen und mit diesen Arbeiten bei dem internationalen Comixfestival fumetto in Luzern mitgemacht. Dort sind die Leute zu mir gekommen und haben mich gefragt, „Du, hast du nichts Dreidimensionales?“ Und da ich mit Superhelden gearbeitet habe, habe ich dann aus Hero-Konservendosen Heroes gemacht. Ich habe da immer variiert, manche Themen habe ich mit Skulpturen umgesetzt, manche mit Skulpturen und Malerei und manche mit Malerei. Über den Sommer mache ich eher Skulpturen und im Winter male ich,  eigentlich immer in Serie. Die Installation im Landessender ist beides- die Malereien sind Teil der Installation und selbst auch dreidimensional, denn sie sind als Leporello aufklappbar.

Eigentlich alles, was zur Skulptur wird, sind objets trouvés. Dreißig Prozent meines Arbeitsprozesses besteht daraus, in der Schweiz herumzufahren und nach Objekten zu suchen. Die nächsten Dreißig Prozent sind dann die gefundenen Teile zu kombinieren und zu schauen dass es in die Serie passt. Und die restlichen Prozente sind, die Skulptur zu schaffen und in das Konzept einzubauen. 

Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to Baba Yaga Wonderland,  Installation mit objets trouvés, 2019. Copyright Stefan Bucher-Twerenbold
Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to Baba Yaga Wonderland,
Installation mit objets trouvés und Malerei, 2019. Copyright Stefan Bucher-Twerenbold

 

Wie lange dauert dieser Prozess?
Das ist unterschiedlich. Für eine meiner großen Auftragsarbeiten habe ich ein Jahr in der Schlosserei gearbeitet, weil das mit zwei Tonnen Gewicht auch statisch stimmen musste. Aber die kleineren Figuren entstehen manchmal an einem Tag. Und manchmal habe ich schon alle Teile da, aber der kreative Prozess dauert länger. Das ist wie bei Meret Oppenheim: rein vom Machen her ist das keine Kunst aber die zündende Idee am Schluss, die alles so einfach erscheinen lässt, muss passen. Das ist es, was Zeit in Anspruch nimmt.

Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to Baba Yaga Wonderland,  Installation mit objets trouvés, 2019. Copyright Stefan Bucher-Twerenbold
Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to Baba Yaga Wonderland,
Installation mit objets trouvés und Malerei, 2019.
Copyright Stefan Bucher-Twerenbold

Wie sind Sie darauf gekommen, Kunst zu machen und was inspiriert Sie?
Ich habe eigentlich immer kreative Dinge gemacht. Als ich als Lehrer gearbeitet habe, habe ich mit den Kindern Projekte gemacht, also Dinge wie Trickfilme, Kunstprojekte und Faschingsumzugswägen. Dafür habe ich meine kreative Energie gebraucht. Dann hatte ich einmal eine Klasse, mit der man machen konnte, was man wollte: die wollte sich einfach nicht motivieren. Meine Frau hat dann gesagt, „Mach‘ doch mal dein eigenes Projekt.“, und das wollte ich eigentlich schon lange machen. Heute arbeite ich neben meiner Beschäftigung als Künstler in Teilzeit als Lehrer im Bereich Mathematikdidaktik, das ist auch kreativ!

Was erwartet die Gäste von start’19 am 27. Januar? 
Meine Arbeit The Journey to Baba Yaga Wonderland wird zum Anlass von start’19 eröffnet. Die Eröffnung wird im Rahmen der sonntäglichen Führung im KKLB (Kunst und Kultur im Landessender Beromünster) stattfinden und ich werde im Gespräch mit dem Künstler Wetz das Werk erläutern.
Für die Kinder findet parallel eine spezielle Führung statt. Die Veranstaltung wird etwa 90 Minuten dauern und es gibt auch ein Restaurant für die, die etwas essen und trinken wollen. 

start’19 - sculpt the world with us!

Landessender Beromünster – KKLB
Landessender 1-3
6215 Beromünster
Schweiz

Sonntag 27. Januar 2019 
ab 11.00 Uhr

Klicken Sie hier, um sich anzumelden!

Nicht nur in Beromünster ist am 27. Januar eine start’19 Veranstaltung geplant - 74 weitere Orte in 22 Ländern feiern an diesem Sonntag die dreidimensionale Kunst! Nehmen Sie teil und suchen Sie sich ein Event in Ihrer Nähe aus- Sie werden sicher fündig. 
Klicken Sie hier, um Ihr start-Event zu finden!
 

Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to Baba Yaga Wonderland,  Installation mit objets trouvés, 2019. Copyright Stefan Bucher-Twerenbold
Stefan Bucher-Twerenbold, The Journey to Baba Yaga Wonderland,
Installation mit objets trouvés und Malerei, 2019. Copyright Stefan Bucher-Twerenbold

 

 

 

 

Autorin: Christina Benesch

Christina Benesch arbeitet im Münchner sculpture network Büro und betreut die start'19-Gastgeber, nachdem sie im Sommer ihren Master im kulturwissenschaftlichen Fach „Doing Culture“ abgeschlossen hat. 

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