Deutschland
Georg Christian Steckenbauer
Formkräfte – Naturformen als Speicher von Wachstum, Widerstand und Veränderung. Der Wuchs eines windgeformten Baumes, die Schichten einer Muschel und die Furchen einer Borke bewahren die Kräfte, durch die sie entstanden sind. Meine Skulpturen machen diese Spuren sichtbar und übersetzen sie in Stahl.
Im Zentrum meiner Arbeit stehen Formkräfte: jene äußeren und inneren Kräfte, durch die Natur Gestalt hervorbringt. Naturformen verstehe ich als Speicher von Wachstum, Widerstand und Veränderung. In ihnen verdichten sich Zeit und Bewegung, Einwirkung und Anpassung.
Ein Baum schreibt den Druck des Windes in seinen Wuchs ein. Eine Muschel erweitert ihre Gestalt Schicht um Schicht. Borke schützt das Lebendige und trägt zugleich die Spuren seines Werdens. Solche Formen sind keine unveränderlichen Zustände, sondern sichtbare Zeugnisse fortdauernder Entwicklung.
Meine Skulpturen bilden diese Erscheinungen nicht einfach nach, sondern übertragen ihre formbildenden Prinzipien in eine eigene Sprache. Die „Windkörper“ untersuchen, wie äußere Kräfte auf einen Körper einwirken und sich in ihm einschreiben. „Borke 5“ und „Unter der Haut“ richten den Blick auf die Oberfläche als Grenze zwischen Sichtbarem und Verborgenem. In den Muschelformen wird Wachstum als räumliche Bewegung erfahrbar.
Stahl ist Gegenpol und Ausdrucksmittel zugleich. Seine Härte und Beständigkeit treffen auf eine Formbarkeit, die massive Körper ebenso wie filigrane Strukturen ermöglicht. Verformungen, Schweißnähte und Bearbeitungsspuren bleiben als Zeichen des Entstehens sichtbar. Durch Wärmebehandlung entfaltet der Stahl zudem seine eigene Farbigkeit – von tiefen Rot- und Brauntönen bis zu leuchtenden Gelbnuancen.
So zeigen meine Arbeiten Form als verdichtete Zeit: gewachsen, geprägt und verwandelt – bewahrt im Stahl.