KunstHaus Vera Staub

Baum zur Guten Hoffnung

ÔÇśBaum zur Guten HoffnungÔÇÖ

Die Installation von Vera Staub l├Ądt zum Nachdenken ├╝ber Ohnmacht und Hoffnung in schwierigen Zeiten ein.



Aus einer gewissen Distanz erscheint der ┬źBaum zur Guten Hoffnung┬╗ wie ein Hinweis auf ein Gartenfest. Die verschiedenen Farbtupfer erinnern an Ballone; Hoffnung scheint also zun├Ąchst assoziiert mit Ausgelassenheit, Freude, Jubel. Das ├╝berrascht, denn angesichts der weltpolitischen Lage m├Âgen vielen Leuten solch ├╝berschw├Ąngliche Gef├╝hle zunehmend fremd erscheinen.

Wer jedoch den Garten betritt und den von Vera Staub geschm├╝ckten Baum n├Ąher betrachtet, erkennt, dass es sich bei den vermeintlichen farbigen Ballons in Wahrheit um neun Nachbildungen schwangerer B├Ąuche aus Gips und Epoxy handelt. Sie weisen unterschiedliche Formen, Gr├Âssen und Positionen auf, gemeinsam ist ihnen aber, dass sie hohl bzw. leer sind. Die Entstehung von etwas Neuem stellt hier sogleich auch die Frage nach seiner konkreten Ausgestaltung: Was genau in jedem dieser B├Ąuche heranw├Ąchst, bleibt offen.

Die Installation schliesst an fr├╝here Arbeiten der K├╝nstlerin an, in welchen ┬źSchwangerkeit┬╗ als menschliche Grunderfahrung dargestellt wird: Eine Person, die ┬źGuter Hoffnung┬╗ ist, ist konfrontiert mit dem Potenzial, das in ihr steckt, ebenso wie mit dem Grenzen ihrer eignen Einflussm├Âglichkeiten - eine Schwangerschaft ist ein kreativer Prozess und zugleich auch die Erfahrung eines Kontrollverlustes. Dass die verschiedenen Schwangerschaften in einem Baum platziert wurden, l├Ąsst biblische Bez├╝ge erahnen ÔÇô der Baum des Lebens aus der Sch├Âpfungsgeschichte dr├Ąngt sich auf -, l├Ąsst aber auch allgemeine Fragen zum Zusammenhang von Leben und Verg├Ąnglichkeit, menschlichen Zeitdimensionen und Natur aufkommen.

Der Aktualit├Ątsbezug dieses Werks ist darin begr├╝ndet, wie sie eine gegenw├Ąrtig weit verbreitete Gef├╝hlslage von Verunsicherung und bisweilen Hilflosigkeit aufnimmt und als menschliche Konstanten ausweist. Das Gef├╝hl, auf sich selbst zur├╝ckgeworfen zu sein, wird von seiner isolierenden Wirkung befreit und als etwas alle Menschen Verbindendes ausgewiesen.

Vera Staubs Installation l├Ądt somit dazu ein, intensive Gef├╝hle von Ohnmacht und Verunsicherung anzunehmen und diesen nachzusp├╝ren. Hoffnung, so wird hier deutlich, ist nicht gleichbedeutend mit einer naiven ├ťberzeugung, dass nichts schief gehen kann, oder einer Verleugnung von offenkundigen Realit├Ąten ÔÇô sie ist kompatibel mit Angst und Verunsicherung. Symbolisiert im ┬źBaum der Guten Hoffnung┬╗ ist die Einsicht, dass es manchmal gerade das Akzeptieren solcher Gef├╝hle sein kann, das uns voranbringt. Oder, wie Martin Luther angeblich sagte: ┬źWenn ich w├╝sste, dass morgen die Welt unterginge, w├╝rde ich heute noch ein Apfelb├Ąumchen pflanzen┬╗.

Datenblatt

Jahr
2022
Material
Sonstige, Kunstharz, Gips
Stil
Installation, Land Art
Thema
Installation, Land Art
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