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Die Entwicklung der zeitgenössischen Skulptur

Curators' thoughts on sculpture being made in Europe today. By Sya van ‚Äėt Vlie.

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Folkert de Jong, The Primacy of Matter over Thought

F√ľr die Entwicklung der zeitgen√∂ssischen Skulptur war meiner Meinung nach Marcel Duchamps ‚ÄěErfindung‚ÄĚ der Ready-mades von herausragender Bedeutung. Seine Abkehr von der Malerei hin zur Herstellung von Ready-mades wurde von Thomas McEvilley, bzw. Thierry de Duve als √úbergang von Malerei zur Skulptur (von einem bestimmten Medium zu einem anderen) und als √úbergang von Malerei zur Kunst (von einem bestimmten Medium zu einem allgemeinen generischen Kunstbegriff) interpretiert. In den sechziger Jahren, als sich die Malerei vor√ľbergehend in einer Sackgasse befand, vollzogen die Minimalisten einen √§hnlichen √úbergang. Donald Judd gab die Malerei auf, um ‚Äěspecific objects‚ÄĚ - wie er sie nannte - ¬†zu schaffen, die er f√ľr ihn weder Malerei noch Skulptur waren.

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Robert Voerman, ‚ÄėWalk-in sculpture‚Äô Tarnung, 2010

F√ľr McEvilley geh√∂rten diese Objekte zum Bereich der Skulptur. De Duve sah in ihnen beides: Malerei und Skulptur. In seinen Augen war der √úbergang den Judd vollzog, auch ein √úbergang von einem bestimmten Medium zu einer generischen Kunstauffassung. Seitdem war Skulptur frei, um ihre Grenzen zu erforschen, diese zu √ľberwinden und ihre Einsatzm√∂glichkeiten zu erweitern. Im Outdoorbereich f√ľhrte dies zur Landart. Die Kunsthistorikerin Rosalind Krauss unterschied zwischen drei Kategorien von Landart: markierte Orte, Orts-Konstruktionen vor Ort und axiomatischen Strukturen. Im Innenraum f√ľhrte diese Erweiterung zu living sculptures, Body-art und Performancekunst.

Alle die neuen Kategorien wurden mittels Foto oder Film dokumentiert, was diesen damals neuen Medien skulpturalen Wert verlieh. Sobald jedoch die K√ľnstler deren Einsatzm√∂glichkeiten entdeckt und erforscht hatten, wurden sie zu zwei autonomen Kunstformen: Fotografie und (Video-) Film. √úberschneidungen zwischen diesen Disziplinen f√ľhrten zu Multimediainstallationen. Installationsk√ľnstler erzeugen nachhaltige Erfahrungen beim Publikum und brachten es dazu sich so zu verhalten, so wie sie es sich vorstellten. Der Zuschauer wurde gleicherma√üen zum Teilnehmer, zum Bestandteil und zum Co-Produzenten des Kunstwerks.

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Nienke Korthof, Steps of Science, 48 tiles of organized knowledge

Zeitgen√∂ssische Skulptur kann heute kaum mehr einem spezifischen Medium zugeordnet werden. Sie hat sich zu raumbezogener oder dreidimensionaler Kunst entwickelt. Neben den traditionellen √úberschneidungen zwischen Skulptur und Architektur, Theater, Natur und zweidimensionalen Kunstformen wie Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie und Film wurden neue Kunstformen zwischen raumorientierter Kunst und Wissenschaft geschaffen, wie beispielsweise research art und und bio-art. Einige K√ľnstler arbeiten gerne mit Nicht-K√ľnstlern zusammen, um gemeinsam viele Facetten von community art zu schaffen. Schlie√ülich, hat die Globalisierung einige K√ľnstler veranlasst unsere koloniale Vergangenheit zu untersuchen. Sie denken, dass ein Umdenken in der Art und Weise, wie wir nicht-westlichen V√∂lker und deren Kunst sehen, erforderlich ist. Andere K√ľnstler beziehen kritisch Stellung zu Themen wie Migration und Asylsuchenden. Als Kuratorin folge ich gerne allen diesen Entwicklungen. Ich interessiere mich f√ľr skulpturale Erschlie√üungen und √úberschneidungen, sowohl f√ľr die traditionellen als auch die neuen. F√ľr die Ausstellungen, die ich bisher organisiert habe, waren als Ausgangspunkt eher formale √úberlegungen als die Wahl eines Themas vorrangig.


Quellen:
Thomas McEvilley ‚Äď Sculpture in the Age of Doubt
Thierry de Duve ‚Äď Kant after Duchamp
Rosalind Krauss ‚Äď Sculpture in the Expanded Field


Von der Kuratorin ausgew√§hlt K√ľnstler, deren Werk die beschriebene Idee von Skulptur veranschaulicht:

Im Hinblick auf meine Definition von Skulptur, denke ich, dass eine Klassifizierung durch Crossovers, der beste Weg ist, um meine Sichtweise zu illustrieren. Hier jedoch werde ich versuchen, eine Einordnung von Bildhauern vorzunehmen und die Kategorie zu der die Bildhauer und bildende K√ľnstler geh√∂ren, zu benennen.

Einige der Bildhauer sind sehr bekannt, sogar ber√ľhmt, andere nicht. Alle gemeinsam repr√§sentieren sie sehr gut, was die zeitgen√∂ssische niederl√§ndische Bildhauerszene zu bieten hat.

Folkert de Jong - Crossover zwischen Skulptur und Malerei (Niederlande, 1972)
Katrien Vogel¬†‚ÄstCrossover zwischen Skulptur und Zeichnung (Belgium, 1961) Lebt und arbeitet in den Niederlanden
Jack Prins -  Crossover zwischen Skulptur und Grafik (Niederlande, 1947)
Rob Voerman - Crossover zwischen Skulptur und Architektur (Niederlande, 1966)
Lin de Mol -  Crossover zwischen Skulptur und Fotografie und Videofilm (Niederlande, 1966)
Fardou Keuning¬†¬Ė - Crossover zwischen Skulptur und Theater (Niederlande, 1984)
Mari Shields & Johan Sietzema¬†‚Äst Crossover zwischen Skulptur und Natur, im Duo, aber auch einzeln.
Mari Shields (USA, 1984); Johan Sietzema (Niderlande, 1953)
Nienke Korthof  - Crossover zwischen Kunst im öffentlichen Raum und Wissenschaft (Niederlande, 1982)
Falke Pisano -  ist spezialisiert auf reserach art - crossovers between installation and science (Niederlande, 1978)
Sandro Setola - multimedia installation (Niederlande, 1976)

Sya van 't Vlie
Geboren in den Niederlanden. Lebt und arbeitet in Amsterdam.

Von 1998 bis 2010 arbeitete sie f√ľr die Visual Arts Foundation in Amsterdam. Als Konservatorin der Skulpturensammlung war sie f√ľr das Management, die Verwaltung und die Ank√§ufe verantwortlich. Zu Zweck des Ankaufs organisierte sie rund zehn Einzel- und Duo-ausstellungen pro Jahr

Seit 2006 arbeitet sie auch als freie Kuratorin.

Im Sommer 2009 kuratierte sie¬†Non-Crossovers¬†f√ľr das Pulchri Studio in Den Haag, mit 29 Bildhauern des Bildhauer Kollektivs ABK. ‚ÄěNon-Crossovers‚ÄĚ sind Arbeiten, die die Grenzen von Skulptur erforschen. Sie bewegen sich an den Grenzen zwischen Skulptur und anderen (visuellen) Kunstdisziplinen und der Natur, ohne sie zu √ľberschreiten.

Im Sommer 2011 kuratierte sie¬†Kijker in Beeld¬†(dt. Bildbetrachter) auch im Pulchri Studio. ‚ÄěBeeld‚ÄĚ (dt. Bild) hat auf Niederl√§ndisch zwei Bedeutungen: ‚ÄěSkulptur‚ÄĚ und ‚ÄěBild‚ÄĚ, so bedeutet der Titel ‚Äěder Betrachter als Teil der Skulptur‚ÄĚ sowie ‚ÄěFokus auf den Betrachter‚ÄĚ. Die Ausstellung hatte einen multidisziplin√§ren Ansatz, mit besonderem Schwerpunkt auf √úberschneidungen zwischen Skulptur, Theater oder Film. Sie entschied sich f√ľr f√ľnfzehn Bildhauer, die kinetische, performative und / oder interaktive Skulpturen und Installationen fertigten, und den Betrachter auf verschiedene Weise mit einbezogen. Der Betrachter war Teil und zugleich Mitproduzent des Kunstwerks, Betrachter und Betrachteter.

Im Moment bereitet sie¬†Crossovers 1¬†vor, mit Werken, die √úberschneidungen zwischen dreidimensionalen Kunstwerken (Skulptur und Installation) und zweidimensionalen Kunstformen wie Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie und (Video-) Film darstellen. Die Idee ist, dass Mitglieder des Bildhauer Kollektivs ABK bildende K√ľnstler aus der zweidimensionalen Kunst einladen, um derartige √úberschneidungen zu schaffen.¬†

Wenn Sie Sya van't Vlie kontaktieren möchten, schreiben Sie bitte an info@sculpture-network.org

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