Preisverleihung 58. Biennale Venedig: Dreidimensionale Kunst im Zeitalter der Unruhe

Die Jury, die in diesem Jahr von Stephanie Rosenthal, der Direktorin des Martin-Gropius Baus, geleitet wird, gab am 11. Mai die diesjährigen PreisträgerInnen der 58. Biennale bekannt. Von der belgischen Ausstellung Mondo Cane bis hin zur mexikanischen Künstlerin Teresa Margolles, zeugen alle Kunstwerke von hohem sozialen und politischen Gehalt. Auch dreidimensionale Kunst kam dieses Jahr nicht zu kurz. 

May you live in interesting times - wirft man einen Blick auf die preisgekrönten Werke der diesjährigen Biennale, ergibt das von dem Kurator Ralph Rugoff, Leiter der Hayward Gallery in London, ausgewählte Motto der 58. Biennale, durchaus Sinn. Die Zeiten sind tatsächlich spannend, unruhig und trotz aufstrebender dystopischer Gedankenmuster, voller Kreativität. Die diesjährigen preisgekrönten Kunstwerke führen uns die komplexen Problematiken unserer Zeit mit all ihren einhergehenden Paradoxen vor Augen.  Dass die meisten von Ihnen sich der dreidimensionalen Kunst bedienen, zeigt die immens wichtige Rolle die dreidimensionale Kunst im zeitgenössischen Kunstalter eingenommen hat. 

 

Litauen und  Arthur Jaffa bekommen den goldenen Löwen

Der goldene Löwe für den besten nationalen Pavillon ging dieses Jahr an Litauen für die Opern-Perfomance Sun & Sea (Marina). Das Künstler-Trio Rugile Barzdziukaite, Vaiva Grainyte und Lina Lapelyte, stellen in ihrem Pavillon eine Opern-Performance inmitten eines künstlichen Strandes dar. Die Performance übt Kritik an den übermäßigen Konsum und dem Massentourismus aus, die dem Klimawandel und das Artenstreben bedrohen.  Den goldenen Löwen für den besten Künstler bekam Arthur Jafa für sein Video „The White Album“. Der Künstler, der auch für seine Skulpturen berühmt ist, sammelte für das preisgekrönte Video Hass-Videos aus dem Internet, Memes und Nachrichtenmaterial zum Thema Rassismus.

Arthur Jafa, The White Album; 2019; Single channel video projection, colour, sound; Photo: @ Francesco Galli. 58th International Art Exhibition - La Biennale di Venezia, May You Live In Interesting Times.

 

Haris Epaminonda : Ästhetik und Historie

Der silberne Löwe der „vielversprechende junge Künstler“  auszeichnet, geht in diesem Jahr an eine junge Künstlerin aus Zypern, Haris Epaminodas, für ihre, laut Jury, „sorgfältig konstruierten Konstellationen von Bildern, Objekten, Texten, Formen und Farben, die aus fragmentierten Erinnerungen, Geschichten und imaginären Verbindungen aufgebaut sind; und aussagen sollen, dass Persönliches und  Historisches zu einem mächtigen und doch losen Netz mit vielfältigen Bedeutungen verdichtet werden können”. Ihr Werk wirkt wie eine erfrischende Brise inmitten dystopischer künstlerischen Aufarbeitungen. Fragt man Sie nach der Aussage Ihrer Kunst, antwortet die in Berlinansässige Künstlerin, sie wolle durch ihre Kunst ausdrücken, dass die Menschheit gut ist, dass es Grund zur Hoffnung und ein Recht zum Träumen gibt. 


Haris Epaminonda; VOL. XXVII, 2019; Mixed media installation; Photo: © Nick Ash. 58th International Art Exhibition - La Biennale di Venezia, May You Live In Interesting Times

 

Mondo Cane: Dystopie und Humor 

 

Die mit der „Special Mention” bewertete dreidimensionale Installation Mondo Cane des belgischen Duos bestehend aus Jos de Gruyter und Harald Thys, wirft einen kritischen Blick auf die Resonanz der aktuellen sozialen europäischen Konstruktion. Über 20 robotisierte Marionetten, die jeweils folkloristischer Stereotypen gleichen, bewegen sich wie Maschinen in einem Raum, in einer durchgängigen Schleife gefangen, unfähig, laut der Künstler, der "alten patriarchalischen "sicheren" Gesellschaft zu entkommen, mit Regeln, die nicht mehr gültig sind". Der künstlerische Diskurs des Werkes  verweist auf einen wunden Punkt europäischer Gesellschaften: Einem Verlangen nach Sicherheit, in dem sich  die Angst verfestigt hat und die ein Modell nachahmt, welches längst veraltet ist. Die mechanischen Bewegungen der Figuren sind eine Spiegelung dieser lähmenden Angst, sagen De Gruyter und Thys: "Sie wissen, dass sie eines Tages überfallen werden, aber vorerst werden sie so funktionieren wie seit Hunderten von Jahren - im Kreis. Sie sind das Opfer ihrer eigenen Angst geworden".


Pavilion of BELGIUM; Mondo Cane; 58th International Art Exhibition - La Biennale di Venezia, MayYou Live In Interesting Times. Photo by: @ Francesco Galli. 

 

Special Price": Mexiko und Nigeria im Fokus

Teresa Margolles erinnert in ihren Werken an die Gewalt ihres Heimatlandes Mexiko, insbesondere an die geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen. Das von ihr auf der Biennale ausgestellte und mit dem „Special Price“ ausgezeichnete Kunstwerk Muro Cuidad Juárez zeigt eine Stacheldrahtwand aus Zementblöcken, in der Einschläge von Kugeln zu sehen sind, die vier Menschen das Leben gekostet haben. 
Auch die Künstlerin Otobong Nkanga bekam den „Special Price“ für ihr dreidimensionales Kunstwerk Veins Aligned, welches im Arsenal zu sehen ist und ihre, laut Jury, „fortwährende und inspirationsreiche medienübergreifende Untersuchungen der Politik des Bodens, des Körpers und der Zeit“. 

Left: Teresa Margolles, Muro Ciudad Juarez; 2010; Concrete blocks;58. Esposizione Internazionale d’Arte - La Biennale di Venezia, May You Live In Interesting Times. Photo by: @ Francesco Galli. 
Right: Otobong Nkanga, Various works; 2018; Mixed media; 58. Esposizione Internazionale d’Arte - La Biennale di Venezia, May You Live In Interesting Times. Photo by: @ Andrea Avezzù.

 

Eine Biennale im Zeichen der Komplexität

Am Tag der Eröffnung der Biennale verkündete der aktuelle Ausstellungspräsident Paolo Baratta, die Biennale erzähle von der Komplexität der menschlichen Existenz. Die diesjährigen preisgekrönten Kunstwerke sind ein klarer Ausdruck davon. Sie hinterfragen gesellschaftliche Muster, die symptomatisch für unsere Zeit sind und führen durch ihre komplexen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, zum Dialog mit den ZuschauerInnen. Lassen Sie sich selbst davon überzeugen und schließen Sie sich unserer Kunstreise zur Biennale nach Venedig vom 22. Bis 25. August an!

 

Zur Biennale-Reise

 

Porträt Carlotta Aubenque AutorinAutorin: Carlotta Aubenque

Carlotta Aubenque kümmert sich dieses Jahr um die sculpture network Biennale-Reise in Venedig. Für uns beschäftigt Sie sich mit allen wichtigen Themen rund um die größte Kunstbiennale.

 

 

 

 

Titelbild: Pavilion of LITHUANIA, Sun & Sea (Marina); Photo by: @ Andrea Avezzù. 58th International Art Exhibition - La Biennale di Venezia, MayYou Live In Interesting Times

 



 
 
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