Kunstmuseum Bochum
Kortumstraße 147
44787 Bochum
Deutschland
Maria Pinińska-Bereś: Under the Pink Flag
Eröffnung: Fr, 23. Oktober, 19 Uhr, Eintritt frei
Rosa, radikal und selbstbestimmt: Das Kunstmuseum Bochum zeigt eine große Retrospektive der Künstlerin Maria Pinińska-Bereś
Im Herbst zeigt das Kunstmuseum Bochum mit Maria Pinińska-Bereś – Under the Pink Flag eine große Retrospektive einer der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der polnischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung versammelt Skulpturen, Installationen und Performances aus fünf Jahrzehnten und zeichnet eindrücklich nach, wie konsequent Maria Pinińska-Bereś (*1931 in Poznań, † 1999 Kraków) ihren eigenen, unverwechselbaren Weg zwischen Kunst und Gesellschaftskritik verfolgte.
Im Zentrum ihres ebenso poetischen wie politischen Werks steht die Auseinander— setzung mit Weiblichkeit und den damit verbundenen gesellschaftlichen Zwängen. Subtil, humorvoll und erotisch erzählt ihre Kunst von der Komplexität eines Lebens innerhalb eines autoritären Systems. Als gelernte Bildhauerin experimentierte Pinińska-Bereś von Beginn an mit den Konventionen ihrer Disziplin: Sie ersetzte schwere, klassische Materialien durch Pappmaché, Stoff und Watte und erweiterte die Bildhauerei um Performances und Aktionen im öffentlichen Raum.
ROSA ALS WIDERSTAND
Wiederkehrendes und prägendes Element ihres Werks ist die Farbe Rosa – oft missverstanden als naiv oder harmlos, tatsächlich aber bewusst gesetzter Gegenpol zum omnipräsenten Rot im damals kommunistischen Polen. Bei Pinińska-Bereś steht Rosa für das Weibliche, das Häusliche, den Körper – und wird zum Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung. In Werkgruppen wie den Psychomebelki (Psycho- Möbelchen) oder Installationen wie Mój uroczy pokoik (Mein hübsches kleines
Zimmer, 1975) verbindet sie diese Farbsprache mit einer offenen, selbstbewussten Feier weiblicher Sexualität – und zugleich mit scharfer Kritik an einer Gesellschaft, die Frauen auf die häusliche Sphäre und die Rolle als Objekt männlichen Begehrens. reduziert.
Der Ausstellungstitel Under the Pink Flag verweist auf eine Reihe von Performances, die Maria Pinińska-Bereś ab 1976 in der Natur realisierte und bei denen sie mit einer rosafarbenen Fahne auftrat – etwa in Aneksja krajobrazu (Annexion der Landschaft, 1980). Die freie Natur wurde für die Künstlerin zu einem Raum jenseits kulturpolitischer Kontrolle. Mit der rosa Fahne kämpfte sie zugleich selbstbewusst für die Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen in der Kunstwelt und darüber hinaus – und feierte damit gleichzeitig die eigene künstlerische Rolle.
Jahrelang stand Maria Pinińska-Bereś im Schatten ihres Mannes Jerzy Bereś, eines renommierten Bildhauers und Performancekünstlers, dessen Werke auch in der Sammlung des Kunstmuseum Bochum vertreten sind. Mit dieser Retrospektive erhält sie nun die Anerkennung, die ihr lange verwehrt blieb. Begleitend ist es dem Kunstmuseum Bochum gelungen, mit dem Ankauf von Okno i demony (Fenster & Dämonen, 1996) eine bedeutende Arbeit der Künstlerin dauerhaft in die eigene Sammlung aufzunehmen.
Die Ausstellung Under the Pink Flag war in abgewandelter Form bereits im Kunstmuseum Luzern zu sehen. Für das Kunstmuseum Bochum wurde sie überarbeitet und mit Blick auf die großzügigen Räume des Museums neu konzipiert. Kuratiert wurde sie von Heike Munder und Jarosław Suchan gemeinsam mit Julia Lerch-Zajączkowska.
ÜBER DIE KÜNSTLERIN
Maria Pinińska-Bereś wurde 1931 in Poznań in Polen geboren. Nachdem ihr Vater zum Kriegsdienst eingezogen und von sowjetischen Truppen gefangen genommen worden war, floh sie mit ihrer Familie nach Kraków. 1956 absolvierte sie ihr Diplom der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste bei Xawery Dunikowski und heiratete den Künstler Jerzy Bereś. Die gemeinsame Tochter Bettina Bereś ist heute ebenfalls als Künstlerin tätig. Die Wohnung der Familie diente zugleich als Atelier und Treffpunkt für Künstler*innen und Intellektuelle.
1962 rief Pinińska-Bereś gemeinsam mit ihrem Mann die jährlich stattfindende Ausstellung Rzeźba Roku (Skulptur des Jahres) ins Leben. 1979 wurde sie in die Künstler*innenvereinigung Grupa Krakowska (Krakauer Gruppe) aufgenommen und stellte im selben Jahr bei der international bedeutenden Gruppenausstellung Feministische Kunst Internationaal in Den Haag aus. Trotz Zensur und eingeschränkter Meinungsfreiheit im kommunistischen Polen verfolgte sie konsequent ihren eigenen künstlerischen Weg. Maria Pinińska-Bereś starb 1999 in Kraków, heute gilt sie neben Natalia LL und Ewa Partum als eine der wichtigsten Vertreterinnen feministischer Kunst in Polen.
BEGLEITENDES PROGRAMM
Eröffnung
Freitag, 23. Oktober 2026, 19 Uhr
Es begrüßen Noor Mertens (Direktorin Kunstmuseum Bochum) und Olga Wysocka (Direktorin Adam Mickiewicz Institut), Eintritt frei.
Kuratorinnenführungen
Samstag, 24. Oktober 2026, 14 Uhr
Führung auf Englisch mit Heike Munder und Jarosław Suchan
Mittwoch, 2. Dezember 2026, 17 Uhr
Führung auf Deutsch mit Julia Lerch Zajączkowska
Sonderführung auf Polnisch
Mittwoch, 4. November 2026, 17 Uhr
Sonntag, 13. Dezember, 15 Uhr
Finnisage
Sonntag, 14. März 2027, 15 Uhr
Mit der Performance Żywy róż (Lebendiges Rosa) von Bettina Bereś
Es finden regelmäßig weitere Führungen und Veranstaltungen begleitend zur Ausstellung statt. Alle Termine finden Sie online unter:
kunstmuseumbochum.de/veranstaltungen
FÖRDERUNG & UNTERSTÜTZUNG
Maria Pinińska-Bereś – Under the Pink Flag ist eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Luzern und wird mitorganisiert vom Adam Mickiewicz Institut sowie mitfinanziert vom Ministerium für Kultur und nationales Erbe der Republik Polen. Die Ausstellung wird von der Stadt Bochum und dem Polnischen Institut Düsseldorf gefördert.