Jana Noritsch
Barlach Halle K
Klosterwall 13
20095 Hamburg
Deutschland
HAL BUSSE: WERK UND WIRKEN
In the centenary year of the artist Hal Busse (1926–2018), her estate archive presents a focused selection of key works from her oeuvre, including a number of rarely exhibited pieces. The exhibition HAL BUSSE: WERK UND WIRKEN [Work and Legacy] at Barlach Halle K in Hamburg offers insight into an artistic practice unfolding between figuration and abstraction through paintings, reliefs, drawings, and sculptural objects.
Beginning in the 1950s, Hal Busse transformed figurative motifs into serial, materially driven compositions by condensing form, colour, and structure in her paintings, an approach she later extended into reliefs and spatial sculptures. In the late 1960s and 1970s, she developed variable, open systems such as the object "Trinité (Alleen/Alleys)" (1973). At the same time, she created her reduced Elbe Drawings in Hamburg, which she exhibited in 1968 and 1971 at Kunsthaus Hamburg and within the BBK context. These works are now on public view once again.
The exhibition forms part of an ongoing research project on Hal Busse's oeuvre and artistic estate, initiated in 2020. Curated by Jana Noritsch together with Busse's daughter Johanna Bendixen, the exhibition is accompanied by a publication of the same title, a public programme, and a panel discussion on artists' estates. Work and Legacy marks the first comprehensive presentation of Hal Busse's work in Hamburg, the city where she lived from 1961 to 1989.
Open Discussion: 15 August 2026, 11:30 a.m.
Women in Art
An open panel discussion exploring the questions: How can genuine equality in the arts be achieved? Visibility instead of retrospective inclusion? After the recent wave of rediscovering women artists, what lasting changes remain? Who writes art history and decides who becomes visible—and who is left out, and why?
Panel Discussion: 22 August 2026, 3:00 p.m.
Artists' Estates
Join us for a discussion exploring the questions: Who is an artist's estate for? When does an estate become knowledge? Original works or digital records? Estate, research, the art market, or the museum—which of these shapes the long-term perception of an artist? And how can an artist's estate remain a living resource rather than simply something preserved?
Our database developer for the digital catalogue raisonné (design büro päpke, Kiel) will be present and happy to answer questions about inventorying, cataloguing, and the digital documentation of artworks.
Both: Everyone is welcome to attend (free admission); moderation: Jana Noritsch.
Venue: Barlach Halle K, Klosterwall 13, 20095 Hamburg
EXHIBITION Opening Hours:
Daily, 3:00–7:00 p.m., and by appointment
Closing Event:
Saturday, 29 August 2026
A biographical publication will be released alongside the exhibition, bringing together key aspects of Hal Busse's artistic practice (ciconia ciconia, ISBN 978-3-945867-71-6).
Press Preview: 12 August 2026, 11:00 a.m. (RSVP required)
Press Folder: Pressematerial: Ordner (Dropbox: Text/Bilder/Veranstaltungen)
pr@ bureau-verso.de
Press Registration:
Birgit HĂĽbner
info@ halbusse.de
Archive / Contact:
Jana Noritsch
archiv@ halbusse.de
Hal Busse: Die Entwicklung der plastischen WerkgruppenÂ
Die plastischen Werkgruppen nehmen innerhalb von Hal Busses Werkentwicklung eine besondere Stellung ein. Jana Noritsch, Biografin und Werkverzeichnisautorin von Hal Busse (1926-2018), beschreibt sie in der jüngsten Publikation HAL BUSSE – WERK UND WIRKEN nicht als isolierte Werkphase, sondern als Ergebnis einer über Jahre geführten Auseinandersetzung mit Farbe, Relief, Architektur und Raum. Bereits die frühen Arbeiten seien von wiederkehrenden Fragestellungen nach »Linie, Fläche, Farbe und Raum« sowie nach dem Verhältnis des »Menschen im Raum« geprägt (Noritsch, S. 17), die Hal Busse in den späteren plastischen Arbeiten fortführt.
Einen entscheidenden Moment bildet das Keramik-Relief für das Rheumakrankenhaus Bad Wildbad (1965, Verzeichnis der Kunst-am-Bau-Arbeiten: HB-WVZ-KAB-20). Das Werk entwickelt sich aus wenigen geometrischen Grundformen, die innerhalb eines regelmäßigen Rasters variiert werden. Hal Busse selbst erläutert rückblickend, sie habe bewusst den Backstein als Material des Gebäudes aufgegriffen und daraus ein Relief entwickelt, »in das gedrehte Rundformen und der gleichen Glasur eingesetzt werden konnten« (Noritsch, S. 169). Dieses formale Prinzip beschreibt Hal Busse später selbst als »Reihung [und Variation] eines oder weniger Formelemente« (Noritsch, S. 171). Damit wird nicht mehr das einzelne Motiv zum Ausgangspunkt der Gestaltung, sondern die Wiederholung und Variation weniger Grundelemente.
In der Hamburger Ausstellung HAL BUSSE - WERK UND WIRKEN werden zwei EntwĂĽrfe gezeigt, verzeichnet unter Keramikrelief Sporthalle, Wettbewerb Hochbauamt Stuttgart, ca. 1959/60 (Gouache auf Karton, 32,5 Ă— 50 cm, Inv-WVZ-HB-E-11710) und Variante Entwurf Sporthalle, ca. 1959/60 (Deckfarbe auf Karton; 27,5 x 47 cm, Inv-WVZ-HB-E-11708), abgebildet in der Biografie im Kapitel 1960, Abb. S. 139. Dort schildert Noritsch unmittelbar zuvor die kĂĽnstlerische Situation von Hal Busse um 1960 (Kunst-am-Bau-Pojekte, Ausstellungen usw.), geht hier auf diesen Wettbewerbsentwurf selbst jedoch nicht näher ein, sondern im parallel erscheinenden VERZEICHNIS DER KUNST-AM-BAU-ARBEITEN VON HAL BUSSE. Ebenso das Holzmodell o.T. [Modell fĂĽr Keramikrelief, Gestaltung des Speisesaals, Rheumakrankenhaus Bad Wildbad], um 1965 (Inv-WVZ-HB-KAB-12449). Das um 1965 entstandene Holzmodell (Inv-WVZ-HB-KAB-12449) belegt den Entwurfsprozess und gehört zum ĂĽberlieferten Projektbestand des Bad Wildbader Reliefs. Es zeigt, dass die kompositorische Ordnung bereits im Modell entwickelt wurde, bevor sie in das architekturgebundene Keramikrelief ĂĽbertragen wurde.Â
Besucher:innen der Ausstellung WERK UND WIRKEN können unmittelbar nachvollziehen, wie aus einem kleinen Modell ein großmaßstäbliches Wandrelief entstand.
Hal Busses Prinzip der Reihungen der Elemente bestimmt auch die Entstehung der Werkgruppe Alleen (Wandelbare Türme). Seit der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre entwickelt Hal Busse verschiedene Fassungen aus Holz beziehungsweise Aluminium und Plexiglas, in die kleine Figuren integriert sind (Noritsch, S. 168). Kennzeichnend ist ihre Variabilität: Die einzelnen Elemente können immer wieder neu angeordnet werden; eine endgültige Form ist nicht vorgesehen. Die Werkbeschreibungen führen diese Eigenschaft ausdrücklich als Bestandteil der Arbeiten an (Noritsch, S. 338–339).
Erhaltene Entwurfsskizzen verdeutlichen darüber hinaus, dass Hal Busse die Objekte nicht unabhängig von ihrer Umgebung denkt. Zeichnungen mit den Überschriften »Notizen zur Suche nach dem Wesentlichen« und Projekt für einen langen Flur verbinden die plastischen Elemente mit architektonischen Situationen. Ein späteres Layout für den Deutschen Künstlerbund bezeichnet dieses Verhältnis als »Raumrelation« (Noritsch, S. 339). Noritsch leitet daraus ab, dass sich Hal Busses Interesse zunehmend auf das Verhältnis von Mensch und Raum richtet. Die Alleen versteht sie daher als Fortsetzung der früheren »Grundlagenforschung zum Thema Farbe im Raum«, nun jedoch »mit Figuren, Modulen und Architekturen statt mit Reliefs und Farbflächen« (ebd.).
Innerhalb dieser Entwicklung erscheint schließlich TRINITÉ (Alleen) als konsequente Weiterführung des Variationsprinzips. Das 1973 entstandene Objekt besteht aus neun beweglichen Elementen, deren unterschiedliche Kombinationen Noritsch mit Gutenbergs beweglichen Lettern vergleicht. Nicht die einzelne Konfiguration steht im Mittelpunkt, sondern »das System der Variation« selbst (Noritsch, S. 171). Die plastischen Arbeiten entwickeln sich damit nach ihrer Darstellung aus einem kontinuierlichen Prozess, in dem Relief, Objekt und räumliche Ordnung aufeinander aufbauen.
Quelle: Biografie Hal Busse von Noritsch, Jana in: Hal Busse – Werk und Wirken, 2026, ciconia ciconia Berlin (S. 17–41, 61–146, 151–243)
WeiterfĂĽhrende Informationen zum Schaffen von Hal Busse, mit bĂĽrgerlichem Namen Hannelore Bendixen-Busse, sowie die Ausstellungsvita und Aktuelles findet sich auf der Seite des Nachlassarchivs: www.halbusse.deÂ
All image creditlines: Photo: Marcus Schneider, Courtesy Galerie Volker Diehl, Berlin © Hal Busse Archiv
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