Mitgliedsveranstaltung von
Harald Kienle

Neues Rathaus
Luitpoldplatz 13
Bayreuth
Deutschland

Eigenkunstwerk

Ausstellungshalle im Neuen Rathaus 22. Juli bis 22. August 2026

In Zusammenarbeit mit dem Kollektiv ROAMS

Zur Ausstellung

Unter dem Motto „Gesamtkunstwerk Bayreuth" feiert die Stadt das 150-jährige Bestehen des Festspielhauses. Als Gesamtkunstwerk wird etwas bezeichnet, das Musik, Dichtkunst, Schauspiel und Architektur vereint. Bayreuth, als Ort, wird zum „Gesamtkunstwerk" auch durch die Menschen, die hier leben. Ein in sich geschlossenes Kunstwerk, wie es das Konzept des Gesamtkunstwerks vorsieht, müsste um die Gesellschaft, die Menschen, erweitert werden. Das Konzept der sozialen Plastik, wie es Joseph Beuys beschrieb, wäre eine Möglichkeit, die Gesellschaft in ein Werk einzubinden.

Die Ausstellung „Eigenkunstwerk" geht der Frage nach, wie verschiedene Künste und der Mensch über die Idee des Gesamtkunstwerks und das Konzept der sozialen Plastik hinaus zukunftsfähige Werke und die mündige Gesellschaft darstellen können.

Wie das Gesamtkunstwerk vereint die Ausstellung unterschiedliche Ausdrucksformen zu einer übergeordneten Einheit; wie die soziale Plastik begreift sie die Beteiligten als aktive Gestalter einer gemeinsamen Wirklichkeit. Das Eigenkunstwerk führt diese Gedanken weiter, indem es die Offenheit des Prozesses und die schöpferische Eigenständigkeit jedes einzelnen Elements ins Zentrum stellt. Nicht die Vollendung, sondern die fortwährende Hervorbringung wird zum eigentlichen Werk.

Diese Ausstellung versteht sich nicht als abgeschlossenes Werk, sondern als offener Prozess. In Anlehnung an den Begriff der POIESIS – des Hervorbringens und Entstehens – wird Kunst nicht als fertiges Objekt, sondern als fortlaufender Akt der Gestaltung begriffen.

Die performative Arbeitsweise des Künstlerkollektivs roams macht die Ausstellung zu einem lebendigen Organismus, der sich durch Handlungen, Begegnungen und Entscheidungen stetig verändert. Dabei wird das Eigenkunstwerk auf mehreren Ebenen erfahrbar. Jedes einzelne Werk, jede Performance und jede beteiligte Person bildet ein Eigenkunstwerk mit eigener Form, eigener Dynamik und eigenem Charakter.

Gleichzeitig sind diese voneinander unabhängigen Einheiten Teil eines größeren Ganzen, das sich aus ihrem Zusammenspiel immer wieder neu zusammensetzt. Die Ausstellung selbst wird zum Eigenkunstwerk: ein autonomes und zugleich kollektives Gebilde, das aus einer Vielzahl individueller Beiträge entsteht und dessen endgültige Gestalt prinzipiell unbestimmt bleibt.

Die Besucherinnen und Besucher treten dabei nicht nur als Betrachter auf, sondern werden selbst zu Mitgestaltenden. Durch ihre Anwesenheit, ihre Entscheidungen und ihre Interaktionen beeinflussen sie die ästhetische und inhaltliche Entwicklung der Ausstellung.

Wir laden Sie herzlich dazu ein, selbst Teil des Eigenkunstwerkes zu sein.

Das Kollektiv: roams

Roams versteht sich als Kollektiv für künstlerische Forschungs-, Erfahrungs- und Begegnungsräume, in denen sie unterschiedliche Kunstformen positionieren. Ziel ist, das Klangspektrum des Holzes im Sinne der Neuen Musik als Verbindungselement interdisziplinären Schaffens herauszuarbeiten. Es entstehen immer neue Zusammenhänge. Das Publikum ist Teil der Performance und wird so zum Gesprächspartner der Künstlerinnen und Künstler. Die Bühne ist ein mit dem Zuschauerraum ineinanderfließender Landschaftsraum aus Skulptur, Klang und Performance.

Die Künstlerinnen und Künstler

Harald Kienle ist Bildhauer. Im HolzKlang-Raum fordert er seit dem Jahr 2016 Künstler unterschiedlicher Disziplinen zur anhaltenden Zusammenarbeit auf. Die erste sich über Wochen aufbauende „Klang-Landschaft der Hölzer" fand im Jahr 2017 in einer leerstehenden Fabrikhalle in der Nürnberger Südstadt mit dem Komponisten Johannes Billich sowie weiteren Musikern und Darstellenden Künstlern statt. Kienle studierte unter Prof. Wilhelm Uhlig und Prof. Tom Scott an der AdbK Nürnberg. Im Kollektiv baut er die sich verändernde Ausstellungslandschaft auf und immer wieder um. Seine Holzskulpturen umfassen neben architektonischen Gebilden auch Objekte wie Wolken und tragbare Kleider.

Michaela Pereira Lima ist Tanzkünstlerin, Tanzvermittlerin und freie Choreografin. Die Deutsch-Brasilianerin ist seit 2008 im Nürnberger Raum tätig. Ihre Performances und Projekte entwickelt sie prozessorientiert und in interdisziplinären künstlerischen Formaten. In ihrer choreografischen Arbeit verwebt sie zeitgenössischen, afrobrasilianischen Tanz. Im Kollektiv roams verbindet sie den menschlichen Körper und Tanz mit dem Material Holz, Klang und einem sich verändernden Raum.

Veith Michel (von Tsotzhousn) ist ein experimenteller Klangkünstler und Spezialist für Immersive-Ambient-Environments. Er verwandelt Klänge in fesselnde Musikkompositionen, bei denen Umgebungsgeräusche sowie Aufnahmen klassischer Musiker zum Einsatz kommen. Seine Performances waren unter anderem zur re:publica 2019 Berlin, dem Wiener Event für informatorisches Denken (ADA Wien), der Superbooth 2020 & 2022, bundesweit an Veranstaltungsorten und in Clubs sowie mit verschiedenen Performances der Berlin Modular Society zu sehen. Mit dem Projekt „Kläng" veröffentlichte er 2019 eine Live-Improvisation auf Tape. Seine EP „Scores" wurde 2021 durch das Berliner Label Rundlauf veröffentlicht. Im Kollektiv erfasst er die Klänge der Ausstellungswelt und fügt diesen digitale und maschinenveränderte neue Elemente hinzu.

Maria Trunk ist Philologin in den Fächern Japanologie, Biologie und Journalistik. Seit 2016 ist sie Mitglied im Kollektiv Institut für Angewandte Heterotopie. Sie war Mitbegründerin des Kulturortes Heizhaus und zwischen 2016 und 2019 Vereinsvorständin im Verein Quellkollektiv. Sie entwickelte den Raumkompass, der 2021 mit dem Bundespreis für kooperative Stadtentwicklung ausgezeichnet wurde. Der Raumkompass unterstützt Kunst- und Kulturschaffende aller Sparten auf Raumsuche und in der Umsetzung vielfältiger Projekte. Im Kollektiv roams macht sie Wortkunst erfahrbar. Mit Buchstaben-Wolken, Stempeln, Schreibmaschine und Lyrik-Performance ist das gesprochene, gedruckte und gelesene Wort ein weiteres performatives Element der Ausstellungswelten des Kollektivs.

Linda Havenstein studierte von 2004 bis 2011 an der Universität Leipzig und von 2010 bis 2011 an der University of the Ryukyus. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit der Beziehung von Mensch und Technologie und den kulturellen Implikationen des postdigitalen Zeitalters. Zahlreiche Produktionen und Projekte finden in Ost- und Südostasien statt. Havenstein unterrichtet zudem Japanologie und Digital Arts und forscht über gesellschaftspolitische Themen in Japan. Im Kollektiv nimmt sie die Elemente Tanz, Bewegung im Raum, Holz als Material und Rhythmus in ihre filmischen Werke auf. Die Filme binden die Bewegung in Abwesenheit der lebendigen Körper in die Ausstellungswelt ein.

Programm

Exposition — 22. Juli, 19.30 Uhr Eröffnungsperformance mit dem Kollektiv ROAMS. Eine interdisziplinäre und performative Ausstellung.

Poiesis — 12. August, 18.00 Uhr Lyrikperformance in der Ausstellung.

Auflösung — 22. August, 19.30 Uhr Abschlussperformance zur Ausstellung mit dem Kollektiv ROAMS.

Praktische Informationen

Ausstellungshalle im Neuen Rathaus Luitpoldplatz 13, 95444 Bayreuth

Öffnungszeiten: Mo, Di, Do: 9–17 Uhr Mi: 9–18 Uhr Fr: 9–15 Uhr Sa/So: 13–16.30 Uhr

Tel. 0921/76 453-10 Fax 0921/76 453-20 E-Mail: info@kunstmuseum-bayreuth.de www.kunstmuseum-bayreuth.de www.gmk.de

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