Anish Kapoor, Double S-Curve, 2019, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 , Foto: Fabian Strauch

Lehmbruck Museum
Düsseldorfer Str. 51
47051 Duisburg
Deutschland

Anish Kapoor

Anish Kapoor (*1954, Mumbai) zählt zu den visionärsten Künstlern unserer Zeit. Mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland wird nun sein wegweisendes Lebenswerk gewürdigt, das die Entwicklung der Bildhauerei bis heute prägt. Mit 16 Werken aus fünf Jahrzehnten seiner künstlerischen Praxis zeigt das Lehmbruck Museum die umfangreichste Ausstellung des Künstlers in Deutschland seit über zehn Jahren.

Innerhalb der Ausstellung treffen Kapoors faszinierende Werke auf die ikonische Architektur des Museumsbaus und schaffen gemeinsam eine unverwechselbare Erfahrung. Das Gebäude wird zum Resonanzraum von Kapoors Ideen: Licht und Schatten, Raum und Material verändern unsere Wahrnehmung und erweitern unsere Vorstellungskraft. Im Parcours durch die Ausstellung begegnen wir Werken, die wie Schwellen zu anderen Dimensionen sind – geheimnisvoll und von unmittelbarer Präsenz. Mit einem unendlich scheinenden Formenreichtum erforscht Anish Kapoor die Grundbedingungen des Menschseins. Es geht um das Mysterium des Lebens und des Todes, um die widerstreitenden Kräfte, die unser Dasein bestimmen. Im Zentrum steht die Frage: Wie lässt sich das darstellen, was nicht greifbar, nicht sichtbar ist, das, was den Menschen im Kern ausmacht?

Im Verlauf seines künstlerischen Werdegangs hat Anish Kapoor die Bildhauerei maßgeblich verändert. Er hat Materialien an ihre Grenzen geführt und Werke von spektakulären Ausmaßen geschaffen. Seine Skulpturen verlangen ambitionierte technische Meisterleistungen und einen akribischen Blick für Details. Kapoors Werken zu begegnen, ist ein Erlebnis: Beinahe außerirdisch, surreal und überpräsent transformieren die Objekte den Raum und schärfen all unsere Sinne.

In der Ausstellung im Lehmbruck Museum begegnen Besucherinnen und Besucher eindrucksvollen Arbeiten wie Past, Present, Future – einer über 3 Meter hohen, kugelförmigen Arbeit aus tiefrotem Wachs –, einem beinahe 15 Meter langen, spiegelnden Korridor in Form der Double S-Curve sowie den illusionistischen Werken Non-Object Black, deren tiefschwarzes Pigment (Vantablack) den Blick förmlich in sich hineinzieht. Die Skulpturen Kapoors sind keine rein statischen Objekte, sondern immersive Erfahrungsräume, die uns berühren, erstaunen und verändern. Er schafft es mit seiner Kunst, Komplexität, feine Nuancen und vielfältige Perspektiven zu vereinen und dabei die Fragilität des menschlichen Seins zu thematisieren. Anish Kapoors Werk besticht durch die Versöhnung von vermeintlichen Gegensätzen: außen und innen, dunkel und hell, materiell und immateriell.

Die Ausstellung ist eine seltene Gelegenheit, Kapoors Schaffen in seiner ganzen Tiefe zu erleben. Sie lädt dazu ein, sich intensiven Sinneseindrücken zu öffnen und dem Unsichtbaren zu begegnen. Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis, eine der international renommiertesten Auszeichnungen für Bildhauerei, würdigt den Mut und die Innovationskraft von Anish Kapoor, mit denen er unsere Vorstellungskraft in neue Dimensionen führt.

Anish Kapoor

Seit mehr als fünf Jahrzehnten prägt Anish Kapoor die zeitgenössische Kunst mit einer unverwechselbaren Formensprache, die seinen Skulpturen eine universelle Gültigkeit verleiht. 1954 in Mumbai geboren, verließ Kapoor Indien mit 16 Jahren und fand über Israel seinen Weg nach London. Dort studierte er in den 1970er Jahren am Hornsey College of Art und später am Chelsea College of Arts. In der Folge etablierte er sich als einer der führenden Vertreter der New British Sculpture, die vor allem im Bereich der Skulptur neue Wege beschritt.

Bereits in seinen frühen Werken arbeitete Kapoor mit der psychologischen und mythologischen Kraft der Farbe. Durch den Einsatz loser Pigmente löste Kapoor die Grenzen zwischen klassischer Skulptur und Malerei auf und schuf Werke, die materiell greifbar und zugleich flüchtig wirken. Seit Ende der 1980er Jahre erweiterte Anish Kapoor seine Materialpalette radikal und begann, das Wechselspiel von Innen und Außen sowie Leere und Fülle in Stein, Edelstahl, Harz oder Wachs zu erforschen. Begriffe wie Void (Leere) oder Non-Object (Nicht-Objekt) beschreiben seither seine Suche nach Formen, die sich einer eindeutigen physischen Verortung entziehen.

Insbesondere seine hochglanzpolierten Spiegelskulpturen sind heute weltweit bekannt: Sie verformen die Umgebung, fordern die Wahrnehmung heraus und heben die Grenzen des physischen Raums auf. Vor allem in den letzten Jahren denkt und arbeitet Kapoor in monumentalen Dimensionen. Eines der berühmtesten Beispiele hierfür ist Cloud Gate (2004) in Chicago oder die erste aufblasbare Konzerthalle der Welt, Ark Nova (2013). Neben seinem skulpturalen Werk umfasst sein Schaffen ein umfangreiches Œuvre an Zeichnungen und Gouachen, in denen Farbe, Körperlichkeit und Dunkelheit aufeinandertreffen.

Anish Kapoor hat international an bedeutenden Orten ausgestellt, darunter im Museum of Modern Art und im Jewish Museum in New York, in der Tate Modern in London, im Schloss Versailles, im Palazzo Strozzi in Florenz, sowie im Kaiserlichen Ahnentempel in Peking. Bereits 1990 vertrat er Großbritannien auf der Biennale von Venedig, wo er mit seinen tiefblauen Void-Skulpturen internationale Maßstäbe setzte. In diesem Jahr rückt sein Schaffen erneut ins Zentrum der globalen Aufmerksamkeit: Zeitgleich mit der Ausstellung im Lehmbruck Museum bespielt er während der 61. Biennale von Venedig den Palazzo Manfrin und präsentiert sein Werk im Serlachius Museum in Mänttä, Finnland, sowie in einer großen Schau in der Londoner Hayward Gallery.

Anish Kapoor wurde 2013 im Rahmen der Queens’s Birthday Honours zum Ritter geschlagen. Für sein wegweisendes Werk erhielt er einige der bedeutendsten Auszeichnungen, unter anderem den Turner Prize, den Praemium Imperiale sowie zuletzt im Jahr 2025 den renommierten Wilhelm-Lehmbruck-Preis.

Die Ausstellung wird gefördert von dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Duisburg, duisport – Duisburger Hafen AG, der Sparkasse Duisburg und der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland. 

Monopol - Magazin für Kunst und Leben ist der Medienpartner der Ausstellung.

Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis

Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis ist die international bedeutendsten für Skulptur verliehen werden. Er wird alle fünf Jahre vergeben. Das erste Mal wurde er 1966 anlässlich des 85. Geburtstags Wilhelm Lehmbrucks (1881-1919) verliehen. Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis wird seit 2020 maßgeblich vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) gefördert.

Anish Kapoor äußerte sich nach der Vergabe des Preises wie folgt: „Ich fühle mich geehrt, den renommierten Wilhelm-Lehmbruck-Preis für Bildhauerei zu erhalten. Viele geschätzte Kollegen haben diesen Preis vor mir bekommen und ich bin sehr gerührt, neben ihnen zu stehen.“

Nach Janet Cardiff & George Bures Miller (2020), Rebecca Horn (2017), Reiner Ruthenbeck (2006), Nam June Paik (2001), Richard Long (1996), Richard Serra (1991), Joseph Beuys (1986), Claes Oldenburg (1981), Jean Tinguely (1976), Norbert Kricke (1971) und Eduardo Chillida (1966) wurde der Wilhelm-Lehmbruck-Preis 2025 zum zwölften Mal vergeben.

Mehr finden

Ausstellung

»make the secrets productive!« Art in times of unreason

Cologne, Deutschland

Ausstellung

Iván Argote: A PLACE TO STAY

Berlin, Deutschland

Mitgliedsveranstaltung

Ausstellung

Skulpturenausstellung "Un-Bewegt"

Barsinghausen OT Groß Munzel, Deutschland

Zum Anfang der Seite scrollen