Adriano Berengo - ein Doppeljubiläum

Seit nunmehr 30 Jahren lebt Adriano Berengo auf Murano für seine Mission, das Glas auf der Höhe zeitgenössischer Kunst zu etablieren und zu präsentieren. Adriano Berengos Leidenschaft für Glas begann 1989, als er nach Murano kam und auf der Insel das Studio Berengo gründete. Seitdem verfolgt er in seiner künstlerischen Karriere das Ziel, Glas als Werkstoff zeitgenössischer Kunst auf ein neues Niveau zu heben.

Berengo, der weder aus einer Glasdynastie stammt noch auf Murano aufgewachsen ist, studierte vergleichende Literaturwissenschaft in Venedig und New York. Inspiriert von Peggy Guggenheim, die Künstler wie Picasso und Max Ernst mit Glas in Berührung brachte, gründete Berengo 1989 an der Fondamenta dei Vetrai sein Studio als Werkort und Ausstellungsort. In über 30 Jahren hat Berengo mit zahlreichen Künstler/innen, Malern, Bildhauern, Architekten und Designern, aus aller Welt zusammengearbeitet. 2009 schuf Berengo als Begleitveranstaltung zur Biennale der Kunst in Venedig die Ausstellungsreihe “Glasstress”, eine internationale Bühne für zeitgenössisches Glas. Auf der diesjährigen “Glasstress” (8.5. - 24.11.2019) zeigt er Arbeiten von Jake & Dino Chapman, Mat Collishaw, Tracy Emin, Jan Fabre, Fred Wilson, ferner Ai Weiwei, Tony Cragg, Koen Vanmechelen, Erwin Wurm, Renate Bertlmann und Laure Prouvost. Zwischen den Biennalen von Venedig touren die “Glasstress”-Ausstellungen publikumswirksam durch die Welt. Stationen sind oder waren New York, Stockholm, Beirut, Riga, Ptuj sowie das Boca Raton Museum in Florida.

 

Adriano Berengos Leidenschaft für Glas begann 1989, als er nach Murano kam und auf der Insel das Studio Berengo gründete. Seitdem verfolgt er in seiner künstlerischen Karriere das Ziel, Glas als Werkstoff zeitgenössischer Kunst auf ein neues Niveau zu heben.

Ai Weiwei, Blossom Chandelier, 2017, glass, metal, 400 x 250 cm diameter, Foto: Karolina Sobel
Ai Weiwei, Blossom Chandelier, 2017, glass, metal, 400 x 250 cm diameter, Foto: Karolina Sobel

 

Adriano ist nicht auf Murano aufgewachsen und stammt auch nicht aus einer Glasfamilie; er absolvierte die Universität Ca´Foscari in Venedig und studierte Vergleichende Literaturwissenschaft an der State University of New York. Seine Idee, die Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Glasbläsern zu stärken, wurde zuerst und vor allem von Peggy Guggenheim inspiriert, die unter anderem künstlerische Ideen von Picasso und Max Ernst in das Medium des Glases einzubringen. In der Fondamenta dei Vetrai, wo sich die berühmtesten Glasöfen der Welt befinden, liegt heute das Studio Berengo. Hier werden nicht nur die Technik des Glasblasens oder die Bearbeitung von Massivglas eingesetzt, sondern in der Gießerei werden auch Wachsausschmelzverfahren entwickelt.

Mat Collishaw: "A different self", 2014, glass, wood, video, 270 x 150 x 50 cm, Foto: Francesco Allegretto
Mat Collishaw: "A different self", 2014,
glass, wood, video, 270 x 150 x 50 cm,
Foto: Francesco Allegretto

In einem ehemaligen Ofen nahe des Studios befindet sich heute ein Ausstellungsbereich, der eine authentischee Bühne für Berengos Glassammlung bietet  - auch die Glasstress-Ausstellungen werden hier gezeigt. Zu den ältesten Kunstwerken der Sammlung gehören Hans Arp´s Relief und César´s Objekt Compression von 1992, das aus gespleißten Coca-Cola-Flaschen hergestellt ist. Die erste Glasstress fand 2009 statt und hat sich heute als Begleitausstellung im Rahmen der Kunstbiennale in Venedig einen Namen gemacht. Bis zu diesem Jahr fand die Glasstress parallel sowohl im Pallazzo Franchetti – einem beeindruckenden Gebäude im Stil der venezianischen Gotik bei der Ponte dell´Accademia – als auch in Murano statt.

 

 

Die diesjährige, fünfte, Glasstress zeigt das Beste aller bisherigen Ausstellungen sowie neu entstandene Werke. Im Laufe der Jahre hat das Studio Berengo mit mehr als 70 Künstlern – Malern, Bildhauern, Architekten, Designern – aus der ganzen Welt zusammengearbeitet. Die meisten von ihnen führende Persönlichkeiten in ihren jeweiligen Bereichen. Zu den Highlights des doppelten Jubiläums gehören z.B. Arbeiten von Jake & Dino Chapman, Mat Collishaw, Tracy Emin, Jan Fabre oder Fred Wilson.

Tony Cragg, "The Bridge", 2019, 92 x 16 x 30 cm, Foto: Francesco Allegretto
Tony Cragg, "The Bridge", 2019, 92 x 16 x 30 cm, Foto: Francesco Allegretto

 

Als zurückkehrender Stern sollte Ai Weiwei genannt werden. Er zeigt einen 4 m hohen Blossom Chandelier, der aus handgeformten und gegossenen Elementen besteht. Glasguss ist die Technik, die in den neuen Skulpturen von Jaume Plensa (Silence), Thomas Schütte (You and Me) und Monica Bonvicini (In my Hand) verwendet wird. Ein weiterer international renommierter zeitgenössischer Künstler ist Tony Cragg. Er stellt die dynamischen Skulpturen The Tower und The Bridge aus handgeformten massiven Klarglas-Segmenten aus. Erwin Wurm zeigt seine humorvollen Objekte Mutter, Vater und Crystal. Der Künstler, Kurator und Aktivist Koen Vanmechelen, präsentiert mit seiner Black Medusa  ein älteres Werk sowie ein Kunstwerk, das im Rahmen seines Human Rights Pavilion auf der Biennale in Venedig entstanden ist. Neben ihm kuratiert auch Vik Muniz die diesjährige Glasstress. Er zeigt einige, in Murine entstandene Werke – Porträts auf Flachglas – sowie eine Installation von 21 venezianischen Kelchen in fast menschlicher Größe.

Renate Bertelmann, "The Pacifier", 2019, glass 100 x 47 cm, Foto: Francesco Allegretto
Renate Bertelmann, "The Pacifier", 2019, glass,
100 x 47 cm, Foto: Francesco Allegretto

Auch die viel beachteten Künstlerinnen Renate Bertlmann und Laure Prouvost nehmen an der Schau teil. Beide werden auch im Rahmen der Kunstbiennale Venedig präsentiert. Bertlmann ist im österreichischen Nationalpavillon mit einer Installation von über 300 handgefertigten roten Rosen, die von Messern durchbohrt werden, vertreten. Alle wurden im Studio Berengo ausgeführt. Ebenso Prouvost´s skurrile Arbeiten aus Glas: Für den französischen Pavillon schuf sie eine immersive Umgebung aus Film, Performance und skulpturaler Installation, für die Filmreste, Harz, Ton, Glas, Pflanzen und Wasserdampf verwendet wurden. Bei der aktuellen Glasstress-Ausgabe präsentiert sie das Werk Cooling System 2 (For Global Warming) während Bertlmann zum ersten Mal mit Glas experimentierte und ein überdimensionales Objekt, The Pacifier, ausstellt.

Die Glasstress-Ausstellungen wandern von Italien aus in Museen und Galerien auf der ganzen Welt. Sehr oft mit dem Ziel, traditionell als "Handwerk" bezeichnete Industrien auf neue Ansätze für den Umgang mit dem Material zu untersuchen  – so im Boca Raton Museum in Florida. Die bisherigen Ausstellungen wurden auch in New York, Stockholm, Beirut, Riga und Ptuj gezeigt. Adriano Berengo plant, die internationale Tournee von Glasstress mit neuen prestigeträchtigen Stationen rund um die Welt weiterzuführen. Zweifellos werden ihm seine scheinbar endlose Energie und seine starke Entschlossenheit helfen, seine Ziele und Träume zu erreichen.

Autorin: Pavla Rossini

Titelbild: Koen Vanmechelen, "Black Medusa", 2015, glass, bronze, ø 50 x 88 cm, Foto: Francesco Allegretto

Der Artikel wurde im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit GLASHAUS – Internationales Magazin für Studioglas 3/2019 veröffentlicht.



 
 
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