start’19 in Unkel: ein Wiedersehen mit Martine Seibert-Raken

Die 1965 in Lüneburg geborene Künstlerin Martine Seibert-Raken verbindet dreidimensionale Kunst mit Kunsthandwerk und Raumgestaltung zu einem großen Gesamtwerk. Am Sonntag, 27. Januar 2019, ab 11.00 Uhr, sind BesucherInnen in ihrem Atelier wieder herzlich willkommen.

„Das Wesen meiner Arbeit ist durch eine tiefe Verbundenheit zu allem Lebendigen und der Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit gekennzeichnet.“  (Martine Seibert-Raken)

Martine Seibert-Raken
Martine Seibert-Raken, Es war einmal …Part VI…Nachttraum (2017); Stahl unverzinkt,
Maschendraht; 500× 500×550 cm; Leutesdorf; © Frank Homann.

 

Bereits im vergangenen Jahr wirkte Martine Seibert-Raken  als Gastgeberin beim internationalen Fest für zeitgenössische Skulptur start’18 mit. Unter dem vorangegangenen Jahresthema „Dreidimensionale Kunst und Architektur“ erregte die Künstlerin mit der Ausgestaltung der Löwenburg, einem zentralen städtebaulichen Element in der Unkeler Altstadt, großes öffentliches Interesse. Das einst so renommierte Hotel, dessen Tage bereits gezählt waren, erhielt vor dem endgültigen Abriss noch einmal ein völlig neues Gesicht. Aus den Fenstern seiner weiß gestrichenen Mittelfassade quollen dicke, pinkfarbene „Wölkchen“ aus Kaninchendraht nach außen. Des Nachts wurden die Drahtgeflechte der Löwenburg von drei großen Flutern angestrahlt, die sie noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen ließen als am Tage. Frei nach dem Motto „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ rief Seibert-Raken über die örtliche Presse, ganz im Sinne der Stadterneuerung, zur Bürgerbeteiligung auf, um die gut 1000 Meter Kaninchendraht zuzuschneiden.

Abb. 3: 	Martine Seibert-Raken, Es war einmal …Part VI…Nachttraum (2017); Stahl unverzinkt, Maschendraht; 500× 500×550 cm; Leutesdorf; © Frank Homann.
Martine Seibert-Raken, Es war einmal…Part 10…Unkel goes to Venice (2018); 1: 10 Modell der
Installation im Palazzo Mora; Biennale Venedig 2019; © Frank Homann.

Martine Seibert-Raken im Profil
Martine Seibert-Raken, Traum von glücklichen Zeiten (2016); Eisen, Zaunholz, Markierungsspray für Außenbereich, verzinkter Draht; 80×60×40 cm; Unkel am Rhein; © Frank Homann.
Martine Seibert-Raken, Traum von glücklichen Zeiten (2016);
Eisen, Zaunholz, Markierungsspray für Außenbereich, verzinkter
Draht; 80×60×40 cm; Unkel am Rhein; © Frank Homann.

Ihre Kindheit verbrachte die Künstlerin  in Algerien und Holland, bis ihre Familie später nach Aachen umsiedelte. „Groß geworden bin ich in einer Familie, in der die Tante Malerei studiert hatte, die Großmutter Porträtzeichnerin war, der Onkel Kirchenfenster gestaltet hat und mein Großvater Schreiner und Architekt war. In der Nachbarschaft gab es eine große Galerie, die schon sehr früh die Gruppe ZERO zeigte. Diese Arbeiten, besonders die von Günther Uecker, haben mich von Kindesbeinen an geprägt.“ Günther Uecker ist ein deutscher Maler und Objektkünstler, der vor allem mit seinen reliefartigen Nagelbildern bekannt wurde. 1961 wurde Uecker Mitglied in der von Heinz Mack und Otto Piene gegründeten Gruppe ZERO: eine Düsseldorfer Künstlergruppe, die die Nachkriegskunst „mit einem Übermaß an Ballast befrachtet“ sahen. Die Künstler suchten einen Neuanfang, eine „Stunde Null“, die von der Vergangenheit unbelastet sein sollte. Dem aufgezwungenen Drama des Zweiten Weltkriegs wollten sie eine reinere, heilere Welt entgegensetzen. Die Mitglieder schufen lichtkinetische Objekte, die in den Raum eingreifen und ihn miteinbeziehen. So entstand eine Erscheinung zwischen Bild und Skulptur. Die Gruppe löste sich im Jahr 1966 auf, nachdem sich die künstlerischen und biografischen Wege ihrer Mitglieder getrennt hatten. Der Tradition der lichtkinetischen Kunst folgend, beschäftigt sich auch Martine Seibert-Raken überwiegend mit dem Spiel zwischen Licht und Schatten, sowie mit dem Raum. Jedoch fand sie für sich eine ganz eigene Ausdrucksform.

„Der Raum als Ausdruck Ihrer Selbst. Der Raum, geprägt durch seine Nutzung und den darin lebenden oder arbeitenden Menschen. Der Raum als Gesamtkunstwerk. Der sprechende Raum. Der Raum als Bühne. Der Raum als Möglichkeit, Material, Farbe, Form und Design in ein spannungsreiches Gesamtkonzept zu fassen. Der lebendige Raum als Raum für lebendige Menschen!“ (Martine Seibert-Raken)

 

Martine Seibert-Raken, Terra Vino (2012); Plexiglas; 100×30 cm; Innenraumgestaltung Restaurant „Terra Vino” Bad Godesberg; © Frank Homann.
Martine Seibert-Raken, Terra Vino (2012); Plexiglas; 100×30 cm; Innenraumgestaltung Restaurant
„Terra Vino”, Bad Godesberg; © Frank Homann.

 

Einst mit dem Handwerk begonnen, fand sie über das Design schließlich zur bildenden Kunst. Heute umfasst ihr Œuvre sowohl Kleinmöbel, als auch Skulpturen, Reliefs, Gemälde und sogar komplette Raumkonzepte.

Ihre Kunst heute

Ihre dreidimensionalen Werke verbinden Holz mit Metall, aber auch Licht mit Regenbogenfarben-schillernden Kunststoffen. „Ich suche den Bruch und verstehe ihn als Ergänzung“, so Seibert-Raken. Doch vor den Brüchen kommen die Kontraste: zwischen rund und eckig, schwer und leicht, durchbrochen und verdeckend. Besonders die formalen Kontraste sind es, die bei der BetrachterIn für Irritationen sorgen. Die Künstlerin setzt Bänke und Tische auf durchbrochene Metallplatten, deren Tragfunktion sich dem Verständnis der BetrachterIn gänzlich entzieht. So äußert Prof. Dr. Rolf Sachsse zu ihren Arbeiten: „Wer einmal schmunzelnd zugesehen hat, wie Menschen überlegen, ob sie auf einem Tisch von Martine Seibert-Raken ein Glas abstellen dürfen oder sich auf einen ihrer Hocker setzen können, der erlebt diese Irritationen als unmittelbar körperliche Erfahrungen.“ Meist sind es Hölzer, die formlose Gebilde tragen, vorwiegend aus Hasendraht oder ähnlichem, die sich als Reliefs von der Wand oder als Skulpturen von ihrem Sockel aus wild in den Raum winden und so mit dem Licht spielen. Bei der Metallverarbeitung nutzt die Künstlerin Rost häufig um eine Definition für die Zeit zu bilden. „Die Werke, die entstehen, sind zum einen von Verdichtung des gewählten Materials, zum anderen von Aufbrüchen und Umbrüchen gekennzeichnet und verändern ihr Erscheinungsbild ständig, denn der Lichteinfall ist das Wesentliche hierbei“, ergänzt Seibert-Raken. „Freiflächen und Outdoor beziehe ich eng in meine Arbeit ein, genauso die dichte Zusammenarbeit mit Galerien, Künstlern und Einrichtungshäusern.“

Start’19 in Unkel

In diesem Jahr freuen wir uns Martine Seibert-Raken erneut als eine unserer start’19-GastgeberInnen vorstellen zu dürfen! Am 27. Januar, ab 11.00 Uhr, lädt die Künstlerin herzlich zu ihrer Veranstaltung in ihrem Atelier in Unkel ein. Mittelpunkt des start’19-Events wird die Präsentation ihres aktuellen Kunstprojektes Es war einmal…Part 9…Unkel goes to Venice für die kommende Biennale di Venezia 2019  im Palazzo Mora in Venedig sein. Den einleitenden Worten im Atelier schließt sich, ab 12.30 Uhr, sogar der Besuch des Projektes an seinem derzeitigen Standort, im historischen Palmenhaus auf dem privaten Gelände der Familie Henkel-Bagel, an. Die Galeristin Henrietta Weithorn wird, im Dialog mit der Konzeptkünstlerin Martine Seibert-Raken, die Installation und deren Intention erklären und für Fragen bereit stehen. Zurück im Atelier erwartet die BesucherInnen, neben Fingerfood und dem Genuss von Weinen örtlicher Winzer, beste  Unterhaltung mit dem bekannten Bluesmusiker Hans Rehse und seiner Band Soulful of Blues. Das Atelierhaus steht währenddessen zur freien Besichtigung offen.

start’19 - sculpt the world with us

Sonntag 27. Januar 2019 
ab 11.00 Uhr


ATELIER Martine Seibert-Raken

Frankfurter Str. 39
53572 Unkel am Rhein


Plamenhaus der Familie Henkel-Bagel

Fritz-Henkel-Str. 1 
53572 Unkel am Rhein

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Martine Seibert-Raken, Atelierhaus Bad Godesberg (2015); Martine à la maison; © Frank Homann.
Martine Seibert-Raken, Atelierhaus Bad Godesberg (2015); Martine à la maison; © Frank Homann.


 
 
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