torso, bronce & steel, serie fragmentos
Werkgruppe FRAGMENTOS
Die Skulptur der Vormoderne zeichnet sich aus durch die Allmacht der künstlerischen Idee, die einem nahezu als neutral wahrgenommenen Material oktroyiert wird. Demgegenüber betonen heutige Künstler häufig eine Dignität der ästhetischen Eigenart des Materials, die es herauszuarbeiten gilt. Diese vermeintliche Dichotomie erweist sich bei genauerer Betrachtung als in beiden Polen monologistisch. Meine Arbeit dagegen könnte als dialogisch verstanden werden: Sie ist nicht vorbestimmt durch ein festes Ziel, sondern wird durch die Bearbeitung beeinflusst: es handelt sich um den Prozess einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem Material. Die Auswahl der Bearbeitungsintensität, die Wahl der Werkzeuge, die eingesetzte Hitze werden von der vorgefundenen Oberflächenstruktur, der Flexibilität oder Brüchigkeit, der Stärke des Materials beantwortet. Somit setzt mir das Werk selbst die Grenzen der Bearbeitung. Die vorliegende Serie besteht aus 5 weiblichen Torsi,, welche aus dünnen Bronzeblechresten mit teilweise starken Kratzern und Beschränkungen in Form und Größe, herausgearbeitet wurden. Anhand des ersten Torso "LENTO" kann man die vorgegebene Form sehr gut vergegenwärtigen: er ist sehr fein und "sanft" herausgearbeitet, auch im Bezug auf die angewendeten Werkzeuge. Als Contrapunto für diesen "schönen" und "ebenen" Körper habe ich mich für ein Blech mit starken Kratztern/Linien entschieden die sich dann je nach Bearbeitung hervorheben oder teilweise wieder verschwinden. "ANDANTE SOSTENUTO" ist ein Torso in kompletter, unfragmentierter Form, mit schönen und anmutigen Kurven, mit dem selben kreativen Prozess: Bronzeblech, mit starken, geometrischen Kratzern - jedoch jetzt gründlicher und sorgfältiger bearbeitet - in diesem Fall mit grösserem Kraftaufwand, stärkere Wärmeeinbringung und Abkühlung und "schwereren Werkzeugen". Die nächste Figur - in der Reihenfolge der Produktion - ist ein wiederum ein kompletter Torso. "MODERATO": diesmal wurde das Bronzeblech vor seiner "Verwandlung" in Volumen bearbeitet/modelliert. Die geometrischen Kratzer wurden durch amorphe Gravuren ersetzt, dazu mit speziell angefertigten Hämmern behauen. Dies geschieht mit noch mehr Kraft und schwererem Gerät bis an die Grenzen des Materials, was sich besonders am Halsbereich und zwischen den Beinen als eine "Zerstörung/Zersetzung" manifestiert. So gelingen mir Verfärbung und Schattierungen schon 4bevor die endgültige Form erreicht wird. Der Torso "ALLEGRO CON BRIO" hat als Ausgangspunkt ein wesentlich dünneres und dazu glattes Bronzeblech - seine "Behandlung" dagegen ist geradezu "brutal": ich arbeite schnell mit modellierten Hämmern, viel Kraft, viel Feuer und mit starken Farben und beeindruckender Oberfläche als Resultat. Die Serie wird mit "PRESTO CON MOTO" vollendet, ein schmales Fragment, in dem alle bereits angewendeten Techniken und Texturen zum Einsatz kommen: verkratztes Blech, starke und schnelle Schläge, und wenig Nacharbeit/Nachdenken/Reflektion (die vorliegende Form/Gestalt entstand wirklich nur durch schnell abfolgende Schläge, Feuer und ohne Pause aus einem schmalen, rechteckigem Blech). Die 5 Fragmente wurden nach den klassischen Tempo und Ausdrucksterminologie betitelt, die zugleich eine Beschreibung des Rhythmus und der Schnelligkeit der Bearbeitung darstellt - denn die Arbeitsweise ist Weg und Ziel zugleich:
1. torso 1/2 “LENTO“ - Nadeln, mittelschwere Hämmer
2. torso 1/1 “ANDANTE SOSTENUTO“ - Nadeln, leichte und mittelschwere Hämmer
3. torso 1/1 “MODERATO“ - mittelschwere und modellierte Hämmer, Gravur
4. torso 3/4 “ALLERGRO CON BRIO“ - mittelschwere, schwere und modellierte Hämmer
5. torso 1/3 “PRESTO CON MOTO“ - schwere modellierte und behauene Hämmer