Guido Kratz

Die Wand. Von der Fläche in den Raum.

Die „Wand“ von Guido Kratz ist deutlich mehr als eine Wandgestaltung oder ein Relief. Aus der Fläche in den Raum wachsen voluminöse Formen, die der Plastik mitunter näher stehen als dem Relief. Die verschiedenen Einzelformen rufen starke Assoziationen wach – an glatt gespannte Haut über üppigen Körpern, zähflüssiges Fließen von Harz oder weiche Polster.

Derartige natürlich geschwungene, wie gewachsen erscheinende organische Formen sind seit jeher eine besondere Qualität nicht der Wand- sondern der Gefäßkeramik. Guido Kratz haben hier schon immer insbesondere jene Formen gereizt, die sich kraftvoll von innen her auszudehnen scheinen, ein Volumen umspannen und eine innere Fülle abbilden. In sich ruhend und dennoch prall und lebendig.

Zuletzt äußerte sich dieses Interesse in einer Reihe von Arbeiten, die ihrem Entstehungsprozess nach zwar als Gefäßkeramik bezeichnet werden können, denen aber bewusst jegliche Funktionalität genommen wurde indem sie als vollkommen geschlossene Körper geformt wurden. Diese vom Künstler bewusst weiterhin als „Gefäße“ bezeichneten Objekte distanzieren sich vom „Gebrauchs-Gefäß“ mitunter auch noch dadurch, dass sie als abstraktes Objekt an der Wand präsentiert werden.

Die „Wand“ kann als Weiterentwicklung dieser Formen verstanden werden. Auch hier geht der Künstler von der Frage nach Raum, Plastizität und Volumen aus. Während die vorangegangenen „Gefäße“ technisch weitgehend traditionell produziert wurden, hat Kratz für die „Wand“ neue Methoden erforscht bzw. erfunden.

Am Anfang der Suche nach der neuen Form stand die Untersuchung, wie Wand und Decke als die „Haut“ unserer architektonischen Räume plastisch und raumhaltig werden können. Zum einen kamen die Wabenfassaden aus den berühmten „Hortenkacheln“ in Erinnerung. Sie verleihen der Oberfläche ein plastisches Relief und erzeugen ein abwechslungsreiches Licht-und-Schatten-Spiel. Neben der rechteckigen Grundform der Einzelelemente sind diese Gestaltungen in der Regel eher geometrisch-grafisch geprägt. Eine dem Schwung der Gefäßkeramik verwandte Linienführung zeigen hingegen historische und moderne Gewölbe und Kuppeln. Nicht unähnlich zu den Wölbungen von Kratz Wandgestaltung dehnt sich hier die Fläche in den Raum. Und wie die Wandung eines Krugs lassen sich diese Formen nicht frei und willkürlich setzen. Sie sind gebunden an die Eigenschaften und Möglichkeiten des Materials, der Schwerkraft, gehorchen Druck- und Schubkräften.

Um derartige Formen „an die Wand“ zu bringen, entwickelte Kratz ein spezielles Verfahren. Für eine modulare Wandgestaltung aus unterschiedlichen Einzelformen bietet sich zunächst ein geometrisches Grundgerüst an: Über die quadratische Öffnung in einer Holzplatte wird ein Latextuch gespannt und mit Gips befüllt. Das Gewicht des Gipses dehnt das Latex und lässt so eine Form entstehen. Durch das Kippen der Holzplatte oder das Spannen von Schnüren unter dem Latextuch entstand eine Vielzahl verschiedener und doch verwandter Formen. Das Latex dehnt sich dabei nicht gleichmäßig, so dass die endgültige Form zu Beginn nur bedingt vorauszuahnen ist. Es entstanden Formen die sich innerhalb der Parameter der natürlichen Kräfte und Materialeigenschaften frei entwickelten.

Aufgrund der quadratischen bzw. rechteckigen Grundform lassen sich die einzelnen Elemente beliebig zu einem Wandrelief kombinieren. Dabei entsteht ein spannender Kontrast zwischen dem übergeordneten Raster und den organischen Einzelformen, die zum Teil die Grenzen des Raster überschreiten, ein Eigenleben führen und – je nach Montage – sich entgegen der Schwerkraft zu bewegen scheinen.

Anders als bei den solitären „Gefäßen“ verzichtet der Künstler bei den Einzelelementen der „Wand“ auf die für ihn typischen kräftigen Farben und Oberflächenstrukturen. Eine einheitliche matt oder glänzend weiße oder kobaltblaue Oberfläche fasst die einzelnen, teils widerstrebenden Teile zu einem Organismus zusammen, der Auge und Tastsinn immer wieder aufs neue anzieht.

Die „Wand“ ist Relief und plastisches Objekt, Fläche und Raum, geometrische Ordnung und organische Körperlichkeit, Ruhe und Bewegung und – nicht zuletzt – Zeugnis von Materialverständnis, Formgefühl und handwerklichem Können auf höchstem Niveau.

Text von Esther Orant, Hannover
Eine Übersicht über meine Arbeiten finden Sie auf meiner Website www.guido-kratz.de


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Vita
Geboren in Frankfurt am Main 1958 fand ich 1978 zur Kunst: Ich schloss mich für einige Jahre einer Künstlerkommune in der Nähe von Frankfurt am Main an.

Dort beschäftigte ich mich mit Fotografie, Malerei, Keramik und Musik. Ich entschied mich erst einmal für die Keramik und beschäftigte mich bis 1990 ausschließlich mit der Herstellung von Einzelstücken, Geschirr, Baukeramik und Möbel aus Keramik.

1988 legte ich die Meisterprüfung im Keramikerhandwerk ab und bildete Lehrlinge aus

Ab 1990 wurde mir die Farben immer wichtiger und ich griff zum Pinsel und bemalte Geschirr, freie Formen und immer mehr auch Fliesen in allen Größen. So entstanden 2000 die Netzwerkbilder. Das Thema dieser Bilder ist es, die Beziehungen des Einzelnen zu größeren Gruppen bildnerisch darzustellen.

In den Workshops Netzwerkbildung lasse ich große und kleine Gruppen in Organisationen und Unternehmen selbst komplexe Netzwerkbilder herstellen und erarbeite mit ihnen einen sonst nicht möglichen Blick auf sich selbst.

In den letzten Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Tanz und Bewegung. Diese Eindrücke verarbeitete ich meinen Tanz Skulpturen.

2015 bis 2016 beschäftige ich mich wieder stärker mit Gefäßen. Indem ich Gefäße wieder verschließe und sie so gegen eine alltägliche Benutzung sperre entstehen Grenzgänger zwischen Gefäß und Skulptur. >>>

Meinen neueste Arbeit ist „die Wand“, eine Wandplastik aus einzelnen Wandskulpturen, die zu großen Flächen zusammengesetzt werden können. >>>

Kunstprojekte (Auszug):
„Wissenschaft und Kunst“ mit Prof. Dr. Rainer Zech >>>
„Kunst hilft wirklich“ mit der Autorin Maria Eilers >>>
„Durchdringungen“ mit der Grafikerin und Illustratorin Anja Weiss >>>
„Wachsende Netzwerkbilder“ für die ArtSet Qualitätstestierung >>>
Gemeinschafts- und Einzelausstellungen seit vielen Jahren in Deutschland, Österreich und Italien
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Exhibitions
2016 Kunst im Quadrat, Einzelausstellung Gefäße >>> Kultur im Dorf, Einzelausstellung in Brelingen >>> LQW Netzwerkbild, 770 Orte in Deutschland und Österreich >>>

2015 Künstlergespräch im Lister Kunstsalon >>> Gartenausstellung „Offene Pforte“ in der Wedemark >>> LQW Netzwerkbild, 761 Orte in Deutschland und Österreich >>>

2014Kunst hilft wirklich IX, Rathaus Wedemark LQW Netzwerkbild, 752 Orte in Deutschland und Österreich >>>

2013 Kunst hilft wirklich VII, Kunstraum Benther Berg „Tanzbilder“, Ausstellung Malerei, Grafik und Skulpturen, Hohenzollern Sieben, Hannover Kunst im Quadrat, Keramikinstallation, Charlottenstraße 92, Salon Kunst hilft wirklich VIII, Schloß Blankenburg LQW Netzwerkbild, 740 Orte in Deutschland und Österreich >>>
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Group Exhibitions
2017 Zinnober 2017 >>> Atelierspaziergang Künstler in der List 2017 „Tango – Totentanz“ – Skupturen und Malerei, eine Gemeinschaftsausstellung mit Uwe Spiekermann, Skulptur und Edda Grossmann, Malerei im historischen S-Bahnhof Pferdemarkt, Langenhagen
2016 Zinnober 2016 >>> Atelierausstellung Künstler in der List 2016, Künstler im Stadtteil öffnen ihr Atelier >>>
2015 Zinnober 2015 >>> Atelierausstellung Künstler in der List, Künstler im Stadtteil öffnen ihr Atelier
2014 Kunst im Quadrat, Gemeinschaftsausstellung, Charlottenstraße 92, Salon Künstlergruppe Arche, Hameln, Gemeinschaftsausstellung mit Lister Künstler Internationale Ausstellung der Miniatur in Novigrad / Kroatien Zinnober 2014 Atelierausstellung Künstler in der List, Künstler im Stadtteil öffnen ihr Atelier
2013 Kunstprojekt Kinderrechte in der Wedemark gemeinsam mit Anja Weiss: Skulpturen und Malerei auf dem Dach einer Grundschule. „Art TOTAL – INTERNATIONAL“, Gemeinschaftsausstellung in Zadar, Kroatien Zinnober 2013 Atelierausstellung Künstler in der List, Künstler im Stadtteil öffnen ihr Atelier
Die Wand 1
Plastische Wandgestaltung aus Keramik
Guido Kratz, Keramik
Die Wand 3
Plastische Wandgestalung aus Keramik
Guido Kratz, Keramik
Die Wand 2
plastische Wandgestaltung aus Keramik
Guido Kratz, Keramik
Nr 01, Nr 06, Nr. 84
3 Gefäße, Keramik
Guido Kratz
Nr. 48
Gefäß No 42 Keramik
Guido Kratz, Keramik
Gefäß No 14, Keramik
Guido Kratz


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