Brele Scholz

Auszug aus: Die Angst der Bildhauerin vor dem ersten Schnitt - Brele Scholz im Gespräch mit Susanne Geuer

Welche motivation treibt sie skulpturen zu machen?
 
Skulpturen mache ich, weil ich sie machen will. Ich könnte auch sagen, weil mich nichts anderes so sehr interessiert. Das ist ein Prozess des sich Hineinbegebens in eine Sache. Man geht einen Weg, geht um diese Ecke und um jene Ecke und findet sich an Weggabelungen, wo die Wahlmöglichkeiten schon innerhalb der Kunst liegen, meinetwegen zwischen der Fotografie und der Bildhauerei. Es ist ein schöner Irrgarten …

Das ist ein starkes Bild. Können Sie genauer sagen, was Sie damit verbinden? 

Nun, der Irrgarten ist für mich ein Synonym für das Leben. Unsere Aufgabe ist es, sich auf das zu konzentrieren, was wir gut können und die Notwendigkeiten, die uns widerfahren zu integrieren. Der Irrgarten leitet mich und gibt mir ständig Wahlmöglichkeiten, Entscheidungsfreiheiten. Der Irrgarten verbietet mir auch, das Ziel zu sehen. Darin liegt für mich ein wichtiger Aspekt der (Zweck)Freiheit in der Kunst...


Taken from: The sculptor’s anxiety before making the first cut - Susanne Geuer Talking to Brele Scholz

What motivation drives you to create sculptures? 

I make sculptures because I want to make them. I could just as easily say because nothing else interests me as much. It is a process of committing yourself to something. You go along, turn this or that corner and you find yourself at a fork in the road, where the possibility of choosing lies already within the arts themselves, say between photography and sculpture. It is a beautiful labyrinth….That’s a strong image.

Can you describe in more detail what the connection is for you? 

Well, to me, the labyrinth is synonymous with life. It is our task to concentrate on and integrate what we are good at with that which befalls us. The labyrinth guides me and continuously allows me alternatives and the freedom to decide. At the same time, the labyrinth prevents me from seeing the destination. For me, this is an important aspect of freedom (of purpose) in art...

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Vita
1959 geboren
1962 erste Bilder
1964 Zeichnungen

Aufgewachsen bin ich mit den Karikaturen des New Yorker und der umfangreichen Cartoon Sammlung meines Vaters. Mein Lieblingszeichner: Saul Steinberg!

1973 Weggang aus dem Elternhaus
1974 Schulabbruch
1975 mit dem Fahrrad durch Deutschlan
1977 – 85 Leben als Landpunk in Südfrankreich
1977 – 94 Arbeit als Mauerin
1989 Einstieg in die Kunst mit politischer Grafik

Einer meiner Vorbilder zu Beginn meiner künstlerischen Laufbahn war der Belgier Frans Masereel.

1989 erste Ausstellung meiner Grafiken im Café Murxx, (besetztes Haus in Aachen)

Von Anfang an habe ich Wert darauf gelegt, meine Arbeiten zu verkaufen. In dieser ersten Ausstellung kauften meine Freunde und Freundinnen.

1989 – 96 ein erstes spottbilliges, nasses, kaltes, helles, abbruchreifes Atelier, in dem ich auch wohnen konnte. Dort entstanden die ersten Kaffeesackbilder und Händeskulpturen für den Lebensfries. (Katalog Lebensfries 1999)

Edvard Munch inspirierte mich in den 90ger Jahren. Bilder aus seinem Lebensfries wie Verzweiflung (1892), Mondschein (1893), Die Stimme (1893) oder Auge in Auge (1894) faszinierten mich wegen ihres tiefen Einblicks in menschliche Gemütslagen. Daraus entstand die umfangreiche Einzelausstellung Lebensfries, 60 Kaffeesackbilder und 10 Händeskulpturen, 1999

1990 Wölfe mitten im Mai, 9 Linolschnitte in einer Mappe gefasst zum Lied von Franz Josef Degenhardt (1965), Maße 52 x 73 cm
1990 sechs Monate neugieriger Aufenthalt im wilden Ostteil von Berlin
1992 Politische Grafik, Galerie Olga Benario, Berlin
1994 Politische Grafik, Kulturladen St. Georg e.V., Hamburg
1994 Freie Fahrt für freie Bürger, Linolschnitt, Triptychon, Maße: 117 x 101 cm
1994 Beginn mit der Bildhauerei
1995–97 Organisieren eigener Symposien mit dem Berliner Holzbildhauer Claus Spies

1996 Umzug in mein Eifeler Atelier in Voissel.
Dort biete ich seit 1998 gemeinsam mit meiner Kollegin Annette Dietrich jeden Sommer eine Woche lang „Bildhauerei im Grünen“ an.

1997 Symposium mit Bildhauern aus Zimbabwe, Ludwig Forum für int. Kunst, Aachen

1998 Beginn mit den Interviews mit meiner Mutter Adelheid Scholz über ihre ungewöhnlichen Erlebnisse zwischen 1933 und 1948 für die Fluchtgeschichten

1999 Der Lebensfries, 60 Kaffeesackbilder und 10 Händeskulpturen, Aula Carolina, Aachen (Katalog: Lebensfries)

Dort entsteht meine erste lebensgroße Skulptur noch ohne Kettensäge, ausschließlich in Handarbeit aus dem Stamm einer Kirsche gehauen: Die Träumende.

2000 – 05 Fotografische Installationen

In den 00er Jahren besuchte ich praktisch jede Francis Bacon Ausstellung in Europa, um seine Bilder intensiv zu studieren. In der Schau Francis Bacon und die Bildtradition, Fondation Beyeler 2004, habe ich eine ganze Woche verbracht. Unvergesslich berührend!

2000 – 05 Mural Global, weltweites Wandmalprojekt initiiert von Farbfieber e.V.
Lokale und internationale Künstler malen gemeinsam großformatige Wandbilder. Siehe www.mural-global.org und Buch: Wem gehört die Welt, Klartext Verlag

2000 – 05 Die Fluchtgeschichten
In Köln, Aachen, Essen, Istanbul, Stuttgart, Hagen und Euskirchen ausgestellt.

2002 Aufenthalt in Istanbul in Begleitung meiner Mutter Adelheid Scholz, die die Stadt seit 1939 nicht mehr besucht hatte. Ausstellung der Fluchtgeschichten in der Dürer Galerie des Goethe Institut, Istanbul. Währenddessen entstand der Film „Zuflucht am Bosporus“ von Nedim Hazar und Pavel Schnabel. Der Film wurde auf mehreren Filmfestivals, auf Arte, 3Sat, im WDR und in meinen Ausstellungen gezeigt.

2001 – 03 Arbeit an der Serie Die Marschierenden

Ein Nebeneffekt, der sich aus der Arbeit am Marschierenden-Zyklus ergab und der natürlich Auswirkungen auf mein bildhauerisches Arbeiten hatte, war das intensive Studium der Bewegungsanatomie von 46 höchst individuellen menschlichen Körpern.

2002 Umzug in mein Atelier Alte Brauerei, Napoleonsberg in Aachen

2003 Kuratorin und Teilnehmerin des Symposiums swaps-arts-project mit südafrikanischen und euregionale Künstlern/Innen

Uta Göbel-Groß und ich entwickeln die SWAPs – Methode (t
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Exhibitions
2018 Ausbau des neuen Lagers über der Werkstatt Napoleonsberg, Aachen
2018 AKTuell – Bilder vom Körper, KunstForumEifel, Gemünd
2017 Over de Grens, Brele Scholz, Jaap de Ruig, Roy Villevoye & Jan Dietvorst, Kuratorin Anne Berk, Museum De Domijnen Hedendaagse Kunst, Sittard, NL
Over de Grens, Das Museum De Domijnen Hedendaagse Kunst in Sittard kauft folgende drei Werke an: Umgebaute Europäer 7, 16 und 17
2017 Daphne und Apoll, Katharinen Hof, Bonn (Publikumspreis)
2016 Wucht und Ohnmacht des Körpers, Skulpturen und ein Gespräch mit der Künstlerin, Frühjahrstagung der DVP (Deutsche Psychoanalytische Vereinigung), Haus der Wirtschaft, Stuttgart (Solo)
2016 Carte Blanche VII / Paarweise, KUNSTWECHSEL, Aachen, Kurator Karl von Monschau
2016 Der unbestechliche Blick, mit Nigatu Tsehay, Galerie Keim, Stuttgart (DUO)
2016 ART- Stuttgart, Global Fine Art Fair, Galerie Keim
2016 Die Macht der Gier, Shortlist des St. Leopold Friedenspreis, Museum Stift Klosterneuburg bei Wien/A
2016 Brele Scholz – Die Jahre bis 2015, Autobiografisches Leporello, limitierte und nummerierte Auflage 500 Stück
2015 Cranach 2.0 Internationaler Lucas Cranach Preis Shortlist, Wittenberg (Katalog)
2015 Je suis, Plan2 im Uhrenturm/ Ehemaliger Schlachthof Aachen, Kuratoren Karin Odendahl & Arndt Lorenz
2015 Helden=Ralf Wierzbowski und Brele Scholz, Kunstwechsel Aachen, Kurator Prof. Dr. Wolfgang Becker (DUO)
2015 Cranach 2.0 Internationaler Lucas Cranach Preis Shortlist, Kronach
2015 Je suis, Koenraad Bosman Museum Rees (Solo)
2014 Europa, Mythos und Vision, Bernd und Gisela Rosenheim-Stiftung, Offenbach (Katalog)
2014-2017 Daphne und Apoll im Skulpturenpark Rees
2014 Masken - Faces - Visages mit Adam Lude Döring u.a., Galerie Keim, Stuttgart
2014 Skulpturen, KOELN-ART-PROJECTS, Kulturkirche Köln-Buchforst (Solo)
2013 skulpturen2, ArtCo Galerie Aachen (Solo)
2013 ART KARLSRUHE 2013, Galerie Keim
2013 OSTRALE`013 Die Elbtänzerin, Herstellen einer monumentalen Skulptur im öffentlichen Raum, Dresden
2013 OSTRALE`013 Zustand Europa, Installation mit 28 hölzernen Köpfen und ihren Sockeln, Dresden
2013 JOBURG ART FAIR 2013, ArtCo Galerie SA
2013 Die Leinwand des Leibes – Körperkult als neue soziale Plastik, Künstlerverein Walkmühle, Wiesbaden (Katalog)
2013 Made in Germany, ArtCo Galerie Aachen
2012 ART KARLSRUHE 2012, Galerie Keim
2012 OSTRALE`012 homegrown, Internationale Ausstellung für zeitgenössische Künste, Dresden
2012 The White Works, Bellevue Saal, Verein zur Förderung künstlerischer Projekte, Wiesbaden (mit Helge Hommes) (Duo)
2012 Beyond the Body, kuratiert durch Anne Berk NL, Hans Peter Zimmerstiftung, Düsseldorf (Katalog)
2012 Kuratorin mit Paul Hubweber Concrete Europolis - European Night of Art, MC Bauchemie, Bottrop
2012 Herstellen der 28 Europäer für das Europafest Concrete Europolis - European Night of Art der Firma MC-Bauchemie in Bottrop innerhalb von 2 Monaten
2011 Kuratorin und Teilnehmerin des Olivenhain Symposiums in Gangelt, D (Katalog)
2011 Bildhauersymposium in Kraków, PL
2011 ART KARLSRUHE 2011, One Artist Show Galerie Lenka Tresnak
2011 ART.FAIR COLOGNE 2011, ArtCo Galerie
2011 sculptures, Sculpture in the Garden, Leicester GB
2011 Skulpturen, Galerie Keim, Stuttgart (Solo)
2010 Tänzer, Café Ada, Performance: Jean Sasportes (Tänzer bei Pina Bausch)/Paul Hubweber, Wuppertal (Solo)
2010 Head, Heart and Hands, Sculpture in the Garden, Leicester GB
2009 Skulpturen, Aula Carolina, Performance: Britta Lieberknecht/Paul Hubweber, Aachen (Solo) (Katalog)
2008 Bewegungsstudien, Miope Galerie, Performance: Grupo Oito, Berlin (Solo)
2007 imaginary lovers, Skulpturen, Galerie Stil und Bruch, Performance: Fine Kwiatkowski/Paul Hubweber, Berlin (Solo)
2007 Die Marschierenden, Bellevue Saal, Verein zur Förderung künstlerischer Projekte, Wiesbaden (mit Hubert Steins) (Duo)
2006 Die Marschierenden, KunstWerk, Köln (mit Hubert Steins) (Duo)
2005 Skulpturen, Galerie Hagenring, Hagen (Solo)
2004 Die Marschierenden, Fotografie, Raum für Kunst, Aachen (mit Hubert Steins) (Duo) (Ka
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Publications
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Group Exhibitions
2000 Seestörungen, fotografische Installation über dem Geroweiher, Mönchengladbach
2000 Körperspuren, fotografische Installation, Industriemuseum Zinkhütterhof, Stolberg
2002 Kriegserklärung, fotografische Installation auf der Henrichshütte, Hattingen
2010 Skulpturen, Sculpture in the Garden, Leicester (GB)
2011 Art Karlsruhe, One Artist Show, Galerie Lenka T
2011 Daphne, Internationales Olivenhain Symposium, Gangelt, 10 europäische Bildhauer arbeiten mit alten portugiesischen Olivenbäumen. Initiatorin und Symposiumsbeteiligte
2011 ART.FAIR COLOGNE 2011, ArtCo Galerie
2012 Art Karlsruhe, Galerie Keim, Stuttgart
2012 OSTRALE`012 homegrown, Internationale Ausstellung für zeitgenössische Künste, Dresden
2012 Beyond the Body, Kuratorin Anne Berk/NL, Hans Peter Zimmerstiftung, Düsseldorf
2013 OSTRALE' 013 wir überschreiten den rubikon, Internationale Ausstellung für zeitgenössische Künste
2013 JOBURG ART FAIR 2013, ArtCo Galerie SA
2013 Die Leinwand des Leibes – Körperkult als neue soziale Plastik, Künstlerverein Walkmühle, Wiesbaden
2013 Made in Germany, ArtCo Galerie Aachen
2014 Europa, Mythos und Vision, Bernd und Gisela Rosenheim-Stiftung, Offenbach (Katalog)
2014-2017 Daphne und Apoll im Skulpturenpark Rees
2014 Masken – Faces - Visages mit Adam Lude Döring u.a. - Galerie Keim, Stuttgart
2015 Cranach 2.0 Internationaler Lucas Cranach Preis Shortlist - Exerzierhalle Wittenberg (Katalog)
2015 Leobardy Scholz Adler Nagler - im Rahmen von 65 Jahre Galerie KEIM 2015
2015 Cranach 2.0 Internationaler Lucas Cranach Preis - Festung Rosenberg Cranach Stadt Kronach
Mein neuer Raum/my new showroom
Brele Scholz Holzfiguren/wooden sculptures
Brele Scholz, Holz
Doppelfiguren / double figures
Häufig befinden sich Paare im Baum, die ich herausschäle. Often I can find double figures within a tree. horsechessnut/Rosskastanie, cherry/Kirsche, hornbeam/Hainbuche, ash/Esche, maple/Ahorn, olive/Olive, plane/Platane, peartree/Birne, beach/Buche
Brele Scholz, Holz
Monumentale/monuments
Im öffentlichen Raum gelten andere Regeln der Größe für Skulpturen. In public space another dimention of sculpture is needed. oak/Eiche, horsechessnut/Rosskastanie, olive/Olive
Brele Scholz, Holz
Einzelfiguren/single figures
Alle meine Figuten sind nackt. All my figures are naked. cherry/Kirsche, oak/Eiche, ash/Esche, hornbeam/Hainbuche, robinia/Robinie, cherryroot/Kirschwurzel
Brele Scholz, Holz
Kunstharz-Holz/epoxyresin-wood
Keine meiner Figuren sind vor mir sicher, solange sie sich in meiner Obhut befinden. None of my figures can be called safe from me as long as they are in my custody. Rebuilt sculptures, new material added. Umgebaute Skulpturen, neue Materialien angebaut.
Brele Scholz, Holz, Kunstharz
Umgebaute Europäer/rebuilt europeans
Anfang 2014 begann ich die Europäer zu öffnen, sie auszuhöhlen, ihnen in die Köpfe zu schauen. Ich schaffe Innenräume, in denen komplexe Schichtungen sichtbar werden. Neue Materialien (Gießharz, Objekte, Tusche, Ölfarben) kommen zum Einsatz. Ein speziell entwickeltes Scharnier wird für jeden Kopf individuell angepasst. Der Betrachter übernimmt den Akt des Öffnens und Schließens. Ein Sich-hinein-versenken, wie vor einem Schrein, wird möglich. Unter dem Titel MASKEN UND VISIERE – UMGEBAUTE EUROPÄER stelle ich Fragen nach unserer europäischen Identität, nach der Wandlungsfähigkeit von einzelnen Menschen. Was macht unsere kulturelle Prägung aus? Wovon sind wir „besetzt“? Wie können wir uns öffnen? Die innere Vielschichtigkeit verweist auf die Komplexität der menschlichen Möglichkeiten. Seit Januar 2018 ist der Zyklus mit 28 Köpfen abgeschlossen. In early 2014 I began to open up the ‘Europeans’, to hollow them out, to look inside their heads. In the process, I create interiors in which complex layers become visible. I use new materials, (casting resin, objects, ink, oil paint). A specially developed hinge is individually fitted to each of the heads. The viewer takes over the act of opening and closing. Immersing him/herself, as in front of a holy shrine, becomes possible. Under the title MASKS AND VISORS - RECONSTRUCTED EUROPEANS I pose questions about our European identity, about the adaptability of the individual. What defines our cultural imprint? What kinds of things are we ‘occupied’ with? How can we open ourselves? The inner complexity gives pointers to the complexity of human possibilities. In January 2018, the cycle was completed with 28 heads.
Brele Scholz, Holz, Kunstharz

Brele Scholz

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