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Dezember 2018
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Spiel mit der Polarität. Eine Retrospektive

13 Dezember 2018 00:00 - 08 Februar 2019 00:00

Leere und Fülle – oder: „Ich bin eine Pilgerin…
Susanne Niemann


„Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt; / der Feuer sieht und weiß nicht, wo es brennt; / vor dem die Welt in fremde Sonnen rennt.“ (Erich Mühsam, >Ich bin ein Pilger<)
Antje Sträter wandelt von Standort zu Standort, entschlossen, dann wieder fragend, hinterfragend, schwebt erdverhaftet von einem transzendenten Licht getragen, von einem Werk, einer Werkphase zur anderen. Sie sucht den immer gültigen Grund des intensiven Augenblicks, des absoluten Jetzt. Martin Heidegger schrieb: „Das Kunstwerk stellt jedes Mal eine Welt auf.“ Mit jedem Werk wäscht die Künstlerin die Seele frei, wird frei in der großen Suche nach dem Etwas, dem Sein, dem, was Welt ist: >Die zeitlose (endlose) Frage.< >Wenn sich Tiere erzählen“ – so tanzen sie: wie der Vogel und der Tänzer. Sie verbinden sich mit der ganzen Welt von der >Bergspitze< bis in die Tiefen der >Erdgeister<. Wir durchlaufen bei jeder Arbeit eine ganze Welt vom Himmel zum Menschen zur Erde: „Im Wandel liegt Ausruhen“, sagt Heraklit und so wandeln wir mit – halten kurz inne, ruhen und öffnen mit ihr den Blick zum Himmel, brennen und rennen mit – zu fremden Sonnen und zurück – zur Erde und es fügt sich, es fügt sich alles.
„Ich bin ein Träumer, den ein Lichtschein narrt; / der in dem Sonnenstrahl nach Golde scharrt; der das Erwachen flieht, auf das er harrt.“ (Erich Mühsam)
Terra. Und immer wieder ist es die Erde: Erdteppiche, Erdtafeln, Erdbücher, Erdflügel, Erdzeichnungen, Erdkreise, Erdwirbel. Terra. Sie fängt an und kann nicht aufhören, entgleitet sich um sich zu vergewissern, sieht die Erde, die sie greifen, sammeln, zusammenfügen und formen, aufhäufen und anfassen muss. Sie macht weiter und weiter, sie will heilen, nein, sie muss heilen: >Heilung der Erde< ist die Losung. Aber es bleibt – ratlos, suchend, die endlose Frage: >Erde, wo ist Dein Geheimnis?<. Dies geschieht und vollzieht sich: Die Verbindung der bröckelnden, berstenden, fragmentierten Welt.: >Die Welt verbinden<.
„Ich bin ein Stern, der seinen Gott erhellt; der seinen Glanz in dunkle Seelen stellt; der einst in fahle Ewigkeiten fällt.“ (Erich Mühsam)
Wo Dunkelheit ist, da ist zunächst Dunkelheit. Da ist das Kratzen an der Wand des Lichts, die Wut und der Zorn, die Trauer. Da sind Tränen, da kommt eine >Schwarze Phase<, da erschüttert ein >Schwarz blauer Februar´s Sonnentag<. Der Tröstende ist zunächst ein >schwarzer Begleiter<. Ohnmacht wird zu einem Gefühl von „ohne Macht“ gegenüber den Tränen, einem Fallen, einem >Wortfall<, einer Suche in Worten, einer Suche dem Wort: War am Anfang das Wort? Ja, für Antje Sträter wird es immer wieder eine Vergewisserung, eine Selbstvergewisserung sein, ein Ankerpunkt. Die Tränen zu verwandeln, die tröstliche Leere auszuhalten, die spirituelle Fülle zu erfahren. Sie ist ein Stern, der uns erhellt, die ihren Glanz in helle Seelen stellt, die aufsteht: >Abel steh´auf<! Steh´auf und belle mit den Hunden: Ich bin Erde, ich bin Licht, ich bin.
Wo ist, der meines Wesens Namen nennt? / Der meine Welt von meiner Sehnsucht trennt? / Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt. (Erich Mühsam)

 

Spiel mit der Polarität. Eine Retrospektive
Galerie Sprechsaal
Marienstrasse 26
10117 Berlin
Germany

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