Auf der Suche nach den schönsten Kunsterlebnissen

Kaum einer hätte wohl gewusst, dass Edvard Munch zu seinem „Schrei“ in einem der heute schönsten Skulpturenparks inspiriert wurde. An diesem Ort, im Ekeberg Park in Norwegen, finden wir Werke der bekanntesten Künstler der Geschichte und Gegenwart – von Auguste Rodin über Dalí bis hin zu Tony Cragg.

sculpture network macht sich mit seinen Experiences jährlich auf die Suche nach den faszinierendsten Orten dreidimensionaler Kunst und ist dabei an Norwegens Hauptstadt Oslo nicht vorbeigekommen: Mit dem östlich gelegenen Ekeberg Park (norw.: Ekebergparken) haben wir einen Skulpturenpark erleben können, der nicht nur durch seine Werke namhafter Künstler überzeugt, sondern auch vor allem durch das Zusammenspiel mit Geschichte und Natur. Denn dieses Freilichtmuseum dokumentiert mit bisweilen 39 signifikanten Werken die Entwicklung dreidimensionaler Kunst der letzten 130 Jahre. Dabei bietet sich uns eine ausgewogene Mischung an aktuellen Stars der Kunstszene und Koryphäen der klassischen Bildhauerei.

Nue sans draperie, 1921
©Artistide Maillol/BONO, Foto: Florian Holzherr

Die ästhetischen skulpturalen Darstellungen weiblicher Körper in ihrer (halb)nackten Perfektion werden tagsüber zwischen sanften Wiesen und lichten Baumreihen in eine beschauliche Kulisse gestellt. Diese von Aristide Maillol, Auguste Rodin und Gustav Vigeland geschaffenen göttlichen Abbilder begegnen uns auf unserem Rundgang immer wieder.

James Turrell, Skyspace: The Colour Beneath, 2013
Foto: Florian Holzherr

Nach Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich der Park in ein vielversprechendes Lichtspektakel: Der amerikanische Installationskünstler Tony Oursler hat drei Licht- und Videoinstallationen eigens für den Ekeberg Park konzipiert. Unabhängig voneinander inszeniert, agieren sie doch in einem gemeinsamen Themenkomplex: Die Kommunikation im Laufe der Zeit steht dabei sowohl bei den Projektionen Cognitive & Dissonance als auch bei Spectral Power und Klang im Mittelpunkt. Während ersteres der Frage nachgeht, wie Wahrheit und Inhalt in diesem Internetzeitalter produziert werden, handelt es sich bei Spectral Power um ein sprechendes Licht, das auf Töne und Sprache mit blinkenden Effekten reagiert.

An ein festes Zeitfenster sind ebenso die Lichtinstallationen von James Turrell gebunden. Der amerikanische Künstler verwendete das alte Wasserreservoir des Parks um dort zwei Installationen zu integrieren. Eine davon ist Skyspace:The Colour Beneath. Während Sonnenaufgang und Sonnenuntergang erzeugt dieses begehbare Rondell eine faszinierende Harmonie zwischen dem Raum, in dem sich der Betrachter befindet und dem Himmel darüber, der durch ein Dachfenster sichtbar ist. Um dieses eindrucksvolle und fantastische Zusammenspiel von Farbe, Licht und Raum begreifen zu können, muss man Turrells Installationen live erlebt haben.

Fideicommisum, 2002 ©Ann-Sofi Sidén / BONO
Foto: ©Ivar Kvaal/Ekebergparken

Für einen gewissen Witz sorgt das Selbstporträt von Ann-Sofi Sidéns, das die schwedische Künstlerin beim Wasserlassen zeigt. Zwischen Bäumen platziert, wirkt dieses Arrangement amüsant, der Hintergrund ist allerdings ein tieferer: Bedenkt man, dass die erste Version dieses Werks für ein Anwesen aus dem 15. Jahrhundert angefertigt wurde, wird die Meinung der Künstlerin gegenüber aristokratischen Traditionen deutlich – denn der Werktitel „Fideicommissum“ bezieht sich auf alte patriarchale Erbschaftsstrukturen.

Zum Gruseln und Nachdenken lädt die anatomische Darstellung eines Engels von Damian Hirst ein. Inspiriert von Alfred Bouchers Bronzeskulptur L'Hirondelle von 1920 fertigte Hirst diese schaurig schöne Engelsskulptur aus Carrara-Marmor. Der britische Künstler erkundet in seinen Arbeiten das Verhältnis von Kunst, Schönheit, Religion, Wissenschaft, Leben und Tod und so hinterfragt er mit Anatomy of an Angel die Anatomie und Menschlichkeit von Bouchers Himmelwesen. Hirst entscheidet sich dabei seinem Engel die gleichen anatomischen Merkmale einer sterblichen Frau zu geben, die durch die freigelegte Struktur unter der Haut sichtbar wird.

Mit Eröffnung des Parks 2013 erzeugte die serbische Performancekünstlerin Marina Abramović besonderes Aufsehen: Als Hommage an Edvard Munchs Der Schrei konzipierte sie mit The Scream eine Schrei-Performance, bei der sie 270 Osloer integrierte. Vor der gleichen Landschaft, die Munch für sein berühmtes Motiv verwendete, schrien sich die Bewohner Oslos ihre Seele aus dem Leib. Dieses einmalige intensive Ereignis ist im Museum des Parks für die Ewigkeit dokumentiert.

Neben diesem glanzvoll aufgezeichneten Portfolio lassen sich auch noch Werke von Salvador Dalí, Jenny Holzer, Fernando Botero und vielen weiteren prägenden Künstlern finden. Und diese Bandbreite soll auch noch lange nicht alles gewesen sein: Der Ekeberg Park ist ein laufendes Projekt und die Anzahl der Skulpturen und Installationen soll auf achtzig ansteigen. Daher ein Must See für alle Kunstliebhaber und all diejenigen, die sich vom hektischen Großstadtalltag zurückziehen wollen. Und vielleicht werden auch Sie bei einem Besuch, wie Edvard Munch, von dem atemberaubenden Ausblick auf den Oslofjord inspiriert.

Blick auf den Oslofjord, Foto: ©Ivar Kvaal/Ekebergparken

EKEBERGPARKEN
Kongsveien 23, 
N-0193 Oslo

https://ekebergparken.com/en

 

 



 
 
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