Die Grenzen [...] verschwimmen lassen

Ein Interview mit Daniel Lingham, dem Herausgeber und Begründer von Sculptorvox

Im vergangenen Januar entstand eine neue Veröffentlichung: Sculpturvox, Volume 1 Geometry of Nothing (Geometrie des Nichts). Geometry of Nothing ist die erste Ausgabe einer Serie, die man sammeln kann und die der Würdigung zeitgenössischer dreidimensionaler Kunst gewidmet ist. Die Idee stammt von Daniel Lingham, einem ehemaligen Skulpteur, der eine große Lücke in dem, was Journale, Magazine und Literatur im Allgemeinen denjenigen anzubieten hatten, die Skulpturkunst schätzen und nach Erkenntnissen und Inspiration dürsten. Aus diesem Grund beschloss er, eine Publikationsreihe zu begründen, deren Augenmerk auf kreativen Prozessen, deren Methoden, dem Geist und dessen Hingabe liegt.
In diesem Interview eröffnete uns Daniel, warum er das Bedürfnis verspürte, diese Serie zu begründen und was wir von den folgenden sieben Ausgaben erwarten dürfen.

Daniel Lingham

Was ist Ihr Hintergrund?
Ich habe einen vielseitigen Hintergrund, da ich im Laufe der Jahre vielen Tätigkeiten nachgegangen bin und verschiedene Rollen eingenommen habe. Es gab zwei Dinge, die mich grundsätzlich beeinflusst haben und die mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin und dies sind mein universitäres Lernen und meine persönlichen Entscheidungen. Ich habe einige grundsätzliche Entscheidungen darüber getroffen, was ich mit meinem Leben machen möchte, um ein Gespür von Sinnhaftigkeit zu erlangen, das mich mehr erfüllte. Ursprünglich habe ich, als ich zur Universität ging, Philosophie studiert, aber ich war zu jung und unerfahren, um die Komplexität und die intellektuelle Bandbreite vollständig zu verstehen. Die dort behandelten Konzepte können überwältigend sein und ich glaube, dass man Zeit und Überlegung benötigt, um sie vollständig zu durchdringen. Mir wurde einst nahegelegt, dass man zuerst etwas anderes studieren solle und wenn man dies erfolgreich absolviert hat, dann kann man damit weitermachen, dass man sich Gedanken über die philosophischen Aspekte dessen macht, was man nun kennt. Zwar weiß ich nicht, in wie weit das zutrifft, aber es half mir darüber klar zu werden, wofür ich zu diesem Zeitpunkt besser geeignet war und so ging ich zu Computerwissenschaften über, worin ich einen Abschluss im Bereich Kodieren und Systemarchitektur erwarb. Die virtuelle Welt, von der ich dachte, dass ich sie betrat, war gefüllt mit kreativen Möglichkeiten und Parallelen struktureller und skulpturaler Formationen. Die Wirklichkeit war weit weniger interessant und weniger greifbar, so dass ich mich in der Geschäftswelt schnell seelenlos fühlte, da man bei ihren täglichen Unterfangen nichts anfassen oder fühlen muss. Der Gegenentwurf dazu sah für mich so aus, dass ich mich körperlicher Kreativität zu wand. Daher lernte ich aus Stein zu meißeln, verließ meinen gut bezahlten Beruf und wurde für einige Jahre Skulpteur, der abstrakte Werke für private Kommissionen und Galerien erschuf. Rückblickend kann ich sagen, dass ich recht erfolgreich war, dass sich die Werke rasch verkauften und von Galerien ausgestellt wurden. Aber das führte nicht zu finanzieller Sicherheit, so dass ich, nach einer finalen Ausstellung meiner Werke im Jahr 2012, beschloss, etwas anderes zu tun. Ich gründete eine Webdesign- und Entwicklungsfirma, die sich in den vergangenen Jahren mit Kunst und Einrichtungen der kreativen Branche befasste.

Wie entstand die Idee zu Sculptorvox?
Während meiner Zeit als Skulpteur suchte ich nach Lesestoff, der meine Interessen stimulieren würde. Zu dieser Zeit gab es im Vereinigten Königreich nichts, das mich ansprach, daher abonnierte ich ein US-Magazin des International Scultpure Center. Es ist ein großartiges Magazin, aber es beinhaltet nicht die Art von Arbeit, Prozessen und Ideen, die meiner Meinung nach in einer Veröffentlichung über Skulpturen zu entdecken sein sollten. Es ging mir nicht so sehr um die praktischen Prozesse, auch wenn diese bedeutsam und interessant sind, es ging mir vielmehr um Denkprozesse und geistige Nahrung, die jedes künstlerische Schaffen begleiten. Auch war ich neugierig, was andere Künstler durchleben, um ihre Berufserfahrung auszubauen. Die meisten Veröffentlichungen im Bereich Kunst behandeln entweder künstlerische Berühmtheiten oder sind wissenschaftlicher Natur. Keines der beiden befasst sich auf zugängliche, aber nachdenkliche Weise wirklich mit den Bestandteilen, die im kreativen Schaffensprozess involviert sind. Ich dachte mir, dass etwas diese Lücke schließen sollte, etwas, das ich lesen wollen würde. Es brauchte noch ein paar Jahre bis ich beschloss, mich auf den Weg zu machen und diese Veröffentlichung zu beginnen.
Anfangs erstellte ich eine Internetseite und begann Skulpteure auf der ganzen Welt zu interviewen, diese Interviews zu bearbeiten und mit Bildern der Kunstwerke und Porträts der Künstler online zu stellen. Ein Teil davon ist in der gedruckten Version erhalten geblieben. Nachdem ich 15 lange Interviews zusammengestellt hatte, dachte ich mir, dass diese Art von Material eine bessere, durchdachtere Plattform benötige. Das Internet ermöglicht nur eine flüchtige Begegnung mit dem Material. Ich wollte die Länge der Hingabe der Künstler zeigen, mit der sie ihren Praktiken nachgehen und etwas Sammelwürdiges, Begehrenswertes, Wunderschönes, Nachdenkliches erschaffen, das überdauert. Das war der Moment, als ich begriff, dass Print die richtige Plattform darstellt. Als ich merkte, dass viel Arbeit auf mich wartete, um Sculptorvox druckreif zu machen, kontaktierte ich Matt Gill, der ein führender Lektor im Bereich Visuelle Kommunikation der Mode ist und er war von der Möglichkeit beim Design der Publikation zu helfen, begeistert. Er hatte bereits seine eigene Publikation veröffentlicht (Metazine) und er hatte schon sogenannte Raw Print Events veranstaltet, um Macher unabhängiger Magazine darzustellen. Matt wurde zu einem essentiellen Bestandteil von Sculpturvox, der die allgemeine Ästhetik lenkte.

Wie wählten Sie das Thema der einzelnen Ausgaben aus?
Ich wollte, dass jede Ausgabe einen zentralen Schwerpunkt oder einen lockeren roten Faden hat. Etwas, dass die einzelnen Werke lose verbindet und jeder Ausgabe eine Persönlichkeit gibt. Auch wollte ich eine Serie erschaffen, ie einen Anfang und ein Ende hat, ich legte mich auf acht Ausgaben fest. Die erste beschäftigt sich damit, etwas aus dem Nichts zu erschaffen, sie ist der Ausgangspunkt. Die letzte Ausgabe schließt den Kreis, da sie sich mit Entropie und Atrophie befassen wird. Die Ausgaben dazwischen sollen einige zentrale Punkte abdecken, die in vielen Werken, die ich sah, wieder zu finden sind. Einige der Themen sind: die menschliche Natur, das Bedürfnis etwas zu erschaffen, unsere eigene Umwelt, Visionen einer möglichen Zukunft und Veränderung.

 



Warum befassen Sie sich nur mit Skulpturen?
Es gibt bereits Veröffentlichungen, die sich mit einem breiten Spektrum an Kunst, einschließlich Bildhauerei, befassen. Ich denke zum Beispiel an Frieze Magazine oder Aesthetica Magazine, die im Vereinigten Königreich erscheinen. Keines von ihnen befasst sich ausschließlich mit Skulpturkunst und in gewisser Weise trifft das auch auf Scultporvox zu. Ich wollte eine Publikation erschaffen, die aufzeigt, wie viele zeitgenössische Künstler arbeiten. Sie bewegen sich zwischen verschiedenen Medien, verwenden unterschiedliche Methoden, um Ideen zu formulieren und erschaffen Werke, die verschiedene aktuelle Kategorien umfassen. Ich wollte die Grenzen dessen, was als Arbeit im Bereich Skulpturen bezeichnet wird, verschwimmen lassen und mir die Stellen ansehen, wo sich verschiedene Praktiken treffen, die sich gegenseitig beeinflussen. Der Skulpteur bleibt der Mittelpunkt, aber meine Herangehensweise, um die Methoden und den Geist des Künstlers darzustellen, lag darin, Texte, Photographien, Zeichnungen und Aspekte, die darüber hinaus gehen, mit zu umfassen.

Was bedeutet Skultpurkunst für Sie?
Skulpturkunst bedeutet für mich, dass man eine Idee durch Form zum Leben erweckt und dass diese Raum einnimmt. Mir ist bewusst, dass dies eine sehr offene Definition ist, die auf viele Dinge und kreative Prozesse angewendet werden kann, was sich in der Wiederbelebung der Macherkultur zeigt.
Es ist der Akt durch den man eine Idee zu Wirklichkeit werden lässt, die keine spezielle Funktion hat, außer ihre eigene Bedeutung zu kommunizieren und die nicht alltäglich ist.


Sculptorvox beginnt nun mit der zweiten Ausgabe und sucht nach neuen Texten, Essays, kreativen Interpretationen, Rezensionen, Interviews und fotografischen Arbeiten, die den Titel und das Thema von "Blood & Wire" erforschen und darauf reagieren. Sehen Sie sich ihren Call for submissions für die vollständigen Bewerbungsdetails an.

Sculptorvox

Founder und Editor: Daniel Lingham
Sprache: Englisch
ISBN: 2515-7329
Gebundene Ausgabe: 157 Seiten
Format: 21,5 x 1,3 x 27,5 cm
Verlag: Urban Fugitive Ltd, UK (Jan 2018)

Purchase Vol. 1

 



 
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