NordArt 2021: Internationale Kunst in einer ehemaligen Gießerei ist zurück

Nach der Zwangspause im Jahr 2020 öffnete die NordArt zum 22. Mal ihre Pforten und lud bis zum 10. Oktober Kunstliebhaber*innen zu einer Reise durch die Welt der Kunst ein.

In Büdelsdorf, dem nördlichsten Zipfel Deutschlands, eingebettet zwischen den Meeren, hat sich eine Kunstausstellung etabliert, die in Europa ihresgleichen sucht. In einer ehemaligen Eisengießerei am Nord-Ostsee-Kanal, direkt nördlich von Rendsburg, kommen mehr als 200 ausgewählte Künstler*innen aus aller Welt zu einem monumentalen Kunstwerk zusammen. Jedes Werk steht für sich selbst und zugleich im Dialog mit den anderen. In Synergie mit der imposanten Kulisse entsteht eine einzigartige Atmosphäre, die zu einer Entdeckungsreise einlädt.

Veronika Psotková (Tschechische Republik),
„Together - In The Stream“ XI Jianjun
(China/Großbritannien), „Babylonian“
Carlshütte, Halle IV © www.nordart.de,
Foto: Jörg Wohlfromm

Die Pause im Jahr 2020, so Chefkurator Wolfgang Gramm, habe eindrucksvoll gezeigt, wie unverzichtbar Kunst und Künstler*innen für Geist und Seele, für das menschliche Miteinander sind. Deshalb erzähle das Kunstwerk Carlshütte nun seine Geschichte weiter und brenne förmlich darauf, die Hallen und den Skulpturenpark wieder mit Leben zu füllen. Die hervorragende Platzierung durch die Kurator*innen lässt die ausgewählten Skulpturen in einen Austausch mit dem Industriedenkmal treten, was trotz der Größe und Offenheit der Präsentation zu einer eher ehrfürchtigen, fast feierlichen Atmosphäre führt. Der internationale Ansatz bietet eine Vielzahl von Perspektiven und schickt die Besucher*innen auf eine unvergleichliche Reise durch die Welt der Kunst in einem ganz besonderen Ambiente. 

Die ehemalige Eisengießerei wurde 1997 stillgelegt und dient seit 1999 als Ausstellungsort. Sie stellt nicht nur ein beeindruckendes Industriedenkmal dar, sondern bietet mit ihren riesigen Hallengängen, der restaurierten ACO-Wagenremise und dem weitläufigen Parkgelände einen außergewöhnlichen Rahmen für kulturelle Veranstaltungen aller Art. 

Jedes einzelne Kunstwerk und alle zusammen sind durch ein Narrativ über die menschliche Existenz verbunden. Diesmal tritt ein Thema besonders hervor: die Auseinandersetzung mit unseren ethischen Grundsätzen und die Suche nach Wegen, um verloren gegangene Werte in der Moderne zu bewahren. Das gilt zum Beispiel für den diesjährigen Länderschwerpunkt, der sich der zeitgenössischen Kunst in der Ukraine widmet. Unter dem Titel The Limits of Reality präsentieren die Kurator*innen des ukrainischen Pavillons Evgen Karas und Darina Momot aus Kyjiw Werke von 22 ukrainischen Künstler*innen und das Kunstprojekt „A4 ballpoint“ („A4-Kugelschreiber“).

sculpture network auch in diesem Jahr wieder präsent

Zu den ausstellenden KünstlerInnen zählen in diesem Jahr wieder vier sculpture network-Mitglieder.


Rainer Fest – Deutschland

„Die Skulpturen des Bildhauers Rainer Fest sind von ungewöhnlicher Art. Im Spannungsfeld zeitgenössischer Kunstäußerungen markieren sie eine sehr eigene Position, gewonnen mehr aus persönlicher Lebenserfahrung als aus Anlehnung an Kunstgeschichte oder gar einer Orientierung am Markt. Rainer Fest ist einer jener Einsamen, die Kunst aus einer inneren Leidenschaft heraus betreiben, welche geistiger Natur ist.“ (Katrin Arrieta)

Ohne Titel, 2021, Granitfindling, Wasser, Eisengestell, 125 x 125 x 125 cm
Peter Lundberg – USA
Katla, 2010, Beton, Eisenarmierung,
Höhe: 1300 cm (Entstanden auf dem
NordArt-Symposium 2010)

Lundbergs große, organisch anmutende Betonarbeiten werden in der Erde gegossen, so dass der Herstellungsprozess gleichsam Wurzelkraft und Wurzelform in seinen Arbeiten erzeugt. Seine Skulpturen gleichen dem Unterbewusstsein, es sind komplexe Strukturen – und jenseits einer Beurteilung zwischen schön und hässlich, gut oder schlecht. Sie entwachsen der Erde und strecken sich in den Himmel. Die Skulpturen verkörpern reine Emotion.

Plickat, Jörg – Deutschland
Labyrinthum, 2020, Cortenstahl,
460 x 460 x 460 cm

Plickat zählt zu den international anerkanntesten deutschen Bildhauern. Seine zunächst figurativ geprägte Kunst wandelt sich nach 1985 in eine abstrakt-kubisch geprägte Formensprache, hinter der vielfach die menschliche Figur erkennbar ist. Seit 2000 bestimmt Cortenstahl – zum Teil auch Bronze – die Materialität seiner Plastiken.

 

Twellmann, Urs-P. – Schweiz

Hölzer in allen Erscheinungsformen bilden die Ausgangslage für die Objekte, Installationen und Interventionen von Urs Twellmann. Die Auseinandersetzung mit dem Material, das Erforschen seiner Eigenschaften und Möglichkeiten sowie das Spannungsfeld zwischen Chaos und Ordnung stehen im Zentrum des kreativen Prozesses, in dem der Künstler die Hölzer bricht, spaltet, zersägt und analysiert, um sie schließlich in neue Anordnungen und Zusammenhänge zu bringen.

2,25 x π, 2018, Eichenholz, 500 x 500 x 200 cm (Entstanden auf dem NordArt-Symposium 2018)

 

Autorin: Ilaria Specos
Übersetzung: Andreas Schnietz

August 2021

Titelbild: Kurt Gebauer (Tschechische Republik) „Beine aus Wasser“. Skulpturenpark © www.nordart.de, Foto: Jörg Wohlfromm



 
 
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