Magische Begegnung im Netz – der sculpture network Online Club

Eine Teilnehmerin erzählt von ihren Eindrücken und warum sie die Erfahrung des Online Clubs so genossen hat.

Am 5. Februar 2021 fand die fünfte Ausgabe des sculpture network Online Clubs statt. Dieses Mal unter dem Thema „Erfolgsgeschichten – Kunstschaffende organisieren Events für Skulptur“. Moderiert wurde der Abend von Kuratorin Anne Berk.

Beatriz Carbonell Ferrer ist die Gründerin von SCULTO in Logroño (La Rioja, Spanien), die erste Kunstmesse Spaniens, die sich auf internationale, zeitgenössische Skulptur spezialisiert hat. Karin van der Molen initiierte ein internationales Skulpturensymposium und eine dazugehörige Ausstellung, die sich der niederländischen Landschaft widmeten.

Schon zum dritten mal war ich diesmal dabei, beim sculpture network Online Club. Für all jene, die noch nicht teilgenommen haben: man fühlt sich, als betrete man ein internationales Forum: ein herzlicher Willkommensgruß von der Moderatorin und ein ganzer Raum voller Menschen. Unter ihnen bekannte und neue Gesichter; wie immer ist eine Vielzahl von Nationalitäten vertreten. Teilnehmende aus Argentinien, Kanada, den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Russland, Italien, Spanien usw. sind dabei, etwa 40 Personen waren es an diesem Montag Abend. Und genau das ist, was sculpture network ausmacht. Die meisten der Anwesenden waren selbst Kunstschaffende, aber auch Kulturfreund*innen und Fachleute hatten den Weg zu diesem Onlineevent gefunden, das so einfach alle Grenzen überquert, ohne Reise, ohne Kosten.

Joseph Tasnadi, Waterpiano
Joseph Tasnadi, Waterpiano

Karin van der Molens Erfolgsgeschichte: Wie sie ein Skulpturensymposium in den Niederlanden initierte

Karin schafft standortspezifische Kunst. Sie absolvierte erst ein Jurastudium und engagierte sich für Menschenrechte, bevor sie sich Vollzeit als (autodidakte) Künstlerin etablierte und das geschäftige Stadtleben Amsterdams für ein Leben auf dem Lande tauschte. Das machte so einigen Unterschied. Das Verlangen nach dem Grünen jedoch hatte sie schon Jahre begleitet, jetzt wurde die Natur ihr neues Reich als Ort und Medium ihrer Kunst. Angeregt durch die bedrohten Landschaften in ihrer direkten Umgebung, den Feuchtgebieten der Niederlande, initiierte sie zusammen mit ihrem Partner ein erstes Symposium mit standortspezifischer Kunst, alles im Zeichen des Wassers. Sie strebte danach, zusammen mit anderen Kunstschaffenden eine Plattform zu kreieren. Diese sollte Raum für Austausch, Diskussion, gemeinsame Interessen und dringende Fragen zur Umwelt bieten und um das Bewusstsein für steigende Meeresspiegel fördern – ganz besonders in einem Land wie den Niederlanden, in dem ein Großteil der Bevölkerung unter dem Meeresspiegel lebt.

Artistis working together
Artists working together

Karin erzählte, dass sie für ihr Projekt komplett bei Null anfangen musste, ferner welche Schritte, Strategien und Taktiken nötig waren, um Zugang zu Funding zu bekommen, die Künstler*innen auszuwählen (worunter einige Mitglieder des sculpture network) und wie sie die Anwohner mit an Bord bekam, das Projekt zu unterstützen. Sie illustrierte ihren Vortrag mit vielen Bildern und Details zum Arbeitsprozess, der Organisation vorort und wie es schließlich gelang, dass Hilfskräfte und Kunstschaffende zusammen kamen und ihre zum Teil großangelegten Kunstwerke am Standort montierten. Sie beschrieb die Stimmungskurven, von Frustration bis Stolz, und wie sich die Beziehung zu den Anwohnern verändert vor und nach dem Symposium. Was braucht es also für so ein Projekt? Die Entschlossenheit und Kreativität der/s Künstler*in, jede Menge Menschen, Schweiß, Zeit und harte Arbeit. Denn trotz aller Widrigkeiten, ergänzte Karin, hätten alle Teilnehmer eine außergewöhnliche Erfahrung miteinander geteilt und seien dafür dankbar. Sich nach einem harten Arbeitstag zum Essen zusammenzukommen, ein Glas Wein zu trinken, ein Gespräch anzuknüpfen, eine Massage zu empfangen, ein Lachen zu teilen, eine so intensive Zeit zusammen zu erleben – das sei einfach das Beste.
Dem Symposium folgte eine bedeutende sechsmonatige Land-Art-Ausstellung, lockte Besucher an und konnte sich über Aufmerksamkeit weit über die Grenzen der einheimischen Gemeinschaft hinaus auf nationaler und internationaler Ebene freuen. In den vergangenen vierzehn Jahren, haben Karin und ihr Partner ganze acht Land-Art-Ausstellungen organisiert, und das mit Erfolg. In diesem Jahr werden sie drei Ausstellungen zu Kunst in der Natur kuratieren.

Enrique Martínez  Glera, Beatriz Carbonell Ferrer, Josémaría Esteban Ibáñez
Enrique Martínez  Glera, Beatriz Carbonell Ferrer, Josémaría Esteban Ibáñez

 

Beatriz Carbonell FerrersErfolgsgeschichte: SCULTO – die erste Messe für Skulptur in Spanien

Beatriz hatte bereits eine lange und erfolgreiche, weltweite Karriere als Bildhauerin hinter sich, als sie und ihr Ehemann entschieden sich in Logroño, einer Stadt in der Weinbauregion Rioja, niederzulassen. Beatriz wurde Mutter und standortspezifische Kunst wurde fürs Erste eine Unmöglichkeit. Doch auch mit den vermeintlichen räumlichen Fesseln durch das Familienleben, gab Beatriz‘ kreativer Geist keine Ruhe. Nachts kamen ihr immer neue Ideen, kreisten in ihrem Kopf und ließen sie nicht schlafen – bis sie eines Tages entschied, der Theorie Taten folgen zu lassen. Sie präsentierte ihre kühne Idee zuerst nur zwei guten Freunden: eine Messe, die sich ausschließlich Skulptur und 3D-Kunst widmete.  
 

Inma Prieto, SCULTO’s curator
Imma Prieto, Kuratorin von SCULTO

Mittlerweile ist SCULTO, der Name jener Messe, für sculpture network-Mitglieder schon lange kein Fremdwort mehr. Seit 2017 hat die alljährliche Messe bereits dreimal stattgefunden. Beatriz nahm uns noch einmal mit an den Anfang, von Konzept und Zielsetzung bis hin zu Strategien, die zur Umsetzung führten. Sie erklärte, wie sich die regionale Gemeinschaft engagierte, allem voran die örtlichen Galerien, Kulturinstitutionen und Weingüter, wie sie letzten Endes die Räumlichkeiten für die Messe auf der oberen Etage eines traditionellen Lebensmittelmarktes fand und sie gleichzeitig eine Ausstellung im Museum von Rioja mit Skulpturensammlungen anderer spanischer Museen initiierte. SCULTO ist ein Riesenerfolg. Neben ARCO wird sie mittlerweile als eine der wichtigsten Kunstmessen gehandelt. Die vierte Ausgabe wird schon im Herbst 2021 stattfinden.

The mayor of Logroño, Pablo Hermoso visiting SCULTO
Logroños Bürgermeister Pablo Hermoso besucht SCULTO   

Beatriz bedankte sich auch bei sculpture network, das mit einer großartigen Medienkampagne die Bekanntheit der Messe vor allem international förderte. Sie erklärte, welche wichtige Rolle gerade die Galerien spielten, um die Umsetzung von SCULTO voranzutreiben und wie sich begrenzte Räumlichkeiten positiv auf das stets hohe Niveau und die Exzellenz der Messe auswirken.  In Spanien, wie auch üblich in anderen Ländern, ist der Erfolg einer/s Künstler*in in der Regel abhängig von der Galerie, die sie/ihn vertritt. Kunstschaffenden, die wünschen an SCULTO teilzunehmen, gab Kuratorin Anne Berk den Tipp, sich vor allem um das Augenmerk von Galeristen zu bemühen. Beatriz bestärkte jene Anwärter*innen darin, sich mit den Galerien, die gewöhnlich an der Messe teilnehmen, über die Website von SCULTO vertraut zu machen. Auf der anderen Seite ermutigte die Messe die Galerien, mehr Skulptur-Künstler*innen unter Vertrag zu nehmen. Dies könnte in der Zukunft auch den Weg für weitere Skulpturmessen ebnen.

 

Zum Schluss

Karin und Beatriz haben bewiesen wie man sich mit Erfolg seinen Herausforderungen stellt. Die ausgesprochen positive Bilanz überwiege immer die ursprünglichen Mühen, sagten beide. Danke für die Möglichkeit, diese Erfahrungen aus erster Hand im sculpture network Online Club zu hören und zu teilen. „Vielen Dank, die Damen! Ihr habt es drauf! Ich habe so viel  mitgenommen: die Lehren, die Kunst und – das Sahnehäubchen oben drauf – einen Abend voller Verbundenheit mit gleichgesinnten Freunden. Wenn man mich fragt, war es einfach magisch!“  

Über Anne Berk
Anne Berk ist Kuratorin, Kunstrezensentin und -pädagogin. Sie lebt und arbeitet in der Nähe von Amsterdam in den Niederlanden. Sie ist Koordinatorin und Kuratorin bei sulpture network.

 

Über Karin van der Molen    
Karin van der Molen macht standortspezifische Kunst. Ihre ständigen und temporären Skulpturen und Installationen über die Umwelt finden sich in Wäldern, Parks, auf und an Gebäuden.

Beatriz Carbonell Ferrer

Über Beatriz Carbonell Ferrer        
Beatriz Carbonell Ferrer (Valencia, *1974) studierte Skulptur an der Fakultät der schönen Künste San Carlos an der Polytechnischen Universität in Valencia. Sie arbeitet als Bildhauerin und Projektmanagerin.

Laure Debouttiere

Über die Autorin
Laure Debouttiere (France, *1973) ist Kunsthistorikerin. Seit 2017 lebt und arbeitet sie in Moskau. Zur Zeit arbeitet sie an einem Forschungsprojekt zu Sozialer Plastik im post-sowjetischen Russland.

 

Titelbild: Pedro Mazorati, Where the Tides Ebb and Flow

 



 
 
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