„Skulptur: eine universelle Sprache“ – Die Sydney Sculpture Conference

Sculpture by the Sea ist die größte kostenlose und öffentliche temporäre Außenskulpturenausstellung der Welt und findet zweimal im Jahr statt. Die ursprüngliche Ausstellung, die in der magischen Landschaft von Bondi Beach, Sydney, stattfindet, zieht jährlich hunderttausende von Menschen an.

Jedes Jahr gegen Ende dieses atemberaubenden Ereignisses veranstaltet Sculpture by the Sea die Sydney Sculpture Conference – eine Veranstaltung, die sich dem Ziel verschrieben hat, die klugen Köpfe der internationalen dreidimensionalen Kunstszene zusammenzubringen. 
sculpture network hatte die Ehre, Partner der letztjährigen Veranstaltung zu sein. Kooperationspartner  in diesem Jahr war The Sculpture Program der Central Academy of Fine Arts (Beijing) (CAFA), vertreten durch Professor Lv Pinchang, Dekan für Bildhauerei – ein recht interessanter und ungewöhnlicher Charakter, der aufgrund seiner liberalen Denkweise eine erfrischende Perspektive auf die chinesische Kunstszene und die Kultur Chinas bietet.
Unsere Koordinatorin in Australien und Networking-Profi Elly Buckley hat sich unter die Leute gemischt und gibt Einblicke in eine ganz besondere Veranstaltung.

Sculpture Conference in Bondi
Sydney Sculpture Conference in Bondi, Australien, 2018, Photo von Charlotte Curd

 

Wenn man als Europäer vor der Sydney Opera steht, bekommt man Gänsehaut. Ein Ort, den man normalerweise nur am 31. Dezember im Fernsehen sieht, wenn die Australier zu den ersten gehören, die das neue Jahr feiern. Mit der berühmten Hafenbrücke im Hintergrund und dem Feuerwerk über der Oper entsteht dann bei vielen der Wunsch, diesen Ort mindestens einmal im Leben zu besuchen. Im November ist dies der Schauplatz, den Sculpture by the Sea für seine jährliche Konferenz gewählt hat – besser geht es kaum!

Um Sculpture by the Sea und ihren Gründungsdirektor David Handley ranken sich mittlerweile einige Mythen; sicher auch aus diesem Grund zieht die Sydney Sculpture Conference Menschen aus der ganzen Welt an und verkörpert so auch den Kern der Mission von sculpture network: die Förderung dreidimensionaler Kunst für ein globales Publikum.

Sculpture Conference
Sydney Sculpture Conference in Bondi, Australien, 2018, Photo von Charlotte Curd

 

Professor Lv Pinchang (Dekan für Bildhauerei) und Sui Jianguo (ehemaliger Dekan für Bildhauerei bei CAFA) waren ganz vorne dabei, als es hieß, die zeitgenössische chinesische Bildhauerei zu revolutionieren – mit der „neuen Welle“, die durch Projekte der öffentlichen Kunst in den Stadtverwaltungen gefördert wird. Von Großstädten wie Peking bis hin zu den kleinsten Städten finanziert die Zentralregierung öffentliche Skulptur, während die Kommunalverwaltung und große Unternehmen sicherstellen, dass jede Stadt einen hohen Anteil an öffentlicher Skulptur hat. Dies geschieht seit 30 Jahren. 

Eines der erwähnten Projekte war das Recycling von alten, nicht mehr benötigten Fertigungsanlagen. Bildhauer aus der ganzen Welt wurden eingeladen, an diesem Projekt mitzuarbeiten: Sie sollten neue öffentliche Kunstwerke entwerfen und fertigen, indem sie diese veralteten Geräte umgestalteten.

Gastredner John McDonald, Kunstkritiker, Autor und ehemaliger Head of Australian Art an der National Gallery of Australia, bezeichnete dies als „revolutionäre Transformation der Bildhauer in China in den letzten zwei Jahrzehnten“. Er präsentierte die Arbeiten von acht führenden Alumni und Lehrern der CAFA, die in diesem Jahr bei Sculpture by the Sea, Bondi, ausstellten. 

Die 5 m hohe Bronzeskulptur von Wei Wang namens Walking ist ein Beispiel dafür, wie relevant und universell die Skulptur geworden ist. Die Beine bilden von den Seiten ein „V“, zwei chinesische Zeichen, die „enter“ bedeuten – eine kraftvolle Ansprache an alle Menschen.

Wei Wang
Wei Wang, Walking (2015), Sculpture by the Sea, Bondi, 2018, Photo von Charlotte Curd

 

Die anschließende Podiumsdiskussion drehte sich um „Tradition und Trends in der Bildung“. Es wurde die internationale Art der Bildhauerausbildung von traditionellen bis zu zeitgenössischen Methoden verglichen. Mit Dr. Michael Hill als Vorsitz (Head of Art History and Theory an der National Art School NAS, Sydney) diskutieren Prof. Lv Pinchang (Künstler und Dekan an der CAFA), David Horton (Head of Sculpture NAS), Wendy Teakel (ehemalige Head of Sculpture Aust. National University, Canberra) und Professor Gavin Younge (ehemaliger Head of Sculpture an der School of Fine Art, Kapstadt).

„Künstler wollen die Welt darstellen – und wohin sie sich entwickelt“, war die allgemeine Meinung im Panel – nebenbei bemerkt deckt sich das gut mit der Idee von sculpture network sculpt the world. Künstlerinnen und Künstler empfinden diesbezüglich eine gewisse Großzügigkeit und das Eigentum am Raum. Sie übernehmen Verantwortung und schaffen Werke, die ständige soziale Interpretationen in der Öffentlichkeit sind. „Öffentliche Kunst ist oft die erste Ebene der Interaktion eines jeden Menschen mit Kunst; man kann ihr auf der Straße begegnen, ohne aktiv die Entscheidung treffen zu müssen, ein Museum zu besuchen – öffentliche Kunst ist einfach da und erfüllt eine Mission.“ Von Interesse war auch die Diskussion unter den Pädagogen über die Unterschiede zwischen den Studiengängen verschiedener Länder. In China, wo ein Studium über fünf Jahre läuft, sagte Professor Lv Pinchang, dass die ersten drei Jahre mit traditioneller Ausbildung, figurativer Modellierung und Guss verbracht werden; in den folgenden zwei Jahren kann der Künstler dann diversifizieren und neue Technologien ausprobieren, um seine Praxis und seinen Stil zu entwickeln. In Australien und Kapstadt hingegen dauert der Abschluss nur drei Jahre; hier haben Lehrerinnen und Lehrer im Vergleich dazu das Gefühl, nur an der Oberfläche kratzen zu können.
Es wurde deutlich, dass Sculpture by the Sea sehr daran interessiert ist, das Thema „Skulptur lehren“ voranzutreiben, sagte ein Teilnehmer. Etwas, das in der Skulptur-Community in Australien sehr gut ankommt! Kunst ist nichts, was in einer Art Bachelor-Studiengang gelehrt werden kann, also reichen drei Jahre nicht aus – das war die allgemeine Schlussfolgerung.

Unsere Koordinatorin in Australien, Elly Buckley, hat zwei Teilnehmer befragt, um Ihnen noch mehr Einblicke zu geben:

Christine Simpson – Direktorin am Sydney Art Space (Mitglied von sculpture network) und Britt Mikkelsen, Künstlerin aus Perth:

Warum brauchen wir Skulpturen? Was bringen sie uns als Gesellschaft?

Christine Simpson
Christine Simpson

Christine: Als Kunstform, die seit Menschengedenken in uns verwurzelt ist, ist die Skulptur ein wichtiges Bindeglied zwischen unserer Vergangenheit und der Gegenwart. Sie betont die physischen Grenzen unseres Lebens auf dem Planeten Erde.
Die Skulptur lebt von der Vergangenheit der menschlichen Existenz. Wenn alte Skulpturen uns etwas über vergangene Zivilisationen erzählen, dann werden unsere heutigen Skulpturen später viel über uns aussagen. Die Frage wird lauten: „Was wollen wir zukünftigen Generationen sagen?“

Damit Skulptur relevant bleibt, wird sie, wie die Sprache, eine sich verändernde Dynamik entwickeln – die einzige Konstante ist der Wandel. Daher werden sich skulpturale Formen weiterhin zu allen möglichen, weitgehend unsichtbaren und bisher unbekannten Erscheinungsformen festigen, die neue Technologien und phänomenale vierdimensionale Elemente wie Licht, Klang und Raum beinhalten können. Ich fand es immer interessant, dass das einzige überlebende und fortlaufende Kunstwerk der Star Wars-Serie, eine Projektion in die Zukunft, eine Skulptur ist.

Wie der positive und negative Raum werden sich Form und Nichtform weiterentwickeln und verändern und auf den Schultern des Vorhergehenden den anhaltenden Bedarf an der plastischen Sprache der Skulptur sicherstellen. Skulptur kann unser Bewusstsein für die Menschheit an sich stärken und uns auf mehreren Ebenen beschäftigen, sei es politisch, sozial, metaphysisch, ökologisch, kulturell und/oder technologisch.

Britt Mikkelsen

Britt: Skulptur hält uns mehr auf dem Boden der Tatsachen als ein Bild an der Wand, das oft formaler wirkt. Skulptur bedeutet ein Gefühl für Raum, den wir einnehmen und für die Landschaft, die uns umgibt.
Eine vollständige Erklärung unserer Welt und unserer Erfahrungen.

 

 

Glaubst du, dass Skulptur tatsächlich universell ist?

Christine: Die Tatsache, dass wir alle in physischen Körpern leben, sichert uns ein bleibendes universelles Interesse und die Auseinandersetzung mit Form und Raum. Als Kunstform wird die Skulptur weltweit produziert. Sie ist nicht in einem bestimmten Teil der Gesellschaft oder einer bestimmten Region verwurzelt, also würde ich denken, dass dies der Skulptur auch einen universellen Reiz verleiht.

Britt: Im Laufe der Geschichte haben Kulturen, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben, immer noch eine starke skulpturale Verbindung.  Ob nun durch Schmuck und Werkzeugbau oder Bildnisse von Göttern und Königen.  Die Menschheit hat die angeborene Fähigkeit, die dreidimensionale Form zu schätzen, sei es in der Natur, der Gesellschaft oder in der Kunst; die Wertschätzung von Schönheit in Bezug auf die Form liegt uns im Blut.

Obwohl sich nicht alle Menschen Bildhauer nennen würden, haben sie die Fähigkeit, die allgemein verstandenen Wahrheiten über Gleichgewicht, Ästhetik und Schönheit zu schätzen.  Wenn dies nicht universell wahr wäre, hätten wir kein universelles Verständnis dafür, was in der Natur schön ist.

 

Elly Buckley

Autorin: Elly Buckley

Elly ist unsere australische Koordinatorin. Sie vernetzt sculpture network mit ihren Kontakten und macht auf Konferenzen wie der Sydney Sculpture Conference Networking für uns.



 
 
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